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Bens vollständige CFS Genesung + viele praktische Tipps

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In diesem Artikel liest du einen mutmachenden und inspirierenden Erfahrungsbericht, wie Ben wieder von ME CFS genesen ist. Gleichzeitig erhältst du wertvolle praktische Informationen, die auch dir bei deiner Erkrankung helfen können.

Der Text ist eine Zusammenfassung eines Youtube-Interviews, das Raelan Agle mit ihm geführt hat.

Wie es bei Ben zur Erkrankung kam

Ben spricht im Interview von einer Gesamt-Belastungs-Theorie, die besagt, dass alle Menschen überraschend viel Stress aushalten können, egal ob aus externen Quellen, aus Kindheitserfahrungen oder aufgrund von Toxinen und Krankheitserregern.

All diese Dinge können sich im menschlichen Körper als Stress ansammeln.

Doch wenn die Stressgrenze erreicht ist, das Fass sozusagen voll ist, kann es überlaufen. Auch bei Ben lief irgendwann das sprichwörtliche Fass über und er erkrankte an ME/CFS.

Aber von vorne.

Ben hielt sich vor seiner Erkrankung für einen sehr gesunden Menschen. In seinen Zwanzigern begann er eine Karriere in der Fitnessbranche und leitete ein Surfcamp im Osten von Long Island (Stadtteil von New York), war also sehr aktiv. Gesundheit und Fitness auszustrahlen war Teil seiner Persönlichkeit.

Dann im Alter von etwa 25 Jahren änderte sich das buchstäblich über Nacht. Er war damals gerade auf einer Surfreise in Afrika, als er Probleme mit Parasiten bekam. Hier fingen die körperlichen Symptome wie extreme Erschöpfung, Muskelschmerzen und andere ihm damals unerklärliche Dinge an.

Es stellte sich dann heraus, dass er Borreliose hatte.

Im Nachhinein betrachtet, sagt Ben, dass es wohl ein Zusammenfluss vieler verschiedener Faktoren war und Borrelien nur einer von vielen Faktoren war, die bei ihm letztendlich zu ME/CFS geführt haben.

Trotzdem versuchte er weiter, es der Welt zu beweisen, indem er sich selbst und andere trainierte und sein Business am Laufen hielt.

Zu dieser Zeit konnte er sich noch nicht vorstellen, wie sehr sich sein Leben verändern würde. Er kannte bis zu diesem Zeitpunkt ja nichts anderes als eine Erkältung oder auch mal eine Grippe – zumindest nur Erkrankungen, von denen man in der Regel relativ schnell wieder auf die Beine kommt. Obwohl er die schlimmsten Grippesymptome verspürte, die er je erlebt hatte, kombiniert mit anderen Dingen, wollte er nicht glauben, dass das noch eine ganze Weile so weitergehen würde.

Er dachte, es wird bald wieder gut. Ein bisschen ausruhen und Hühnersuppe essen und alles wird wieder gut. Was aber leider nicht der Fall war.

Nun begannen die ganzen Arztbesuche – Ben berichtet, dass er über 30 verschiedene Ärzte aufgesucht hat. Es wurde alles Mögliche getestet und je mehr Tests er machte, desto mehr Alarmglocken schrillten.

Und trotzdem ging es ihm mit den Wochen immer schlechter.

Schließlich bekam er eine Diagnose nach der anderen: MS, chronische Borreliose, Fibromyalgie, ME/CFS. Auch wenn er anfangs erleichtert war, überhaupt eine Diagnose zu bekommen, wurde ihm bald klar, dass ihm diese „Wischiwaschi“-Begriffe nicht unbedingt weiterhelfen würden.

Was ist wichtiger – die Erreger bekämpfen oder das Milieu verbessern?

Antibiotika (sogar zeitweise intravenöse) brachte nur eine temporäre Erleichterung. Langfristig hat es das Milieu in seinem Körper negativ verändert, Candida kam hinzu.

Der herkömmliche, schulmedizinische Ansatz lautet oft: Töten wir den Erreger.

Der Gedanke dahinter ist, dass Erreger für Krankheiten wie Borreliose verantwortlich sind. Doch es gibt kein klares Verständnis dafür, wie diese Krankheitserreger zu all diesen Symptomen führen können, die Ben verspürte. Das war für ihn nicht ganz nachvollziehbar.

Der biologische Ansatz auf der anderen Seite des medizinischen Spektrums besagt: Der Erreger ist nichts – das Milieu ist alles und wir sollten uns um das Darmmikrobiom und das interstitielle Gewebe kümmern.

Zum Thema Lyme Borreliose verweist Ben auf einen Doktor der biologischen Medizin, Dr. Thomas Rau, der einmal am Marion Institute in Massachusetts einen Vortrag hielt. Dort berichtete er, dass schätzungsweise weniger als zwei Prozent aller Menschen, die Lyme-Borreliose haben, tatsächlich Symptome zeigen und krank werden. Bei Erkältungsviren werden drei von zehn Personen krank, die anderen bleiben symptomfrei.

Das zeigt, wie wichtig es ist, auf ein gutes Milieu zu achten.

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Akzeptieren heißt nicht aufgeben

Nach ein paar Wochen Kranksein war Ben gezwungen, seine Wohnung in Long Island aufzugeben und auf die Couch zu seinen Eltern zurückzuziehen. Seine Arbeit hat er im gleichen Zug zuerst um über 70 Prozent reduziert, bevor er schließlich komplett aufhören musste zu arbeiten.

Ben betont:
Auch wenn es leider nicht so war, dass er die ganze Zeit Hoffnung gehabt hätte (es gab definitiv Tage tiefer Verzweiflung), lernte er, dass Akzeptanz und Aufgeben nicht gleichbedeutend sind. Sein Rat für andere ME/CFS-Betroffene lautet:

Akzeptiere, wo du gerade stehst, aber behalte dir deine Vision für die Zukunft!

Manchmal muss man den aktuellen Zustand akzeptieren, um den Widerstand loszulassen – denn der Widerstand kann Entzündungsprozesse verstärken und dir auf deiner Genesungsreise im Wege stehen.

Egal wie schlimm die Situation momentan gerade ist, ich kann trotzdem nach vorne schauen.

An dieser Erkenntnis musste Ben immer und immer wieder arbeiten. Er hat diese neue Denkweise richtiggehend eingeübt und mit der Zeit gemerkt, dass er sich körperlich tatsächlich ein bisschen besser fühlte.

Es war das Gefühl, nicht mehr diese schwere Last zu tragen. Die Last war zwar noch da, aber sie drückte ihn nicht mehr hinunter; er fühlte die Last eher neben sich statt auf seinen Schultern.

Und das gab ihm ein wenig Spielraum, um Dinge zu tun, der er schon lange nicht mehr hatte tun können, wie Zeichnen oder andere scheinbar triviale kleine Dinge.

Was Ben spürbar geholfen hat

Ben wollte jeden freien Moment und jedes bisschen verfügbarer kognitiver Energie, die ihm zur Verfügung stand, verwenden, um herauszufinden, wie er gesund werden kann.

Allerdings hat er auch gemerkt, dass man im Internet nicht immer nur produktive Informationen findet. Man sollte hier sehr wählerisch sein, mit was man sich beschäftigt, damit es einen nicht noch weiter „runterzieht“.

Richtig weitergebracht hat ihn:

  • tief durchatmen
  • Stretching
  • sich etwas Schönes anschauen

Und auch sonst alles, was positiv war.
All das zusammengenommen gab ihm ein gutes Gefühl.
Aber warum war das der Fall?

Ben wurde neugierig und fragte sich, warum diese Dinge ihm eigentlich helfen. So kam er auf die Idee, dass all diese Dinge seinem Körper anscheinend helfen, gegen Entzündungen anzukämpfen und das Immunsystem zu stärken. Also hat er begonnen, diese Dinge aktiv zu verfolgen und aktiv

Er begann dadurch, Schritt für Schritt seine Umstände zu ändern.

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Der Schlüsselmoment in seinem Leben

Am Anfang hatte Ben das Gefühl, überhaupt keine Kontrolle über sein Leben zu haben. Doch mit einem einzigen tiefen Atemzug hat sich alles geändert.

In diesem einen Moment hat ihm irgendwas in seinem Nervensystem plötzlich gesagt, dass ihm ein tiefer Atemzug und Seufzer guttun würde.

Das gute Gefühl hat vielleicht nur eine halbe Sekunde lang angehalten, wie er berichtet.

Aber ab da ging es bergauf.

Er dachte bei sich: Wenn ich auch sonst nichts anderes kontrollieren kann, kontrolliere ich wenigstens diese eine Sache in meinem Leben, selbst wenn es mir nur eine Sekunde lang ein gutes Gefühl gibt.

So merkte er, dass er sehr wohl eine gewisse Kontrolle über sein Leben hat.

Daraufhin beschäftigte er sich mit der Wissenschaft der kleinen Siege, wie er sie nennt: der einfache Akt, sich etwas in den Kopf zu setzen und es dann tatsächlich zu tun, selbst wenn es etwas so Kleines ist wie ein tiefer Atemzug oder etwas zu sagen.

Wie kleine Dinge weitreichende Auswirkungen haben können

Ben nennt es die Wissenschaft der kleinen Verluste (Science of Small Losses), wenn man sich zu viel vornimmt und das einen runterzieht. Denn das programmiert unser Nervensystem in die falsche Richtung und hindert uns daran, Dinge zu tun, die uns weitergebracht hätten.

Erlernte Hilflosigkeit sozusagen.

Die Lösung besteht darin, uns selbst ein wenig Spielraum zu geben und bewusst Dinge zu tun, statt aus lauter Angst völlig zu erstarren.

Das können ganz kleine, triviale Dinge sein, die wir bewusst machen wie

  • einen tiefen Atemzug zu nehmen,
  • einen Stift aufzuheben oder
  • ein Bild zu malen.

Also sich einfach ein paar Minuten lang einer Aktivität zu widmen, die einem Freude bereitet oder einem etwas Atempause verschafft.

Solche Dinge können weitreichende und tiefgreifende Auswirkungen haben.

Ben hat sich mit der Zeit eine Art Sequenz zusammengestellt.

(Dies war die Grundlage für sein später entwickeltes Gehirn Trainingsprogramm namens re-origin. Mittlerweile ist Ben Mitbegründer und Geschäftsführer von re-origin, einer Organisation, die Menschen hilft, von chronischen Krankheiten zu genesen und ihr Leben zurückzugewinnen.)

Der Körper und Dinge wie Bewegung und Körperhaltung, Atmen, das, was man sich ansieht und wie man es sich ansieht, die Art und Weise wie wir mit uns selbst sprechen, die Position des Kopfes, der Gesichtsausdruck – das alles sind Dinge, die wir zu unserem Vorteil nutzen können, um auf das limbische System zuzugreifen.

Ben versucht den Menschen zu vermitteln, dass sie sich entspannen können, auch wenn sie sich gerade nicht wohlfühlen.

Das gilt es einzuüben und immer und immer wieder zu tun, weil wir damit unser Gehirn sozusagen neu verdrahten und dahingehend verändern, wie wir auf Symptome reagieren.

Die wichtigste Voraussetzung, damit das Nervensystem sich neu reguliert

Ein Dreh- und Angelpunkt war für Ben, als er in einem Artikel las, dass sich die Zellen unseres Körper alle in einem bestimmten Zeitrahmen erneuern.

Die Magenschleimhaut ersetzt sich innerhalb von 30 Tagen vollständig, Haut, Knochen und Gehirn innerhalb einiger Monate. Innerhalb von sieben Jahren wurde somit jede Zelle und jedes Organ in unserem Körper vollständig ersetzt.

Ben dachte bei sich: Wenn das stimmt, könnte ich in sieben Jahren ein ganz anderer Mensch sein!

Er schöpfte Hoffnung, denn er erkannte, dass dieses Gefühl des Feststeckens eigentlich nichts anderes als ein Gefühl ist. Wir glauben, dass wir feststecken, aber wir stecken gar nicht wirklich fest.

Dinge können sich ändern.

Der menschliche Körper ist dazu bestimmt, sich zu verändern, und er verändert sich ständig. Nichts klemmt wirklich! Alles ist in Bewegung! Ihm wurde bewusst:

Als Menschen haben wir viel mehr Macht, als wir es für möglich gehalten hätten.

Aber wie kann ich jetzt die Richtung beeinflussen, in die sich meine Zellen entwickeln?

Wir müssen wegkommen von dieser perfektionistischen Mentalität, alles perfekt machen zu müssen. Was wirklich eine Veränderung in eine positive oder irgendeine Richtung ausmacht, ist Beständigkeit über einen längeren Zeitraum.

Beständigkeit
ist
unabdingbar!

Ben empfiehlt, dass man sich jedes Mal, wenn man etwas richtig gemacht hat (etwas Gesundes gegessen oder Ähnliches) darüber freuen soll und es als Schritt in die richtige Richtung betrachten sollte.

Die Anzahl solcher Schritte, die wir tun können, ist unbegrenzt.

Somit ist auch die Anzahl von Chancen, die wir haben, unbegrenzt.

Wir können immer wieder neu beginnen. Jeder Moment ist eine weitere Chance, tief durchzuatmen, dein Nervensystem zu verändern, dein Leben zu verändern. So haben wir von Moment zu Moment die Kontrolle über die Richtung, in die wir uns bewegen.

Wie lange hat es gedauert, bis es Ben besser ging?

Innerhalb von acht bis zehn Monaten machte Ben einen Riesensprung und erlangte 70 oder 80 Prozent an Gesundheit und Wohlbefinden zurück.

Die letzten 20 oder 30 Prozent kamen daher, dass er sich wieder den Herausforderungen der Welt aussetzte. Was ihm anfangs nicht leicht gefallen ist, wie er zugibt (Stichworte: Chemikalien Sensitivität, Licht- und Geräuschempfindlichkeit usw.).

Es war ein Prozess der allmählichen Exposition oder systematischen Desensibilisierung. Er setzte sich langsam immer wieder diesem Unwohlsein aus und versuchte, dabei nicht überzureagieren. Das gab ihm mit der Zeit mehr Handlungsspielraum.

Ein Buch, das ihm half, war Run Towards the Danger von der Schauspielerin Sarah Polley.

Sie hatte das postkommotionelle Syndrom infolge einer Gehirnerschütterung. Viele Ärzte hatten ihr den gleichen, gut gemeinten Rat gegeben, nämlich: Vermeiden, was die Symptome auslöst. Sie befolgte diesen Rat sehr gewissenhaft und landete nach zwei Jahren im Grunde in einem abgedunkelten Zimmer.

Ihr Lebensraum hat sich immer weiter eingeschränkt, weil sie sich von den Dingen zurückgezogen hatte, die Symptome ausgelöst hatten. An einem bestimmten Punkt wurde ihr irgendwie klar, dass dies vielleicht nicht der beste Weg war.

Sie ging daher zu einem anderen Arzt, der ihr genau den gegenteiligen Ratschlag gab!

Die Idee war, sich nach und nach den Dingen auszusetzen, die ihr zu schaffen machten. (Also nicht danach zu rennen, wie der Titel des Buches einen glauben machen könnte, sondern langsam.)

Innerhalb von sechs Wochen veränderte sich ihr Leben dadurch radikal.

Anfangs wurden ihre Symptome wie Kopfschmerzen zwar eher schlimmer, aber im Laufe der Zeit stellte sie fest, dass sie auf bestimmte Dinge wie Licht und Geräusche unempfindlicher geworden war.

Ben hat es ähnlich gemacht und damit Erfolg gehabt.

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Wie Ben seine Stressreaktion überwand

Wenn du dich bedroht fühlst – wenn du zum Beispiel in einem Mehrfamilienhaus wohnst und eines Tages Geräusche im Treppenhaus hörst und daraufhin befürchtest, dass der Nachbar ausgeraubt wird –, baut sich in deinem Körper eine Stressreaktion auf:

Die Pupillen erweitern sich, dein Cortisol- und Adrenalinspiegel erhöht sich.

Das sind die Stresshormone, die erregend und entzündungsfördernd und kurzfristig gut sind, wenn wir Energie mobilisieren wollen.

Was wäre aber, wenn der Flur renoviert wird und die Geräusche für die nächsten paar Wochen konstant wären, aber dein Unterbewusstsein diese Geräusche immer noch mit Bedrohung assoziiert? Das wäre schlimm, nicht wahr?

Wenn das Gehirn sich über einen längeren Zustand in diesem sehr wachsamen Zustand befindet, würde das natürlich im Körper viel zu viele Ressourcen verbrauchen, unsere Energie erschöpfen und Entzündungen hervorrufen.

Was wir jetzt machen sollten, ist eine kognitive Neubewertung.

Um beim Beispiel mit den Geräuschen im Flur zu bleiben: Wir stellen uns vor, wie dort im öffentlichen Flur oder Treppenhaus ein schönes Wandbild gemalt oder aufgehängt wird, das uns richtig Freude machen wird.

Wenn wir jetzt die Geräusche hören würden, würde unser Gehirn dieselben Reize auf eine völlig andere Weise verarbeiten, denn jetzt freuen wir uns wahrscheinlich darüber und sind schon ganz gespannt auf das Gemälde.

Auf einmal haben die Geräusche einen positiven Einfluss auf unsere Physiologie und es werden Hormone und Chemikalien ausgeschüttet, die Entzündungen verringern können wie Dopamin, Oxytocin, Serotonin und Endorphine.

Die Herzfrequenz mag durchaus noch erhöht sein, aber Dinge wie das Pumpvolumen des Herzens und die Menge an Sauerstoff, die ins Blut gelangt, werden sich ändern.

Merke:
Unsere Denkweise, unser Mindset kann einen tiefgreifenden Einfluss darauf haben, wie unser Körper auf verschiedene Umwelteinflüsse reagiert.

Zurück ins Leben

Sobald Ben wieder etwas mehr Energie hatte, ging er wieder arbeiten. Das war in seinem Fall zufällig am belebten Times Square mit seinen vielen Leuchtreklamen. Er hatte zwar ein bisschen Angst, weil er ja so empfindlich gewesen war gegenüber Licht und Geräuschen, aber er nahm die Herausforderung an und sah es als Möglichkeit, die Techniken, die er gelernt hatte, in der Praxis anzuwenden.

Wie er berichtet, gab es natürlich Tage, an denen das alles viel zu stimulierend und überreizend war. Doch insgesamt merkte er, wie es mit seiner Gesundheit bergauf ging.

Für ihn war interessant herauszufinden, wie viel Kontrolle wir tatsächlich über unseren Gesundheitszustand und unsere eigenen Erfahrungen haben.

Einer der Dreh- und Angelpunkte für Ben war interessanterweise, als er die Entscheidung traf, all die Dinge loszulassen, die ihm nicht weitergeholfen haben. Er entschied, seinen Infusionsständer durch Reiseequipment und Surfboard auszutauschen.

Auch wenn er diese Gegenstände noch nicht sofort einsetzen konnte, waren sie ihm doch vor Augen und erinnerten ihn täglich daran, in welche Richtung er sich bewegen möchte.

Ein Gehirn-Trainings-Programm

Zusammen mit einem Neurowissenschaftler, einem Arzt und einem Psychologen hat er das erwähnte Online-Genesungsprogramm namens re-origin entwickelt, in dem all diese verschiedenen Techniken und Dinge, die er sich auf seiner Genesungsreise beigebracht hat, kombiniert sind.

Es ist ein sogenanntes Gehirntrainingsprogramm. Man könnte auch sagen ein Trainingsprogramm für das limbische Systems, das auf dem Prinzip der Neuroplastizität (die Fähigkeit des Gehirns, sich zu verändern) basiert.

Das Gehirn spielt ja bekannterweise eine äußerst wichtige Rolle im Körper und fungiert hier als eine Art Chef-Dirigent, damit dieses Orchester unseres Körpers harmonisch zusammenspielen kann.

Das Gehirn koordiniert alle etwa 3 Billionen Reaktionen, die im Körper pro Sekunde stattfinden. Es ist das komplexeste Organ der Welt, weit komplexer als der größte und beste Supercomputer.

Wenn der Körper mit seiner Energie effizienter umgeht, hat er mehr Energiereserven für langfristige Heilungsprojekte zur Verfügung wie die Verbesserung des Immunsystems, die Verdauung, die Nährstoffaufnahme oder die Wundheilung.

Häufig sagen Menschen, dass sie das Gefühl haben, dass bei ihnen eine Sicherung durchgebrannt ist; sie können aber nicht unbedingt genau benennen, was der Grund dafür war.

Vielleicht hatten sie ein stressiges Erlebnis oder sogar eine körperliche Verletzung wie die erwähnte Frau mit der Gehirnerschütterung.

Es kann auch ein Grippevirus oder das Coronavirus sein oder eine emotionale oder psychische Belastung.

Durch solche Ereignisse kann es passieren, dass das limbische System hypersensibilisiert wurde und im Stressmodus hängen bleibt.

Brain Retraining Programme oder Neuroplastizitäts-Programme wie re-origin oder auch das Gupta Programm zielen im Wesentlichen auf zwei Dinge ab:

  1. die Gesamtbelastung zu reduzieren (die allostatische Last), damit wir eine Atempause bekommen
  2. uns gegen Stresstrigger zu desensibilisieren, um Energie für die Heilungsprozesse freisetzen zu können.

Vielleicht fragst du dich an dieser Stelle: Hat das Ganze was mit Meditation zu tun und worin unterscheidet es sich davon?

Ben erklärt es so: Meditation kann nützlich sein, um das Nervensystem zu beruhigen, aber Neuroplastizitätsprogramm geht noch darüber hinaus. Es beruhigt nicht nur die Stressreaktion, sondern soll das Auftreten der Stressreaktion verhindern. Diesen Prozess nennt man Konditionierung.

Wir trainieren das Gehirn im Wesentlichen um.

Das Gehirn stellt immer Verbindungen und Assoziationen bei Ereignissen her, die das Gehirn zuvor mit dieser Stressreaktion in Verbindung gebracht hat.

Hierfür gibt es bei re-origin erstens einen Videokurs, der den Leuten Schritt für Schritt beibringt, wie man diese Neuprogrammierung des Gehirns macht und welche Rolle das Gehirn bei der Gesundheit und dem Immunsystem und bei Entzündungen spielt.

Man findet hier auch eine Community, ein Forum, wo sich alle darauf konzentrieren, die Übungen umzusetzen und Fortschritte zu machen. Ben betont, dass es in seinem Programm wirklich ums Vorankommen und Üben geht, weniger um Forschungsarbeiten und theoretisches Wissen.

Die dritte Komponente sind wöchentliche Gruppencoachings (sie werden im Programm „Momentum Sessions“ genannt) mit 10-15 Teilnehmern.

Eine praktische Entspannungsübung für stressige Situation

Jedes Mal, wenn das Telefon klingelte, hatte Ben während seiner Erkrankung eine kleine Panikattacke.

Mit der Zeit wurde ihm klar, dass hier immer wieder dasselbe passiert und so entwickelte er eine Strategie.

Er stellte folgende Regel für sich auf:

Immer wenn das Telefon klingelt, nehme ich mir einen Moment, mache einen tiefen Atemzug, lehne mich entspannt zurück, zaubere ein Lächeln auf mein Gesicht, und dann gehe ich ans Telefon. Es ist nur eine Pause von drei Sekunden.

Das Ganze war für ihn eine Herausforderung, die er eine Weile lang ausprobierte.

Nach etwa anderthalb Wochen Üben bemerkte er, dass das Klingeln des Telefons gar keine Panik mehr in ihm auslöst. Und nicht nur das! Stattdessen kam sogar ein Lächeln auf sein Gesicht und seine Schultern entspannten sich schon ganz automatisch.

Sein Schlüssel dabei war: Immer und immer wieder zu üben.

Wenn das Telefon 20, 30 oder 40 Mal am Tag klingelt und uns jedes Mal in den Stressmodus versetzt, ist das äußerst nachteilig für unser Energieniveau, obwohl man denken könnte, dass es nur eine kleine Sache ist.

Dreht man den Spieß um, kann diese kleine Sache eine tiefgreifende positive Wirkung auf unser Energieniveau haben, wenn wir bereit sind, daran zu arbeiten. Dabei muss es nicht nur das Telefon sein, sondern viele andere kleine Dinge, die uns in Stress geraten lassen.

Merke:
Viele kleine Dinge, die im Moment vielleicht unbedeutend erscheinen, können unsere Gesundheit enorm verbessern!


Ben erklärt im Videointerview eine vereinfachte Strategie, um sich aus dem Stressmodus zu befreien:

  1. Such dir etwas Unangenehmes aus, das du in deinem Leben ändern willst. Das muss nicht unbedingt ein körperliches Symptom sein, es kann auch Aufregung, ein bestimmter Gedanke, etwas zu essen, eine anstrengende Person oder dergleichen sein
  2. Achte darauf, welche körperlichen Reaktionen dieses Ding oder diese Situation bei dir auslöst. Was genau fühlst du in diesen Momenten und was möchtest du stattdessen erleben/spüren?
  3. Jetzt schaust du, wie du dieses positive Gefühl erzeugen kannst – vielleicht mit bewusster Entspannung oder einem Lächeln, wie Ben es beim klingelnden Telefon gemacht hat. Vielleicht indem du aus dem Fenster schaust oder ein schönes Bild betrachtest oder etwas anfasst, das dir ein gutes Gefühl gibt.

    Geh da wirklich in dich und überlege dir, was dir guttun würde und daraus machst du dir eine Routine.

Wichtig ist, dass du diese neu gewählte Reaktion auf einen bestimmten Stress Trigger immer und immer wieder üben kannst. Dein Gehirn wird das stressige Ereignis mit der Zeit dann mit positiven Assoziationen verbinden, so wie bei Ben.

Auf diese Weise werden wir mehr Zeit im parasympathischen Zustand verbringen können und somit besser für Selbstheilung und Selbstregulierung gerüstet sein.

Wir ändern dadurch die Art und Weise, wie das Gehirn Informationen verarbeitet, so dass es in diesen Szenarien jetzt standardmäßig in diesen ruhigen Zustand übergeht.

Hier nochmal zur Erinnerung, weil es so wichtig ist:

Üben, üben, üben.

Wenn du an einem bestimmten Punkt das Gefühl hast, dass du nicht weiterkommst, dann gib nicht auf. Alles im Gehirn und im Körper verändert sich ständig und als Mensch haben wir eine enorme Macht und Fähigkeit, zu bestimmen, wohin diese Veränderung uns führen wird.

Möge diese Macht uns immer weiter in Richtung Genesung führen!

Übrigens: Falls du lieber an einem deutschsprachigen Programm interessiert bist, können wir dir zwei empfehlen:

1. Das Gupta-Programm, das komplett ins Deutsche übersetzt ist.

2. Und das Recharge-Programm, bei dem nur der Name in Englisch ist :).

Oder du liest mehr über das autonome Nervensystem und mit welchen Übungen du den Vagusnerv massieren kannst?!

Von Herzen wünschen wir dir, dass du ein paar praktische Impulse für dich mitnehmen konntest und für dich passenden Ansätze findest.

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