110: Ergänzung zu Magenschutz und Protonenpumpenhemmern

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Diesen Text hat mir Martine geschickt, nachdem sie die Folge 110 mit Dr. Wick gehört hatte. Es geht ihr darum, warum wir bei Aspirin nicht sofort zu zusätzlichen Magenschutz-Tabletten greifen sollten, wie man vielleicht aus dem Gespräch mit Dr. Wick schließen könnte. 

Danke, Martine, für diese hilfreichen Erklärungen. Natürlich alles ohne Gewähr und nicht als ärztliche Beratung zu verstehen.  

Über Magenschutz und Protonenpumpenhemmer 

Ich möchte als Apothekerin gerne etwas ergänzen: In der Episode 110 ist im Zusammenhang mit Acetylsalicylsäure das Stichwort Magenschutz gefallen. 

Im Prinzip ist es kein Problem, wenn man Aspirin in geringer Dosis dauerhaft nimmt, solange es unter ärztlicher Kontrolle geschieht. 

Ich habe gelernt, dass schon ab einer Dosis von 35 Milligramm eine gewisse Aggregationshemmung auftritt und die Wirkung einer einzelnen Dosis bis zu zehn Tage anhält. 

Ich würde jedoch Patienten, die eine Dosis von bis zu 100 Milligramm ausprobieren möchten, niemals mit Magenbeschwerden als mögliche Nebenwirkung abschrecken. Der Therapieerfolg steht im Vordergrund. 

Wenn der Patient nur niedrig dosiertes Aspirin einnimmt, und das auch noch in Form von magensaftresistent überzogenen Tabletten, die den Wirkstoff erst im Dünndarm freisetzen, dann sehe ich da kein Problem für die Magenschleimhaut. 

Magensaftresistente Tabletten werden vor dem Essen eingenommen. Die billigere, nicht magensaftresistente Form, wird zu den Mahlzeiten mit ausreichend Wasser eingenommen. Am besten morgens.

Dr. Wick erwähnt das Wort Magenschutz, und darauf möchte ich eingehen. Ja, bei dem Thema kann ich recht emotional werden. Und ich erkläre euch jetzt warum. 

Was versteht man heutzutage unter Magenschutz? Normalerweise ist damit die Arzneimittelklasse der Protonenpumpenhemmer gemeint, auch Protonenpumpen-Inhibitoren genannt. 

Die meisten stellen sich darunter ein Arzneimittel vor, das sich wie ein Schutzfilm auf den Magen legt. Protonenpumpenhemmer wirken jedoch ganz anders! Egal ob Omeprazol oder Pantoprazol, Rabeprazol, Lansoprazol oder Esomeprazol, der Wirkstoff ist immer mit einem magensaftresistenten Überzug versehen. Das heißt, er kann sich nicht schützend auf die Magenschleimhaut legen, denn er kommt durch den Überzug gar nicht mit dieser in Kontakt.

Die Tablette wird geschluckt, im Magen bleibt der Wirkstoff ummantelt und gelangt in den Dünndarm. Erst hier wird der Überzug aufgelöst. Der Wirkstoff wird resorbiert und über die Blutbahn zurück zum Magen transportiert.

Ein Protonenpumpenhemmer hemmt die Protonenpumpen im Magen. Dies kann man sich leicht bildlich vorstellen: kleine Pumpen, welche H+ Ionen und damit Magensäure in den Magen pumpen. Dabei werden die Pumpen durch die erwähnten Wirkstoffe nicht nur gehemmt, sondern regelrecht zerstört! Der Körper benötigt etwa drei Tage, um neue Protonenpumpen zu bilden und neue Säure in den Magen zu pumpen. 

Deswegen kann die Wirkung eines solchen Arzneimittels bis zu drei Tage anhalten. Natürlich nimmt die Wirkung mit der Zeit ab. Ich habe in meiner Laufbahn nur wenige Patienten gesehen, die Protonenpumpenhemmer nur zwei- bis dreimal pro Woche nehmen. Die meisten nehmen sie heutzutage zweimal täglich!

Dabei ist es bei vielen Arzneimitteln gar nicht notwendig, dass man so einen Magenschutz verwendet. 

Es wird den Menschen jedoch eingetrichtert oder sie glauben, dass sie ihn brauchen. 

Und überhaupt: in fast zwanzig Jahren Berufserfahrung in der Apotheke hatte ich noch nie einen Patienten der mich gefragt hat, ob das verschriebene Arzneimittel seinem Darm schaden könnte, aber alle haben Angst das Antibiotikum könnte ihrem Magen schaden! 

Ich weiß, dass ihr hier in der CFS-Community aus der Not heraus alle zu kleinen Leaky-Gut-Experten geworden seid. Deshalb freue ich mich auf offene Ohren zum Thema Darmgesundheit zu stoßen, was im Apothekenalltag nicht immer der Fall ist.

Die kurzfristigen Nebenwirkungen von Protonenpumpenhemmern sind gering. Langfristig jedoch können sie Probleme verursachen. Das heißt, sie schützen vielleicht den Magen, schaden aber dem Darm. 

Protonenpumpenhemmer haben sicher in gewissen Fällen ihre Daseinsberechtigung, zB bei verätzter Speiseröhre oder Ulcera. Aber ursprünglich waren sie nicht zur Dauermedikation gedacht. Ob wirklich notwendig sollte ein Mediziner abklären, am besten einer aus dem Bereich Umweltmedizin oder Funktionelle Medizin.

Denn, überlegt doch mal: unsere Magensäure hat eine Daseinsberechtigung!

Wir essen etwas, das eventuell weniger frisch ist, wir werden angehustet: Viren und Bakterien kommen in unseren Mund, werden runtergeschluckt, fallen in die Magensäure und…  Krankheitserreger tot, Problem gelöst!

Magensäure und Gallenflüssigkeit sind wichtige Barrieren im Verdauungstrakt.

Weiter geht es in den Zwölffingerdarm. Der hat normalerweise kein Problem mit Magensäure, denn er ist es gewohnt, dass der Speisebrei sauer aus dem Magen kommt.

Anders ist die Situation für den Dünndarm, wenn infolge chronischer Protonenpumpenhemmer-Einnahme die Verdauungsleistung der Magens nicht mehr gewährleistet ist und durch fehlende Säure nicht aufgeschlossene Nahrungsbestandteile in tiefere Darmabschnitte  gelangen:

Zuerst freuen sich die Bakterien dort über das neue Nahrungsangebot und machen Party, dann stellen sie fest, dass sie nicht ausgebildet wurden um diese Sorte von Speisebrei zu zerlegen und schließlich gehen sie zu Grunde.

Die Partystimmung der Bakterien erlebt der Mensch mit Blähbauch und Meteorismus, die Symptome die mit dem Ableben der gesunden Darmflora einhergehen sind noch belastender. 

Tor auf für Nahrungsmittelintoleranz, —sensitivität und Leaky Gut. 

Ferner, denkt doch bitte mal an das Thema Darm-Hirn-Axe. Gewisse Hersteller von Probiotika gehen momentan dazu über PSYCHOBIOTIKA zu entwickeln. Das sind Bakterienstämme, die einen positiven Effekt auf unsere Gehirntätigkeit ausüben sollen.

Also, wenn man eine einigermaßen gut zusammengestellte eigene Darmflora hat, sollte diese nicht unnötig aufs Spiel setzen.

Fazit

Wenn jemand ein paar Tage lang Aspirin ausprobiert, würde ich ihm nicht im voraus von möglichen Magenbeschwerden erzählen und kein zusätzliches Medikament empfehlen. 

Protonenpumpenhemmer sind für einige Patienten sicher notwendig, aber die langfristigen Probleme auf die Darmgesundheit sind ein großes Problem.

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