198 Die Cell Danger Response erklärt, was bei ME/CFS und Long COVID auf Zellebene passiert
Die Cell Danger Response (CDR) ist bei Fatigue+ ein sehr wichtiges Thema, weil sie erklärt, was bei ME/CFS und Long COVID auf Zellebene passiert und warum es dabei zur Post Exertional Malaise und zu ständigen Crashs kommt. Und warum diese extreme Erschöpfung und alle anderen Symptome entstehen.
Wenn wir diese Cell Danger Response, also die Zell Gefahren Reaktion verstehen, dann wissen wir auch, was wir dagegen tun und uns bestmöglich behandeln können. Und sie lässt sich behandeln!
Über dieses wichtige Thema habe ich mit Dr. med. Jacqueline Metzner und ihrem Ehemann Rolf (Heilpraktiker) gesprochen.
Du kannst die Episode hier hören
Oder hier als Kurzversion
Hier die Ultra Kurz-Zusammenfassung über die Cell Danger Response
Die Cell Danger Response (CDR) ist ein biologisches Schutzprogramm.
Unsere Mitochondrien sind nicht nur Kraftwerke, sondern auch Wächter. Wenn sie Gefahr wittern – durch Infekte, Toxine, Stress oder andere Auslöser – schalten sie die Energieproduktion um.
Statt effizienter Energie (32 ATP) nutzt die Zelle nun die schnelle, aber schwache Glykolyse (2 ATP).
Das Gefahrensignal eATP (extrazelluläre ATP) wird nach außen abgegeben und versetzt das gesamte System in Alarmbereitschaft.
Der Prozess hat drei Phasen:
CDR1 (Abwehr)
CDR2 (Reparatur) und
CDR3 (Rückkehr zur Normalität).
Und hier das Problem: Bei ME/CFS und Long COVID steckt der Körper oft an einer Stelle in der Phase CDR3 fest. Prof. Naviaux nennt sie CDR3a. Der Körper befindet sich dann in einem Überlebensmodus, ähnlich dem Winterschlaf, weil er sich nicht mehr sicher fühlt.
Ein Crash ist aus Sicht der CDR kein Defekt, sondern eine erneute Alarmreaktion auf Belastung. Da das System hochempfindlich ist, lösen schon kleine Reize die CDR-Kaskade wieder aus.
Heilung bedeutet nicht, die Mitochondrien „anzuschieben“, sondern dem Körper Sicherheit zu vermitteln.
Prof. Naviaux, der führende Forscher in Sachen CDR, nennt das den „Metabolism of Trust“ = Stoffwechsel des Vertrauens. Der Körper braucht wieder vermehrt Signale der Sicherheit!!!
Durch Pacing, Reizreduktion und Nervensystemregulation lernt dein Körper über den Vagusnerv: Die Gefahr ist vorbei. Du bist nicht kaputt, du bist im Schutzmodus.
Das heißt: Aus diesem Modus der feststeckenden CDR3a-Phase gibt es für Viele einen Weg zurück in die Regulation. Es braucht Geduld, aber dein System ist lernfähig.
Gleichzeitig ist wichtig zu betonen, dass die Situation individuell sehr unterschiedlich sein kann. Bei einem Teil der Betroffenen können weiterhin körperliche Belastungen (also reale Gefahren) bestehen, die weiter als anhaltende Stressoren auf den Organismus wirken – z.B. durch Umweltfaktoren oder andere biochemische Einflüsse. In diesem Fall braucht es mehr als dass wir dem Körper nur wieder Signale der Sicherheit vermitteln.
Aber auch in solchen Fällen kann es helfen, dem Körper trotzdem Sicherheit zu vermitteln. Ja, da ist eine Gefahr, aber keine Lebensgefahr.
Und wenn unser Körper trotz der „Gefahren“ immer wieder das Signal bekommt, nicht in Lebensgefahr zu sein, können auch dann manche CDR Prozesse abgeschlossen werden. Vielleicht nicht ganz so schnell. Vielleicht nicht vollständig. Vielleicht auch nicht in allen Fällen.
Deshalb erleben eben auch nicht alle Betroffenen ähnliche Besserung. Die Dauer und auch der Grad der Verbesserung ist immer verschieden.
Und doch gilt: Es gibt realistische Aussichten auf deutliche Verbesserung, ja oft sogar ganze Heilung.
Soweit die Kurzfassung.
Nun gehen wir tiefer in die Materie.
Hintergrundinfos zu Doc Jay und dem Heilpraktiker Rolf Metzner
Doc Jay (wie Dr. med. Jacqueline Metzner auch genannt wird) und ihr Ehemann Rolf haben in den letzten 5 Jahren intensiv die Cell Danger Response und alle umliegenden Themen studiert, sind in intensivem Austausch mit Prof. Robert Naviaux, der hierzu eine wichtige wissenschaftliche Rolle spielt.
Jay und Rolf haben in den letzten Jahren nicht nur ein Experten-Wissen angeeignet, sondern haben Patienten behandelt und viele praktische Erfahrungen gesammelt. Sie können als Experten in diesem Gebiet genannt werden.
Doc Jay hast du in der Episode 197 schon kennengelernt. Sie hatte selbst Long Covid und ME/CFS, konnte nach intensiver Recherche und entsprechenden Ansätzen wieder genesen und hilft heute anderen.
Rolf war viele Jahre Diplom-Ingenieur für Medizintechnik. 2020 hat er sich aufgrund der Erkrankung seiner Frau entschieden, selbst in die medizinische Arbeit mit Menschen zu gehen. Seitdem arbeitet er als Heilpraktiker für Mind-Body Medizin und zu 100% im Online Programm Safety Retreat. Und dieses Programm baut stark auf die Erkenntnisse über die Cell Danger Response auf.
Wo in unserem Körper entsteht eigentlich Energie?
Der Körper ist wie eine große Stadt. In fast jedem Gebäude gibt es kleine Kraftwerke. Diese Kraftwerke heißen Mitochondrien. Sie sitzen in fast jeder Zelle im Körper und produzieren Energie. Diese Energie liegt in Form von Adenosintriphosphat – ATP – vor.
ATP ist so etwas wie die Energiewährung unseres Körpers. Ohne ATP keine Bewegung, kein Denken, kein Herzschlag.
Und in Zellen mit besonders hohem Energiebedarf – Muskelzellen, Nervenzellen – können Mitochondrien bis zu einem Drittel des gesamten Zellvolumens ausmachen. Das gibt eine Vorstellung davon, wie wichtig sie sind.
Aber Mitochondrien können noch viel mehr als nur Energie liefern. Der Begriff „Kraftwerk“ greift eigentlich zu kurz. Denn die Mitochondrien überwachen kontinuierlich die chemischen und physikalischen Bedingungen innerhalb und um die Zelle herum und reagieren darauf. Sie regulieren zum Beispiel die Reaktion auf Verletzungen und Infektionen. Und sie übernehmen auch eine wichtige Rolle bei der Kommunikation zwischen Zellen und bei der Koordination von Abwehr- und Heilungsprozessen im Körper.
Und interessant ist: jede Heilungsphase braucht einen anderen mitochondrialen Typ. Mitochondrien können fragmentieren – werden also zu vielen kleinen, getrennten Mitochondrien – wichtig für Autophagie und Selbstreparatur. Oder fusionieren – werden zu langen miteinander verbundenen Mitochondrien. Ohne strukturelle Veränderungen gibt es keine Heilung. Jede Zelle, deren Mitochondrien sich nicht mehr verändern können, ist krank oder tot.
Neben der Alarmfunktion sind Mitochondrien aber auch beteiligt an zum Beispiel Fettsäureabbau und Fettsäuresynthese, der Bildung von Häm – einem wichtigen Bestandteil des Hämoglobins, also unseres roten Blutfarbstoffs – und am Start der Steroidhormonproduktion – wenn Cholesterin zu Pregnenolon umgewandelt wird.
Mitochondrien sind also wahre Multitalente in unseren Zellen. Darum spielen sie eine zentrale Rolle bei vielen Erkrankungen.
Wie läuft die Energieproduktion Schritt für Schritt ab?
Die Energieproduktion in den Zellen ist ein bisschen wie in einer kleinen Fabrik. Erster Schritt ist die sogenannte Glykolyse – eine Art kleiner Vorbrenner. Die läuft im Zellwasser ab – dem sogenannten Zytosol. Die Glukose aus der Nahrung wird dort zerlegt. Dabei entsteht schon erste Energie – etwa 2 ATP.
Danach wandern die Zwischenprodukte weiter in die Mitochondrien. Dort werden die Stoffe zunächst im Zitronensäurezyklus weiterverarbeitet. Und ganz am Ende passiert der eigentliche große Energieschub: in der Atmungskette. Dort wird mit Hilfe von Sauerstoff sehr effizient Energie produziert. Hier entstehen dann ungefähr 30 weitere ATP.
Aus einem einzigen Glukosemolekül entstehen so insgesamt rund 32 ATP.
Warum funktioniert das mit der Energie bei Fatigue+ nicht mehr?
Die Antwort liegt nicht darin, dass die Mitochondrien kaputt sind. Ein möglicher Blickwinkel ist, dass der Körper ein uraltes Schutzprogramm aktiviert hat und dieses sich manchmal nicht mehr abschaltet.
Professor Robert Naviaux ist Arzt und Wissenschaftler und Professor für Medizin, Pädiatrie und Genetik an der Universität von Kalifornien in San Diego. Er leitet dort ein zentrales Labor für Metabolomik – also die umfassende Analyse aller kleinen Stoffwechselprodukte im Körper, die uns viel über den Zustand von Zellen und Organen verraten können.
Ein zentraler Punkt seiner Forschung ist dabei eine neue Perspektive auf die Mitochondrien. Er ist ein international anerkannter Experte im Bereich der mitochondrialen Medizin und hat 2014 ein Modell vorgestellt, das aus unserer Sicht vieles erklärt, was die klassische Medizin oft nicht greifen kann: die Cell Danger Response – kurz CDR. Oder auf Deutsch: die Zellgefahrenantwort.
Was ist die Cell Danger Response genau?
Die Grundidee ist: Wenn der Körper Gefahr wahrnimmt – eine Infektion, ein Trauma, ein Toxin – dann reagiert er mit der CDR.
Diese Reaktion verändert den Stoffwechsel und die Energieproduktion der Zellen und läuft in mehreren Phasen ab, auf die wir später noch näher eingehen.
Das Ziel dieses Programms ist – erstmal sehr vereinfacht ausgedrückt:
Erstens: Gefahr bekämpfen.
Zweitens: Schaden reparieren.
Drittens: wieder gesund werden.
Problematisch wird es erst, wenn die Cell Danger Response nicht mehr vollständig beendet wird und der Körper in einem dauerhaften Schutzzustand bleibt.
Naviaux beschreibt in einem Artikel von 2023, dass viele chronische Krankheiten zwar unterschiedliche Ursachen haben, aber dennoch etwas Gemeinsames aufweisen können. Und zwar, dass der Heilungsprozess in einem bestimmten Abschnitt der Cell Danger Response stecken bleibt.
Was passiert normalerweise, wenn wir krank werden und wieder genesen?
Naviaux unterscheidet dabei zwei Perspektiven: Die erste ist die Pathogenese: Was hat die Erkrankung ausgelöst?
Die zweite nennt er Salugenese: Was braucht der Körper, um wieder gesund zu werden?
An einem Beispiel: Stell dir ein Haus vor. Es fängt Feuer. Das Feuer wird gelöscht. Aber das Haus ist beschädigt.
Jetzt gibt es zwei Fragen: Erstens – was hat das Feuer ausgelöst? Das ist Pathogenese.
Zweitens – wie bauen wir das Haus wieder auf? Das ist Salugenese.
Viele Behandlungen in der Medizin fokussieren sich auf die erste Frage.
Naviaux sagt: Bei chronischen Erkrankungen ist oft die zweite Frage entscheidender. Denn das Feuer ist längst gelöscht – aber der Wiederaufbau hat nicht stattgefunden. Und das ist genau das, was wir bei ME/CFS und Long Covid so häufig sehen.
Behandlungen, die auf Salugenese ausgerichtet sind, beginnen oft dort, wo Pathogenese-orientierte Behandlungen enden.
Viele Patienten suchen ja oft verzweifelt nach der Ursache ihrer Erkrankung.
Aber das hängt eben mit der Cell Danger Response zusammen – also damit, dass der Körper in einem Schutzzustand feststeckt und den Heilungsprozess noch nicht zu Ende bringen kann.
Und der Schlüssel scheint tatsächlich zu sein, zu verstehen, wie der Körper wieder genesen kann.
Das klingt simpel – ist aber ein Paradigmenwechsel, der für viele Betroffene neue Perspektiven eröffnen kann.
Was passiert in der Zelle, wenn der Körper Gefahr wahrnimmt?
Wenn eine Zelle Gefahr wahrnimmt, betrifft eine der ersten Veränderungen die Energieproduktion.
Sie bleibt vorwiegend auf der Stufe der Glykolyse stehen. Diese Form der Energiegewinnung ist zwar schneller, aber deutlich weniger effizient. Die Zelle nutzt sie, um schnell reagieren zu können.
Gleichzeitig verändern sich auch wichtige Signale in der Zelle. Es entstehen mehr sogenannte reaktive Sauerstoffmoleküle – also kleine, sehr reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen.
Die sind in kleinen Mengen sogar hilfreich. Sie wirken wie Signalstoffe und helfen dem Immunsystem, Entzündung, Reparatur und Zellkommunikation zu steuern. Ein bisschen Funkenflug gehört also zum Leben.
Wenn jedoch zu viele dieser Moleküle entstehen oder die Schutzsysteme der Zelle überfordert sind, spricht man von oxidativem Stress.
Die Mitochondrien erkennen nun reaktiven Sauerstoff und ein gestörtes ATP/ADP-Verhältnis. Die Lipide in der Zellmembran oxidieren und dadurch wird diese instabil und durchlässiger.
Jetzt folgt der Übergang zur Cell Danger Response. ATP verlässt die Zelle und fungiert außerhalb der Zelle als extrazelluläres Alarmsignal – eATP. Das ist der Start der CDR-1. eATP bindet an sogenannte purinerge Rezeptoren auf der Oberfläche benachbarter Zellen.
Außerhalb der Zelle ist eATP das universellste Gefahrensignal auf unserem Planeten. Jede bekannte lebende Zelle besitzt purinerge Rezeptoren, also Rezeptoren die aktiviert werden, wenn sie eATP erkennen.
Das heißt: eATP ist nicht nur ein Zellsignal – es ist ein System-Gefahrensignal.
Wenn eine Zelle eATP ausschüttet, signalisiert sie: „Ich bin in Gefahr – ich ziehe mich zurück – alle anderen: Seid gewarnt.“
Wird eATP von Zellen wahrgenommen, verringern diese direkt den mitochondrialen Sauerstoffverbrauch und damit die Zellatmung und die Energiegewinnung.
Bei In-vivo-Tests mit Mäusen bewirkte die systemische Injektion von eATP eine Senkung des Grundumsatzes um 74 Prozent und der Körperkerntemperatur um 6 bis 8 Grad Celsius.
In einer Studie von 2016 untersuchte Naviaux über 600 Stoffwechselprodukte im Blut von ME/CFS-Betroffenen und fand ein auffälliges Muster. Rund 80 Prozent bestimmter Stoffe waren erniedrigt – ein Hinweis darauf, dass der Körper in einen gedrosselten Energiesparmodus geschaltet hat.
Der Körper ist dann nicht kaputt. Er priorisiert nur anders.
Verhalten sich alle Zelltypen gleich in der CDR1?
Nein, das Gefahrensignal ist zwar überall dasselbe, aber jede Zellart interpretiert diese Botschaft ein bisschen anders.
Man kann sich das vorstellen wie eine allgemeine Alarmmeldung. Die Sirene ist für alle gleich – aber Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst reagieren jeweils auf ihre eigene Weise.
Ein und dasselbe Signal kann deshalb gleichzeitig das Immunsystem, die Blutgefäße, das Nervensystem und viele andere Systeme beeinflussen.
Und genau deshalb sehen wir bei manchen chronischen Erkrankungen oft eine ganze Reihe unterschiedlicher Symptome.
Zum Beispiel berichten viele Menschen mit ME/CFS auch über Probleme wie POTS – also eine Störung der Kreislaufregulation – oder haben eine verstärkte Empfindlichkeit von Mastzellen, das sogenannte Mastzellaktivierungssyndrom. Und so war das auch bei mir.
In der klassischen Medizin werden diese Dinge häufig als separate Erkrankungen betrachtet.
Das Modell der Cell Danger Response schlägt jedoch eine andere Perspektive vor. Es sagt: Vielleicht hängen viele dieser Veränderungen miteinander zusammen, weil sie alle Ausdruck eines gemeinsamen biologischen Schutzprogramms sind.
Am Beispiel Mastzellen: Wenn diese ein eATP-Signal wahrnehmen, können sie Stoffe wie zum Beispiel Histamin freisetzen. Das ist Teil einer schnellen Immunreaktion.
Gefäßzellen – also die sogenannten Endothelzellen – reagieren wiederum anders. Dort kann das Signal die Bildung von reaktiven Sauerstoffmolekülen auslösen oder Entzündungsbotenstoffe wie Interleukin-6 freisetzen.
Und auch im Blut verändert sich etwas. eATP wird dort sehr schnell weiter abgebaut – zuerst zu ADP. ADP kann zum Beispiel Thrombozyten aktivieren – also Blutplättchen. Dadurch verändern sich Kalziumsignale in den Zellen, und unter bestimmten Umständen kann das auch die Gerinnungsneigung beeinflussen.
Wichtig ist dabei: Im Körper läuft das nie isoliert ab.
Zu jedem Zeitpunkt zirkuliert im Blut eine komplexe Mischung aus Hunderten von Signalstoffen, die von vielen verschiedenen Zelltypen freigesetzt werden. Diese Stoffe können die Cell Danger Response verstärken, ausbreiten – oder auch wieder abschalten.
Der Körper arbeitet also nicht mit einem einzigen Schalter, sondern mit einem ganzen Netzwerk von Signalen, das ständig miteinander kommuniziert.
Genau das macht die Cell Danger Response so komplex.
Was passiert in der nächsten Phase der CDR2?
Wenn CDR1 der Alarmzustand ist, dann kann man CDR2 als eine Art zelluläre Baustelle beschreiben.
Die unmittelbare Bedrohung ist vorbei – jetzt muss repariert werden. Beschädigtes Gewebe wird erneuert, verlorene Zellen müssen ersetzt werden.
Damit das möglich ist, gehen viele Zellen wieder in einen Wachstums- und Teilungsmodus.
Interessanterweise nutzen auch hier die Zellen weiterhin stärker die Glykolyse, obwohl eigentlich genug Sauerstoff vorhanden wäre. Das nennt man aerobe Glykolyse – oder auch den Warburg-Effekt.
Der Warburg-Effekt wurde ursprünglich bei Krebszellen beschrieben, da dort dieses Programm ungebremst genutzt wird. Aber eigentlich ist die aerobe Glykolyse ein ganz normaler Reparaturmodus des Körpers. Auch Immunzellen und Wundheilungsprozesse nutzen genau diesen Modus.
Der Vorteil dieses Stoffwechselmodus ist: Er liefert vor allem Bausteine für neue Zellen. Zum Beispiel: Nukleotide für die DNA, Aminosäuren für Proteine, und Lipide für Zellmembranen.
Auch die Mitochondrien ändern in dieser Phase wieder ihre Rolle und steuern Signale, die Zellwachstum und Reparaturprozesse koordinieren.
Das zeigt etwas Interessantes über Biologie: Zellen und Mitochondrien wechseln zwischen Energieproduktion und Baumaterialproduktion – je nachdem, ob sie gerade arbeiten, kämpfen oder reparieren müssen.
Und wenn der Reparaturprozess in CDR2 erfolgreich abgeschlossen wird, können die Zellen in CDR3 übergehen.
Was passiert in der dritten und letzten Phase der CDR?
Das ist die Phase, in der sich neue Zellen weiter ausdifferenzieren und der Stoffwechsel langsam wieder hochfährt.
Die Mitochondrien produzieren wieder mehr Energie, und auch die Kommunikation zwischen den Zellen stabilisiert sich wieder.
Allerdings ist diese Phase noch fragil.
Erst wenn CDR3 vollständig abgeschlossen ist, können die Zellen wieder in den normalen Gesundheitszyklus zurückkehren.
Was ist das Problem bei ME/CFS?
Bei Menschen mit ME/CFS vermuten Naviaux und andere Forscher, dass der Körper in einem frühen Unterabschnitt dieser dritten Phase feststeckt – CDR3a.
Er hat den Akutzustand hinter sich gelassen – aber er kehrt nicht vollständig zur Normalfunktion zurück.
Naviaux beschreibt dazu ein Bild aus der Natur.
Ein kleiner Fadenwurm – er lebt normalerweise nur zwei Wochen. Wenn er aber unter extremen Stress gerät – etwa durch Hunger, Hitze oder Infektionen – kann er in einen besonderen Überlebenszustand wechseln.
In diesem Zustand fährt der Wurm seinen Stoffwechsel stark herunter. Er wächst nicht weiter, bewegt sich weniger, und spart Energie, um zu überleben.
Biologen nennen diesen Zustand „Dauer“ – vom deutschen Wort „Überdauern“. Das ist vergleichbar mit dem Winterschlaf – ein Schutzprogramm in Zeiten von extremem Umweltstress.
Die Hypothese ist: Bei Menschen mit chronischem Fatigue Syndrom könnte etwas Ähnliches passieren. Der Körper steckt in einem Überlebensmodus fest – nicht, weil er kaputt ist, sondern weil er glaubt, die Gefahr sei noch nicht vorbei.
Mit der Zeit kann dabei noch etwas passieren.
Die Zellen reagieren zunehmend empfindlicher auf Gefahrensignale – wie extrazelluläres ATP. Dann reichen irgendwann schon sehr kleine Signale aus, um wieder Alarm auszulösen.
Man kann sich das vorstellen wie bei einem Haus:
Der Brand ist längst gelöscht – aber der Rauchmelder ist extrem empfindlich eingestellt. Schon ein bisschen Dampf aus der Küche kann wieder Alarm auslösen.
Wichtig bei ME/CFS ist: Nach dem CDR-Modell sind die Mitochondrien nicht kaputt. Sie befinden sich eher in einem veränderten Funktionszustand, der ursprünglich als Schutzreaktion gedacht war.
Damit Zellen diesen Zustand wieder verlassen können, braucht der Körper Signale von Sicherheit. Erst dann kann der Heilungszyklus abgeschlossen werden.
In CDR3 beginnt also eigentlich die Rückkehr zur Gesundheit – aber das System muss erst wieder lernen, dass wirklich keine Gefahr mehr besteht.
Was passiert bei einem sogenannten Crash?
Du triffst dich z.B. nach langer Zeit mal wieder mit einer Freundin. Du redest, lachst, genießt das Zusammensein.
Am nächsten Morgen bist du noch okay.
Und dann – zwei Tage später – liegst du flach. Du kannst nicht aufstehen, hast Brain Fog – es ist, als hätte jemand den Stecker gezogen.
Das ist kein Einbilden. Das ist Biologie.
Ein Crash ist eine echte körperliche Reaktion des Systems. Das ist wichtig.
Was passiert da?
Der Körper erlebt eine zu starke oder neue Belastung – körperlich, kognitiv, oder emotional – und das System interpretiert dies wieder als mögliche Gefahr.
Der Körper war noch in der fragilen CDR 3a – die Belastung kann deshalb eine Kaskade auslösen.
Denn das Nervensystem bewertet ständig Signale – Bewegung, Reize, Emotionen. Wenn das System sehr sensibel geworden ist, kann es Situationen schneller als Gefahr einstufen.
Das Gehirn – besonders ein Bereich namens Amygdala – meldet: Achtung – mögliche Gefahr.
Das autonome Nervensystem schaltet auf Stress.
Stresshormone werden aktiviert.
Und diese Signale wirken auf die Zellebene zurück.
Die Zellen wechseln wieder in den Alarmmodus.
ATP wird erneut nach außen abgegeben.
Das Immunsystem reagiert. Entzündungsbotenstoffe steigen an.
Das Ergebnis ist das, was viele Betroffene als Crash erleben:
Das Energiesystem bricht ein, die Mitochondrien drosseln die Energieproduktion – weil Schutz gerade wichtiger ist als Aktivität.
Und der Körper fällt gewissermaßen wieder in frühere Phasen der Cell Danger Response zurück.
Das Tückische dabei: Diese Reaktion kommt eben nicht sofort.
Sie braucht Stunden – manchmal sogar Tage.
Man kann sich das ein wenig wie einen Dominoeffekt vorstellen.
Eine Belastung stößt eine ganze Reihe biologischer Reaktionen an, die sich gegenseitig verstärken.
Deshalb treten Crashs oft nicht sofort nach der Belastung auf – sondern mit Verzögerung.
Und genau deshalb ist vorausschauendes Pacing so wichtig.
Nicht, weil Betroffene schwach sind – sondern weil das System zeitverzögert reagiert.
Und Pacing bedeutet übrigens nicht einfach nur Schonung.
Es ist eine Strategie, dem Körper wieder Vorhersagbarkeit und Sicherheit zu geben.
Warum sollte man Crashs unbedingt vermeiden?
Man kann es sich ein bisschen so vorstellen: Ein Crash wirkt wie eine neue Infektion – nur ohne Virus.
Der Körper erlebt wieder: „Ich bin nicht sicher.“
Mit jedem Crash kann sich die Empfindlichkeit auf eATP und andere Reize immer weiter erhöhen – und das gilt es unbedingt zu vermeiden.
Außerdem kann jeder neue Crash auch das neuronale Gefahrensystem weiter verstärken – also die Alarmnetzwerke im Gehirn über Amygdala und Stressachsen.
Und das verlängert den Zustand, aus dem wir eigentlich rauswollen.
Wie reagiert man am besten auf einen Crash?
Ganz praktisch bedeutet das meistens drei Dinge:
Erstens: Reize runterfahren. Eine eher ruhige Umgebung – Geräusche, Gespräche, Licht und Bildschirmzeit reduzieren. Und möglichst auch nicht ständig googeln.
Zweitens: Aktivität deutlich reduzieren. Denn wenn der Körper im Alarmzustand ist, interpretiert er Bewegung oder Aktivität schneller als Gefahr.
Also nicht einfach durchziehen – sondern dem System Zeit geben, wieder aus dem Alarmzustand herauszukommen.
Drittens: Dem Nervensystem gleichzeitig Sicherheit vermitteln.
Signalisieren: Das ist gerade eine Schutzreaktion – aber wir sind nicht wirklich in Lebensgefahr.
Wenn wir neu reagieren mit Verständnis und Ruhe statt mit Angst oder Unsicherheit, kann das System lernen, solche Situationen als sicherer einzuordnen.
Und genau das sind die wichtigen Lernmomente.
Das klingt simpel – ist aber gar nicht so einfach.
Und es fühlt sich oft sogar ein bisschen kontraintuitiv an.
Aber biologisch und auch neuroplastisch ist es sehr sinnvoll.
Atemübungen oder einfache Körperwahrnehmung können dem autonomen Nervensystem helfen, wieder mehr in Richtung Regulation zu gehen.
Die Übungen sind dabei nicht dafür gedacht, Symptome im Moment sofort zu beseitigen.
Sie sind eher dafür da, dem System insgesamt mehr Sicherheit und Ruhe zu vermitteln.
Der Unterschied liegt oft in der inneren Haltung.
Mache ich die Übung aus Angst, weil die Symptome unbedingt weggehen sollen?
Dann steht mein System innerlich weiter unter Druck.
Oder mache ich sie aus einer Haltung von Sicherheit heraus – mit dem Gedanken: Mein Körper darf lernen, dass ich grundsätzlich sicher bin.
Und wichtig: Das Nervensystem lernt nicht nur durch die Übung selbst, sondern vor allem durch den Zustand, in dem wir sie machen.
Wie kommt der Körper dann wieder raus?
Eine wichtige Erkenntnis aus dem CDR-Modell ist: Viele Prozesse im Körper brauchen Zeit, um sich wieder zu normalisieren.
eATP wird zwar sehr schnell abgebaut – aber die Signalprozesse, die es anstößt, wirken deutlich länger nach.
Auch das autonome Nervensystem braucht Zeit, um aus dem Alarmmodus wieder in einen regulierten Zustand zurückzufinden.
Und auch auf Zellebene laufen Programme, die nicht sofort stoppen – zum Beispiel Immunreaktionen oder Reparaturprozesse.
Systeme wie Verdauung und Kreislauf sind Teil dieses Netzwerks und stabilisieren sich nur langsam.
Das heißt wir brauchen Geduld.
Es wäre schön, wenn es eine einzige schnelle Lösung gäbe.
Ein Supplement, ein Medikament, eine Therapie, die alles repariert.
Aber die Biologie funktioniert nicht so.
Wenn wir nur einzelne Laborwerte optimieren, ohne das Gesamtsystem zu regulieren, greifen wir zu kurz.
Wir können nicht einfach Energie und Mitochondrien wieder „anschieben“.
Das heißt nicht, dass Medikamente oder Supplemente nichts bringen können.
Sie können Symptome lindern.
Aber nachhaltige Regulation entsteht, wenn der Körper wieder lernt:
Die Gefahr ist vorbei.
Wie kann man dann mit der Zeit schneller wieder aus einem Crash herausfinden?
Zunächst fühlt sich jeder Crash oft wie ein kompletter Rückfall an.
Der Körper bleibt lange im Alarmzustand.
Aber mit der Zeit kann das System durch viele kleine, wiederholte Signale lernen, schneller zurückzufinden.
Das passiert vor allem dann, wenn Bedingungen entstehen, die dem Körper mehr Sicherheit und Stabilität vermitteln.
Wir sehen das immer wieder in der Begleitung von Menschen mit ME/CFS und Long Covid.
Betroffene können mit der Zeit erleben, dass der Alarm leiser wird, Crashs seltener werden und die Erholung schneller geht. Und das war auch bei mir so.
Das Nervensystem lernt wieder besser, zwischen Gefahr und Sicherheit zu unterscheiden.
Und auch das Gehirn – die Amygdala und die Stressachsen – lernen mit.
Das ist Neuroplastizität. Das System kann sich verändern.
Nicht weil wir es zwingen, sondern weil wir ihm immer wieder zeigen:
Es ist sicher.
Auch auf Zellebene kann das System stabiler werden.
Die Mitochondrien können dann oft wieder leichter in die Energieproduktion zurückfinden.
Und Enzyme wie CD39 und CD73, die Gefahrensignale wie eATP abbauen, können wieder effektiver arbeiten.
Der Körper kann also mit der Zeit immer besser darin werden, den Alarm wieder auszuschalten.
Ist der Körper eigentlich immer komplett in einer CDR – oder kann das parallel unterschiedlich sein?
Es ist nicht so, dass der ganze Körper gleichzeitig in CDR1, CDR2 oder CDR3 ist.
Alle Gewebe bestehen aus einem Mosaik spezialisierter Zellen, die auf ihrem Weg zur Heilung nicht immer perfekt synchronisiert sind.
Das bedeutet: Verschiedene Gewebe können gleichzeitig in unterschiedlichen Phasen sein.
Zum Beispiel: Das Immunsystem ist vielleicht noch im Alarmmodus. Die Muskeln sind eher im Energiesparmodus. Teile des Nervensystems sind vielleicht schon wieder auf dem Weg zur Normalfunktion.
Wie in einer Stadt: In einem Viertel ist die Feuerwehr noch im Einsatz nach einem Brand. In einem anderen wird schon aufgeräumt. Und irgendwo läuft der Alltag schon wieder weiter.
Das erklärt auch, warum – und das kenne ich auch aus eigener Erfahrung – Symptome so widersprüchlich sein können.
Ist eATP im Blut messbar?
Nein – denn dieses Signal wirkt eigentlich nur sehr kurz.
Extrazelluläres ATP wird außerhalb der Zelle innerhalb von Sekunden abgebaut. Spezielle Enzyme auf den Zelloberflächen zerlegen es sehr schnell in andere Moleküle.
Das bedeutet: eATP ist auch nicht dafür gedacht, durch den ganzen Körper zu reisen. Es wirkt nur lokal und für kurze Zeit auf benachbarte Zellen.
Man kann sich das so vorstellen: eATP drückt den Feueralarm-Knopf – aber die Sirenen laufen anschließend über andere Systeme.
Und genau das zeigt auch die Forschung von Prof. Naviaux.
Das ursprüngliche ATP-Signal verschwindet zwar schnell – aber es kann eine ganze Kaskade von Veränderungen auslösen. Zum Beispiel in der Genexpression und im Stoffwechsel der Zellen.
Diese Veränderungen können viele Stunden oder sogar Tage anhalten – obwohl das ursprüngliche ATP-Signal längst abgebaut ist.
Wie ein Lichtschalter im Treppenhaus der kurz gedrückt wird – aber das Licht bleibt danach lange an.
Was hat das mit dem Nervensystem zu tun?
Die Signale, die Zellen bei Gefahr freisetzen, erreichen auch das Gehirn.
Besonders Bereiche wie zum Beispiel die Amygdala registrieren: hier stimmt etwas nicht.
Das Gehirn reagiert darauf mit einem Alarmprogramm – der Körper wird auf Schutz eingestellt.
Normalerweise beruhigt sich dieses System wieder, sobald die Gefahr vorbei ist.
Manchmal kann dieser Alarmkreislauf aber bestehen bleiben.
Die Amygdala – ein wichtiges Gefahrenzentrum im Gehirn – bleibt dann überaktiviert, obwohl der ursprüngliche Auslöser längst verschwunden ist.
Wichtig ist dabei: Die Amygdala ist meist nicht die eigentliche Ursache, sondern eher ein Verstärker dieses Systems.
Denn die Kommunikation funktioniert in beide Richtungen.
Zellen senden Signale an das Gehirn – und das autonome Nervensystem beeinflusst wiederum Immunsystem, Stoffwechsel und Mitochondrien.
Man kann sich das wie einen Kreislauf zwischen Zellen und Gehirn vorstellen.
Die CDR ist also ein zelluläres Programm – aber sie steht in ständigem Austausch mit Gehirn und Nervensystem.
Was ist entscheidender für Heilung – die Zelle oder das Nervensystem?
Nehmen wir das Beispiel Corona: Man muss kein Trauma haben, um Post-COVID zu entwickeln.
Die Erkrankung beginnt zunächst durch den Virus körperlich.
Aber wir sehen in der Praxis auch: Ein Organismus, der bereits stark belastet ist – etwa durch chronischen Stress, Vorerkrankungen oder ein sensibles Nervensystem – hat ein höheres Risiko, dass der Heilungsprozess ins Stocken gerät.
Und die Krankheit selbst kann dann wiederum belastend oder sogar traumatisch wirken – zum Beispiel durch Kontrollverlust und soziale Isolation.
Deshalb ist unsere Antwort: Beides gehört zusammen.
Die Zelle muss erkennen, dass die Gefahr vorbei ist. Gleichzeitig reguliert das Nervensystem unseren inneren Gefahrenfilter – also wie der Körper Signale interpretiert.
Solange das Nervensystem weiterhin Stress oder Bedrohung wahrnimmt, können auch zelluläre Gefahrensignale immer wieder neu entstehen.
Und gerade in der Schwangerschaft und Kindheit können andauernde Gefahrensignale Immun- und Nervensystem langfristig prägen – und damit auch unsere spätere Gesundheit beeinflussen.
Deshalb sagen wir: Der Körper braucht Signale von Sicherheit auf mehreren Ebenen.
Zum Beispiel: ausreichende parasympathische Aktivität, Blutzuckerregulation, sichere soziale Kontakte, passende Bewegung, genug Nährstoffe, erholsamer Schlaf, Naturkontakt und regelmäßige Rhythmen.
Nach Prof. Robert Naviaux braucht es das, was er „Metabolism of Trust“ nennt – den Stoffwechsel des Vertrauens.
Gemeint ist: Erst wenn Zellen ausreichend Sicherheit wahrnehmen, können sie ihre Energieproduktion wieder vollständig hochfahren.
Sicherheit ist ein biologisches Signal.
Welche Rolle spielt der Vagusnerv?
Der Name „Vagus“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet: der „Wandernde“.
Der Vagus-Nerv ist wie eine Art biologische Informationsautobahn zwischen Gehirn und vielen Organen – zum Beispiel Herz, Lunge und Darm. Und er hat auch Einfluss auf das Immunsystem.
Interessant ist dabei: Etwa 70 bis 80 Prozent der Fasern des Vagus sind afferente Fasern. Das bedeutet: Sie senden Informationen vom Körper zurück zum Gehirn.
Der Vagusnerv sammelt also ständig Signale aus dem ganzen Organismus und meldet dem Gehirn: Ist alles in Ordnung – oder gibt es Gefahr?
Seine Aufgabe ist es, dem Körper zu helfen, nach Stress oder Gefahr wieder in einen Zustand von Ruhe und Stabilität zurückzufinden.
Im Zusammenhang mit der Cell Danger Response ist das besonders spannend.
Wenn Zellen im Alarmmodus sind, können Signale über den Vagus dazu beitragen, Entzündungsreaktionen zu regulieren, Stresssysteme zu beruhigen, und den Übergang zurück in Reparatur und Energieproduktion zu unterstützen.
Der Vagusnerv ist also nicht der alleinige Schlüssel – aber er ist ein wichtiger biologischer Weg, über den der Körper wieder zurück in Sicherheit finden kann.
Was ist die wichtigste Botschaft von Doc Jay und Rolf?
Ich (Doc Jay) bin diesen Weg selbst gegangen und heute möchten wir anderen einige Umwege ersparen.
Das Modell der Cell Danger Response hat unsere Sicht auf viele Symptome bei Post Covid, ME/CFS und anderen chronischen Erkrankungen grundlegend verändert.
Gleichzeitig zeigt unsere Erfahrung: Wissen allein reicht oft nicht aus.
Jeder Weg ist individuell und braucht Struktur, viele kleine Schritte und oftmals auch Unterstützung bei der Umsetzung.
Deshalb begleiten wir Menschen in unserem Online-Programm Safety Retreat.
Aber vielleicht ist die wichtigste Botschaft:
Der Körper ist nicht kaputt – er kann wieder in Regulation finden.
PS: Hier findest Du das erwähnte Safety-Retreat Programm und die Mind-Body-Praxis von Rolf.


Sehr gut, wieder eine Ärztin, die bestätigt, an was viele von uns glauben!
Ich habe am Beginn meiner Fatigue+ Karreriere „Intelligente Zellen“ von Bruce Lipton, einem renommierten Zellbiologen und Epigenetiker, gelesen, dann zwei Bücher von Joe Dispenza. Seither fällt es mir deutlich leichter zu verstehen, wie weniger Genetik, als viel mehr äussere Einflüsse über die Jahre unsere Zellen, ja sogar unsere Genetik, verändern und beeinflussen. Und wie wir, Kraft unserer Gedanken und innersten Überzeugungen, unser Unterbewusstein beeinflussen können (Neuroplastizität) und damit Einfluss auf jede einzelne Zelle nehmen.
Für mich schliesst damit der Kreis, denn ich sehe die CDR Hypothese praktisch als eine Art Ableitung oder eine fachspezifische Interpretation der Epigenetik und den Beweis, dass das Autonome Nervensystem der Schlüssel zur Genesung ist.
Daher, noch einmal vielen Dank, Johannes, für die Mühen die du auf dich nimmst, und damit Klarheit und Zuversicht für uns alle schaffst!
Vielen, vielen Dank. Wieder ein Text, der mich nicht nur weiter bringt, sondern mich in meinem bereits eingeschlagenen Weg bestätigt.
Eins möchte ich gerne hinzufügen. Es betrifft das Zitat „Wie reagiert man am besten auf einen Crash? (…) Zweitens: Aktivität deutlich reduzieren.“
In diesem Punkt habe ich eine etwas andere Erfahrung gemacht. Nicht Aktivität an sich reduzieren, sondern lernen mit der Aktivität, die den Crash ausgelöst hat, anders umzugehen, so dass diese nicht mehr crashed. Bzw. diese Aktivität gänzlich beenden, wenn man merkt, dass sie einem nicht gut tut.
Vielleicht mal Beispiel, das mich wachgerüttelt hat und mir den Weg aufgezeigt hat.
Wenn ich in die Stadt lief mit dem Ziel „Arztpraxis“, dann crashte ich.
Lief ich jedoch denselben Weg mit dem Ziel „Entspannter Einkauf“, dann crashte ich nicht.
Solche Beobachtungen gaben mir zu denken. Sie stellten mich vor die Frage „Was ist die Ursache für diese unterschiedliche Reaktion meines Körpers?“
Die Antwort, zu der ich gelangte lautete: Ein Arztbesuch wird von meinem Nervensystem als „Gefahr“ wahrgenommen. Während diesen ist zu viel Medical Gaslighting passiert. Mein Nervensystem fühlt sich bei einen Arzt nicht mehr sicher.
Einen entspannten Einkauf hingegen empfindet es als sicher.
So habe ich mir jede meiner Aktivitäten, während denen ich crashe, genauer angeguckt und konnte Unterschiede finden. Diese Unterschiede betrafen nahezu alles. Äußere Situation, eigene Gedanken und Emotionen, eigene Verhaltensweisen, wie z.B. hektisch laufen, ..
So habe ich so nach und nach versucht an den Ursachen für meine Crashes zu arbeiten. Z.B. Geh-Meditation, anstatt hektisch laufen; Achtsamkeit anstatt in den Gedanken in der Vergangenheit oder Zukunft zu verweilen, …
Ich habe mir überlegt, wie ich mit Ärzten umgehen kann, so dass mein Nervensystem das Gefühl entwickelt, „Das ist zwar nicht sicher, aber ich kann damit umgehen“.
Andere Auslöser habe ich gänzlich beendet, wie z.B. der Kontakt zu bestimmten Personen.
Ich habe somit nicht Aktivität an sich reduziert, sondern die Aktivität anders gestaltet. So gestaltet, dass sie mich nicht mehr crashed.
Denn, mein Körper braucht Aktivität. Allein schon deshalb, um stille Entzündungen zu bekämpfen, Stresshormone und Zucker abzubauen, den Blutdruck wieder zu normalisieren, …
Er kann ohne Aktivität nicht gesund werden. Deshalb lautete meine Frage „Wie kann ich Aktivität gestalten, so dass sie mich nicht crashed?“
Der erste Erfolg, den ich verspürte war, dass ich das Bett nach vielen Jahren Bettlägerigkeit wieder verlassen konnte.
Im weiteren Prozess nahm die Anzahl der Crashes deutlich ab, … bis sie irgendwann ganz aufhörten.
Diese Hammer-Crashes habe ich schon länger nicht mehr gehabt.
Ich bin heute in einer Phase, in der mein Körper „nur“ mehr Schlaf braucht. Aber inzwischen nicht mehr in dem Ausmaß, wie vor einem halben Jahr.
@ Alex: Ich habe auch zwei Bücher von Joe Dispenza gelesen und fand diese sehr hilfreich. Sie bestätigten mich in meinem eingeschlagenen Weg und gaben wir viele Tipps, wie ich was verändern kann.
Sich mit einer Sache intensiv auseinandersetzen und Heilung sind für mich zwei unterschiedliche Dinge.
„Ich habe somit nicht Aktivität an sich reduziert, sondern die Aktivität anders gestaltet. So gestaltet, dass sie mich nicht mehr crashed.“
Das nennt sich Pacing.
Ich habe L-Arginin eingenommen um meine Kapillaren zu verbessern.
Das hat funktioniert und ich bin komplett Symptomfrei. Ich fühle mich sicher damit.
Ich muss aber weiterhin auf die Belastung achten.
Schnelle Belastungen führen umgehend zu Erschöpfungen.
Die Interviewpartnerin klingt, ehrlich gesagt, auch nicht gesund.
Bevor man also Heilversprechen abgibt sollte man seinen eigenen Zustand einschätzen können.
Es mag sein, dass die Personen froh sind aus der schlimmsten Situation heraus zu sein. Das sollte nicht verleiten von Heilung zu sprechen oder dieses zu transportieren.
Ich habe schon früh den Mechanismus des Nervensystem im Panikmodus erkannt. Mein Spruch dazu war immer:
Ich steige eine Stufe.
Die Nerven:“ Oh mein Gott, er läuft!😱“
Ich zu den Nerven:“ Es ist alles gut, du kannst dich erholen 🤗“
Das hat mir, durch 30-30 Training wunderbar geholfen. Das ist genau dieser Ansatz, der hier vermittelt wird.
Ich wollte im Dezember 2024 wieder geheilt sein. Da sehe ich keine Chance, da etwas anderes im Körper passiert.
Die Mikrokapillaren zu betrachten haben die letzten Symptome der Schmerzen beseitigt. Diese Schmerzen sind jetzt mein Trigger für Ruhe um nicht in den Chrashkreislauf wieder reinzukommen.
Das funktioniert wunderbar.
Ist aber letztendlich nur Pacing mit den richtigen Werten für mich.
Aufgrund der Einschränkungen bzw. Behinderungen im täglichen Leben, ich kann nicht machen was ich will, nenne ich es nicht Heilung.
Für mich ist es eine Behinderung!
Ich hatte das Bedürfnis, dass mal offen auszusprechen. Menschen welche sich selbst als geheilt betrachten, es aber nicht sind, sind für mich Blender, für wirtschaftliche Vorteile.
Liebe Grüße Roman
Danke, dass du meine Gedanken so präzise formuliert hast! ;-)
Sich mit einer Sache intensiv auseinandersetzen und Heilung sind für mich zwei unterschiedliche Dinge.
„Ich habe somit nicht Aktivität an sich reduziert, sondern die Aktivität anders gestaltet. So gestaltet, dass sie mich nicht mehr crashed.“
Das nennt sich Pacing.
Ich habe L-Arginin eingenommen um meine Kapillaren zu verbessern.
Das hat funktioniert und ich bin komplett Symptomfrei. Ich fühle mich sicher damit.
Ich muss aber weiterhin auf die Belastung achten.
Schnelle Belastungen führen umgehend zu Erschöpfungen.
Die Interviewpartnerin klingt, ehrlich gesagt, auch nicht gesund.
Bevor man also Heilversprechen abgibt sollte man seinen eigenen Zustand einschätzen können.
Es mag sein, dass die Personen froh sind aus der schlimmsten Situation heraus zu sein. Das sollte nicht verleiten von Heilung zu sprechen oder dieses zu transportieren.
Ich habe schon früh den Mechanismus des Nervensystem im Panikmodus erkannt. Mein Spruch dazu war immer:
Ich steige eine Stufe.
Die Nerven:“ Oh mein Gott, er läuft!😱“
Ich zu den Nerven:“ Es ist alles gut, du kannst dich erholen 🤗“
Das hat mir, durch 30-30 Training wunderbar geholfen. Das ist genau dieser Ansatz, der hier vermittelt wird.
Ich wollte im Dezember 2024 wieder geheilt sein. Da sehe ich keine Chance, da etwas anderes im Körper passiert.
Die Mikrokapillaren zu betrachten haben die letzten Symptome der Schmerzen beseitigt. Diese Schmerzen sind jetzt mein Trigger für Ruhe um nicht in den Chrashkreislauf wieder reinzukommen.
Das funktioniert wunderbar.
Ist aber letztendlich nur Pacing mit den richtigen Werten für mich.
Aufgrund der Einschränkungen bzw. Behinderungen im täglichen Leben, ich kann nicht machen was ich will, nenne ich es nicht Heilung.
Für mich ist es eine Behinderung!
Ich hatte das Bedürfnis, dass mal offen auszusprechen. Menschen welche sich selbst als geheilt betrachten, es aber nicht sind, sind für mich Blender, für wirtschaftliche Vorteile.
Liebe Grüße Roman
@Juliane:
Eins möchte ich gerne hinzufügen. Es betrifft das Zitat „Wie reagiert man am besten auf einen Crash? (…) Zweitens: Aktivität deutlich reduzieren.“
In diesem Punkt habe ich eine etwas andere Erfahrung gemacht. Nicht Aktivität an sich reduzieren, sondern lernen mit der Aktivität, die den Crash ausgelöst hat, anders umzugehen, so dass diese nicht mehr crashed. Bzw. diese Aktivität gänzlich beenden, wenn man merkt, dass sie einem nicht gut tut.
Grundsätzlich gebe ich dir recht. Aber, wenn du das machst, musst du nachweislich Erfahrung und Erfolge mit BR, oder wie immer man das nennen mag, haben. Ich würde „Neueinsteigern“ auf jeden Fall raten, zuerst so weit runter zu pacen, bis Stabilität eintritt, man keine Crashes mehr hat. Bis man praktisch die aktuelle, aber nur temporäre, Baseline gefunden hat. Ich habe mich monatelang kaputt gemacht, weil ich dachte „ah, geht schon, tut mir nichts“, und wieder gecrasht. Das muss nicht sein.
@Roman: Spannend, dass L-Arginin bei dir angeschlagen hat. Bei mir, Null Effekt. Immer wieder interessant, wie unterschiedlich die persönlichen Wege sind!
Hallo Alex,
Zitat: Ich würde „Neueinsteigern“ auf jeden Fall raten, zuerst so weit runter zu pacen, bis Stabilität eintritt, man keine Crashes mehr hat.
Wenn ich darauf gewartet hätte, keine Crashs mehr zu haben, dann wäre ich heute nicht da, wo ich heute bin.
Nur durch die Crash-Erfahrungen und das bewusste Beobachten, was da passiert, konnte ich lernen, was ich anders machen muss; was ich ändern muss.
Wie mein Beispiel „Penny“, das ich vor einiger Zeit gepostet habe. Ich musste meinem Nervensystem helfen zu lernen „Wir gehen jetzt wieder in den Pennymarkt. Ich weiß, der crashed Dich. Aber das muss er nicht. Du wirst dich an die Reize gewöhnen, …“
Heute erlebt mein Nervensystem Penny als Ort der Entspannung. Denn im Penny lenkt mich das Einkaufen vom Denken ab. Das gefällt meinem Nervensystem.
Nur wenn ich z.B. merke, dass ich crashe, wenn mein Ziel „Arztpraxis“ lautet, aber nicht crashe, wenn ich denselben Weg ohne Ziel laufe, kann mir bewusst werden, was ich ändern muss, damit sich mein Nervensystem sicher fühlt.
Da ist es nicht damit getan auf körperlicher Ebene zu pacen und solange mit körperlicher Aktivität zu warten, bis man irgendwann ganz von alleine nicht mehr crashed. Meine Erfahrung ist, dass nicht mehr crashen Arbeit an sich selbst bedeutet. Ich musste Experimente wagen, so lange, bis ich das richtige gefunden hatte.
Ich musste an meinen Kognitionen und Emotionen arbeiten. Ich musste mir überlegen, wie ich mit Ärzten umgehe. Ich musste meinem Nervensystem ein Gefühl der Sicherheit vermitteln, so dass es trotz Gefahr nicht mehr crashed.
Ich bin nicht weitergekommen.
Da habe ich den Artikel über die Mikrokapillaren gelesen, Video gesehen.
Eine Kapsel vor dem Schlafen gehen und ich spürte wie sich der Körper öffnete.
Der ganze Dreck in den Zellen, welcher bestimmt auch Entzündungen fördert, konnte so abtransportiert werden.
Die Schmerzen in den Gelenken waren weg.
Nach größeren Belastungen habe ich diese Schmerzen als Anzeiger zu warten bis die Zellen wieder sauber sind.
Was hier ja auch schon Thematisiert wurde.
Soweit meine Theorie. Ansonsten habe ich nie wirklich Mittel eingenommen.
Aber klar. Es ist irgendwie ein Ausprobieren.
Welche Lapsel?
Kapsel?
Danke!
Im Grunde bestätigt diese biologische Analyse das, was wir irgendwie schon ahnten/wussten.
Vielleicht wäre es zu mal einThema, wie man das Nervensystem durch Hypnose o.ä. dazu bringt, Sicherheit zu kommunizieren.
Das war alles sehr gut für das Gesamtverständnis, auch wenn es viele individuelle Vorbefindlichkeiten gibt.
Danke für die guten Darstellungen, Johannes!
Doc Jay…. Wieder jemand, der sein Programm verkaufen will? Das alles über Pacing- nun auf Zellebene- wussten wir schon. Fragen zur konkreten Umsetzung muss man – wie immer- selbst jeder für sich herausfinden. Oder das Programm buchen. Der Einzige, der hier keinen Profit herausschlägt ist…. Johannes! Danke für deine selbstlose Arbeit!