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Das Fatigue Syndrom und die unterschiedlichen Krankheitsbilder

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Die medizinische Bezeichnung Fatigue bedeutet eine starke anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung. Da jeder Mensch schon einmal müde und erschöpft ist, wird diese Krankheit oft mißverstanden und verharmlost. In diesem Artikel beschreiben wir die verschiedenen Arten von Fatigue, Fatigue Syndrom, chronisches Fatigue Syndrom (CFS) und ihre Ursachen.

Wir – das sind Betroffene die mit der Kennzeichnung G93.3 mit dem chronischen Fatigue Syndroms ME/CFS diagnostiziert wurden. Da Fatigue allerdings auch in anderen Krankheiten erlebt wird, will dieser Artikel alle verschiedenen Formen der Fatigue betrachten – also nicht nur ME/CFS.

Allgemeine Infos über Fatigue und Fatigue Syndrom

Das Fatigue Syndrom ist weitaus mehr als nur eine normale Müdigkeit oder Erschöpfung. Die Kraftreserven bei Fatigue sind extrem erschöpft und stehen in keinem Verhältnis zu den vorangegangenen Anstrengungen. Diese krankhafte mentale und körperliche Erschöpfung kann auch nicht durch Ruhe oder Schlaf verbessert werden. Fatigue ist für Betroffene sehr belastend und schränkt das Leben stark ein.

Bei vielen Betroffenen ist Fatigue eine Begleiterscheinung der eigentlichen Krankheit oder deren Behandlung. Bei der Behandlung von Krebspatienten ist die Diagnose “Fatigue Syndrom“ oft eine Folgeerscheinung des Tumors oder der Behandlung.

Auch chronische Krankheiten führen oft zu starker Erschöpfung und Müdigkeit als Nebenwirkung. Und dann gibt es Fatigue als die eigentliche langanhaltende Krankheit, das sogenannte Chronische Fatigue Syndrom (CFS). Betroffene leiden meist viele Jahre oder lebenslang darunter. Die Unterschiede werden weiter unten erklärt.

Wichtig ist an dieser Stelle, dass es eben unterschiedliche Krankheitsbilder gibt. Auf dieser Webseite fasynation.de geht es hauptsächlich um das chronische Erschöpfungssyndrom ME/CFS. Doch in diesem Artikel werden eben auch die anderen Krankheiten gegenübergestellt, bei denen Menschen ebenfalls unter Fatigue leiden.

Mögliche Ursachen und Auslöser für das Fatigue Syndrom:

Fatigue kann die unterschiedlichsten Ursachen haben, z.B.

  • akute virale Infekte oder chronische Infekte,
    wie z.B. Epstein-Barr-Virus oder Covid-19
  • Krebs und/oder Tumorbehandlung 
  • Burnout oder Depression
  • Unterversorgung von Mikronährstoffen
  • Chronische Nieren- und Lungenerkrankungen
  • Neuroimmunologische Dysfunktionen
  • Störung des Energiestoffwechsels
  • Schilddrüsenfunktionsstörungen
  • Hormonmangelerscheinungen
  • Blutanämie
  • Rheuma, Rheumatoide Arthritis
  • Multiple Sklerose (MS), Parkinson
  • Lupus Erythematodes
  • Kardiomyopathie, Sepsis, Organschäden
  • Wurzelbehandelte Zähne und toxische Zahnherde

Das Fatigue Syndrom kann sich schleichend entwickeln oder plötzlich auftreten. In allen Fällen spielt zusätzlich zu den o.g. Ursachen der mentale und körperliche Stress eine große Rolle. Je stärker die Patienten gleichzeitig noch andere Stressfaktoren verarbeiten müssen, desto höher ist das Risiko.

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Welche Symptome zeigen Betroffene des Fatigue Syndroms?

Das Fatigue Syndrom hat in der Regel mehrere Beschwerden. Die Kombination der Symptome bezeichnet man als Syndrom. Beim Fatigue-Syndrom leiden die Betroffenen unter körperlicher, nervlicher und mentaler Erschöpfung. Die Kraftreserven mehrerer Systeme und Organe scheinen ausgeschöpft zu sein.

Die Beschwerden können unterschiedlich stark ausgeprägt sein. Laut der amerikanischen “Fatigue Coalition” müssen z.B. für ein Fatigue-Syndrom durch einen Tumor oder deren Behandlung sechs der folgenden elf Merkmale zutreffen. Bei einem Burnout oder einer Depression können es auch weniger Merkmale sein. (Diese Informationen und weitere Themen findest du in einer PDF der Deutschen Fatigue Gesellschaft)

Das chronische Fatigue Syndrom weist dagegen meist noch mehr als sechs Merkmale auf, hauptsächlich Symptome, die den Körper und die Nerven betreffen.

  1. Müdigkeit, Energiemangel oder extremes Ruhebedürfnis 
  2. Körperliche Schwäche oder Gliederschwere
  3. Konzentrationsstörungen
  4. Mangel an Motivation oder Interesse, den normalen Aktivitäten nachzugehen
  5. Schlaflosigkeit, unruhiger Schlaf oder übermäßiges Schlafbedürfnis 
  6. Erleben des Schlafs als wenig erholsam 
  7. Gefühl, sich zu jeder Aktivität zwingen zu müssen 
  8. Ausgeprägte emotionale Reaktion auf die empfundene Erschöpfung, beispielsweise Niedergeschlagenheit, Frustration, Reizbarkeit
  9. Schwierigkeiten bei der Bewältigung des Alltags 
  10. Störungen des Kurzzeitgedächtnisses
  11. Nach körperlicher Anstrengung mehrere Stunden andauerndes Unwohlsein

Akute Fatigue vs. chronische Fatigue

Tritt das Fatigue Syndrom während einer Krankheit oder deren Behandlung auf, ist die Diagnose meist eine akute Fatigue. Die Ursache ist oft medizinisch zu erklären, z.B. aufgrund einer auftretenden Anämie während der Behandlung. Anämie bedeutet eine Reduzierung der roten Blutkörperchen. Diese Reduzierung führt zu einer schlechten Sauerstoffversorgung und resultiert in starker Erschöpfung.

In vielen Fällen löst sich die Anämie und einhergehende Erschöpfung wieder auf, wenn die Krankheit geheilt und die Behandlung beendet ist.

Bleibt die starke Erschöpfung über die Behandlung hinaus mehrere Monate bestehen, hat es sich zu einem chronischen Fatigue entwickelt. Das Chronic Fatigue Syndrom bleibt i.d.R. für mehrere Jahre oder lebenslang bestehen. Auch sind die Auslöser in diesem Fall meist multifaktoriell, also eine Kombination aus verschiedenen Ursachen.

Ist ein Erschöpfungssyndrom heilbar?

Eine akute Fatigue tritt meist im Rahmen der eigentlichen Krankheit oder Behandlung auf, und sie verschwindet anschließend auch wieder. Das akute Erschöpfungssyndrom ist auf jeden Fall heilbar.

Für das chronische Fatigue Syndrom (CFS) gibt es bis dato noch keine medizinisch anerkannte Therapie, die eine Heilung garantiert. Allerdings können die einzelnen Symptome abgemildert und individuelle Krankheitsverursacher geheilt werden. Viele CFS Betroffene berichten von einer erheblichen Verbesserung ihrer Beschwerden und ihrer Lebensqualität. Sogar gibt es ausreichend Erfahrungsberichte, wie Betroffene zu 100% vom chronischen Erschöpfungssyndrom geheilt wurden.

Es gibt also Hoffnung.

Behandlung: Therapie und Medikamente bei Fatigue

Jede Therapie wird individuell an die Symptome und Ursachen der jeweiligen Betroffenen angepasst. Oft ist es eine Kombination von mehreren Behandlungen und Themen, da die einzelnen Symptome oft unterschiedliche Therapien benötigen. An dieser Stelle nennen wir dir die wichtigsten ersten Maßnahmen. Weitere Behandlungsmöglichkeiten findest du in anderen Artikeln auf dieser Website.

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Pacing

Gerade beim chronischen Fatigue Syndrom kann eine mentale oder körperliche Überlastung sehr schnell zu einer Verschlimmerung führen. Deshalb ist es wichtig darauf zu achten, unbedingt unter der individuellen Belastungsgrenze zu bleiben. Manche empfehlen eine Grenze von 70% der momentanen gefühlten Ressourcen, andere empfehlen sogar 50%.

Dieses aktive Energiemanagement nennt man Pacing. „Pacing zielt darauf ab, alle Aktivitäten so anzupassen, dass sich Überlastung und verlängerte Erholungsphasen vermeiden lassen“, erklärt Scheibenbogen von der Charité in Berlin. Mehr zu dem Zitat und den Themen kannst du hier weiterlesen.

Fatigue Patienten müssen lernen, sich genügend Erholungspausen zu gönnen, ausreichend Schlaf zu bekommen, oft auch Nein zu sagen und sich eine liebevolle Selbstfürsorge zu erlauben.

Ernährung und Nahrungsergänzungsmittel

Eines der Ursachen von Fatigue kann die Unterversorgung von Vitaminen und Mineralstoffen sein, z.B. Vitamin B12 oder Vitamin D. Entsprechende Ergänzungsmittel und eine gesunde vollwertige Ernährung ist deshalb in jedem Fall wichtig.

Bewegungstherapie

Trotz Einhaltung der Belastungsgrenze (Pacing) ist es wichtig, den Körper zu bewegen. Durch individuell dosierte körperliche Betätigung kann die Lebensqualität und auch das Fatigue Syndrom langsam verbessert werden. Allerdings ist es besonders bei dem chronischen Fatigue Syndrom und auch bei einem Tumor-Fatigue wichtig, nie über die Belastungsgrenze zu gehen. Bei einer Erschöpfung aufgrund von Depressionen oder einem Burnout ist die körperliche Schonung dagegen häufig nicht empfehlenswert.

Psycho- oder Verhaltenstherapie

Fatigue plus die Tatsache, dass man momentan viele Aktivitäten nicht mehr ausführen kann, ist für viele Patienten schwierig. Um mit der Lebenssituation gut umzugehen, helfen in vielen Fällen entsprechende Gesprächstherapien. Eine Psychotherapie behandelt zwar nicht direkt die Krankheit, aber kann bei Patienten die Selbstwirksamkeit, die Selbstfürsorge und den gesunden Umgang mit der Situation verbessern.

Medikamente bei Fatigue

Manche Beschwerden werden auch medikamentös behandelt, z.B. Schlaftabletten für einen besseren Schlaf, Psychopharmaka bei Depressionen oder Hormone oder andere Mittel gegen Blutanämie. In vielen Fällen ist es allerdings ratsam, es erst mit pflanzlichen Mitteln oder entsprechenden unterstützenden Lebensmitteln zu versuchen.

Individuelle Therapien

Da ein (chronic) Fatigue Syndrom viele weitere Beschwerden mit sich bringt, gibt es auch alle möglichen Therapieansätze, die hier nicht alle erwähnt werden. Oft geht es darum, die Beschwerden zu lindern und Ursachen zu eliminieren.

Im Weiteren findest du hier Informationen zu den unterschiedlichen Arten von Fatigue.

Fatigue beim chronischen Fatigue Syndrom CFS

Das chronische Fatigue Syndrom CFS ist die extremste Form von Fatigue. In Deutschland leiden schätzungsweise 300.000 Personen an dieser chronischen Erkrankung, die auch unter ME/CFS bekannt ist. ME steht für myalgische Enzephalomyelitis und bedeutet im Altgriechischen “Entzündung des Gehirns und Rückenmarks mit Muskelbeteiligung.”

In diesem Begriff steckt bereits die Vermutung, welche Organe betroffen sein können. Die Beschwerden bei ME und CFS sind sehr identisch, deshalb werden die Abkürzungen oft sinnvollerweise gemeinsam benutzt. Allerdings gibt es auch Stimmen, die für eine starke Unterscheidung zwischen ME und CFS auftreten.

ME/CFS ist eine neuroimmunologische multisystemische Erkrankung, bei der viele Organe im Körper angegriffen werden. Neuere Forschungen vermuten eine Autoimmunkrankheit.

In dem Artikel zum chronischen Erschöpfungssyndrom und generell auf dieser Website findest du weitere Informationen zu ME/CFS. Deshalb an dieser Stelle nur ein kurzer Blick auf diese Erkrankung.

Das Hauptmerkmal von ME/CFS ist eine schwere körperliche Erschöpfung, die viele körperliche Beschwerden mit sich bringt und die mindestens sechs Monate besteht. g Die meisten Betroffenen klagen unter einem grippeähnlichen Krankheitsgefühl, Glieder- und Muskelschmerzen, Brainfog, extremer Müdigkeit und dem Gefühl, als hätte man dem Körper einen unsichtbaren Bleimantel umgelegt. Hinzu kommen viele weitere körperliche und nervliche Beschwerden, weil die Krankheit eben alle Organe und Systeme angreifen kann.

Ein weiteres Merkmal ist die frustrierende Tatsache, dass die Beschwerden und die Fatigue nach bereits geringen körperlichen oder mentalen Belastungen verschlimmert werden können. Es kommt zu einem sogenannten Crash oder Rückfall, von denen sich die Betroffenen meist erst nach Tagen oder Monaten erholen.

Diese Belastungsintoleranz nennt man PEM (Post-Exertional Malaise) und unterscheidet ME/CFS von vielen anderen krankheitsbedingten Fatigue Phänomenen, bei denen körperliche Aktivitäten meist sehr hilfreich sind.

Auslöser von ME/CFS sind meistens virale Atemwegsinfekte wie der Epstein-Barr-Virus oder neuerdings Covid-19. Bei anderen wird eine andere Krankheit oder teilweise auch ein traumatisches Erlebnis als Auslöser vermutet. Und dann gibt es noch Berichte, in denen sich ME/CFS anscheinend schleichend entwickelt und gar kein Auslöser vermutet werden kann.

Ob der Auslöser bekannt ist oder nicht – die eigentliche Ursache ist noch ein Rätsel. Da nicht bei allen Infizierten auch ME/CFS ausgelöst wird, muss es weitere Ursachen für die Erkrankung geben. Sehr wahrscheinlich ist es eine multi faktorische Ursache:

Der Organismus ist sowohl durch toxischen viralem Stress (Überlastung) als auch durch emotionalen Stress (Überlastung) so sehr überstrapaziert, dass ein letzter Infekt oder anderer Auslöser letztendlich das “System sprengt” und ME/CFS hervorruft. Manche vermuten, dass diese Überstrapazierung einen Defekt im autonomen Nervensystem verursacht, der wiederum falsche Signale an die Organe weitergeleitet.

Tumorbedingte Fatigue

Laut der deutschen Fatigue Gesellschaft sind ca. 80% aller Krebspatienten vom Erschöpfungssyndrom betroffen. Die Hälfte von ihnen leidet auch Jahre später noch unter Fatigue. In diesen Fällen ist der Krebs oder die Therapie meist nicht der einzige Auslöser, sondern es sind oft noch andere Krankheitsfaktoren und Stressauslöser hinzugekommen.

Beim tumorbedingten Fatigue Syndrom kann die Kraftlosigkeit und Erschöpfung bereits vor der Tumordiagnose auftreten und darauf hinweisen, dass sich im Körper Tumorzellen gebildet haben. Das ungebremste Wachstum der Tumorzellen raubt dem Organismus viele Kraftreserven. Manche Tumore stören durch bestimmte Botenstoffe die Stoffwechselprozesse. Auch das führt zur Erschöpfung. Deshalb ist es ratsam, bei Fatigue immer auch auf einen Tumor hin untersuchen zu lassen.

Bei anderen Betroffenen tritt Fatigue als Folge der Krebstherapie auf. Durch die Chemo- und Strahlentherapie werden nicht nur die kranken Zellen zerstört, sondern viele gesunde Zellen ebenfalls. Das Immunsystem wird dadurch erheblich geschwächt.

Auch kann die Krebstherapie zu Anämie (Blutarmut) führen. Diese Reduzierung der roten Blutkörperchen und die resultierende schlechte Sauerstoffversorgung ist eine der Hauptursachen für die tumorbedingte akute Fatigue.

Weitere Informationen zur tumorbedingten Fatigue und den Diagnosekriterien findest du bei der deutschen Fatigue Gesellschaft.

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Tumorbedingte Fatigue im Vergleich mit dem Chronischen Fatigue Syndrom (ME/CFS)

Auf den ersten Blick können die Beschwerden sehr ähnlich sein und schnell verwechselt werden. Allerdings gibt es beim genauen Hinsehen starke Unterschiede zwischen tumorbedingter Fatigue und ME/CFS. Es sind im Grunde andere Diagnosen.

Ursache: Tumorbedingte Fatigue tritt immer mit dem Wachstum oder der Behandlung des Tumors auf und kann deshalb klar der einen Ursache zugeordnet werden. CFS dagegen wird dagegen in ca. 70% aller Fälle durch eine Virusinfektion oder einen anderen Infekt ausgelöst. Es kann sich allerdings auch schleichend entwickeln.

Stress und weitere persönliche Faktoren spielen in beiden Krankheiten eine Rolle. Je mehr Stressfaktoren die Patienten zusätzlich verarbeiten müssen und je angeschlagener der Körper sowieso schon ist, desto höher das Risiko eines Fatigue Syndroms.

Symptome: Tumorbedingte Fatigue äußert sich hauptsächlich in einer mentalen Erschöpfung. Betroffene fühlen sich antriebslos, sind frustriert und haben keine Motivation. Das chronische Fatigue Syndrom äußert sich hauptsächlich in körperlicher Erschöpfung. Betroffene leiden unter grippeähnlichen Symptomen, sind körperlich extrem geschwächt und leiden unter Glieder- und Muskelschmerzen, Entzündungen, Schlafapnoe, Brainfog und/oder vielen anderen körperlichen Symptomen.

Dauer: Tumorbedingte Fatigue ist erst einmal eine akute Fatigue, die sich in 50% aller Fälle wieder auflöst. Das chronische Fatigue Syndrom wird dagegen erst dann diagnostiziert, wenn die Symptome mindestens sechs Monate anhalten, also chronisch sind.

Tumorbedingte FatigueME/CFS
AuslöserTumor und/oder TherapieInfektionen oder andere Auslöser
BeschwerdenHauptsächlich mentalHauptsächlich körperlich
DauerOft akut, bei 50% wird es chronischImmer chronisch

Fatigue durch Depression

Depressionen verursachen oft auch ein Fatigue-Syndrom. Da Depression eine psychische Erkrankung ist, sind auch die Fatigue Symptome hauptsächlich psychisch.  Sie äußern sich z.B. in Antriebsschwäche, Motivationslosigkeit, Resignation und einer inneren Schwäche, sich zu irgendetwas aufzuraffen.

CFS im Vergleich mit Fatigue durch Depression

Von manchen Ärzten wird das chronische Fatigue Syndrom fälschlicherweise mit einer Depression verwechselt. Allerdings gibt es sowohl in der Ursache als auch in der Symptomatik deutliche Unterschiede.

Da die Lebensqualität bei der chronischen Erschöpfung CFS enorm leidet und es gleichzeitig noch wenige Heilungsansätze gibt, kann die Krankheit natürlich depressiv machen. Aber dann sprechen wir von einer sekundären Erkrankung, so wie z.B. auch Krebs depressiv machen kann, aber keine psychische Erkrankung ist.

Diese Unterscheidung ist sehr wichtig, weil CFS eine ganz andere Therapie benötigt als Depressionen. Behandelt man CFS so wie bei einer Depression, kann es zu starken körperlichen Verschlimmerungen kommen.

Fünf Unterschiede zwischen chronischer Erschöpfung ME/CFS und Depression
  1. Depression ist eine psychische Erkrankung. CFS dagegen ist eine körperliche Erkrankung mit vielen körperlichen Beschwerden wie Grippeähnlichen Symptomen und Muskelschmerzen.
  2. Eine Depression entwickelt sich meistens schleichend. CFS dagegen tritt in den meisten Fällen plötzlich auf, z.B. durch einen Virusinfekt.
  3. Depressive Menschen neigen dazu, sich vom Leben zurückzuziehen und zu resignieren. CFS Betroffene wollen dagegen aktiver sein, aber ihr Körper hindert sie daran.
  4. Bei einer Depression ist es wichtig, körperlich aktiv zu sein. Diese Aktivitäten führen oft zu einer deutlichen Verbesserung der Depression. Beim chronischen Erschöpfungssyndrom ist körperliche Anstrengung dagegen oft kontraproduktiv.  Durch eine sogenannte Post-Exertional Malaise (PEM) können körperliche oder geistige Aktivitäten die Symptome erheblich verstärken und die Krankheit verschlimmern.
  5. Der Schlaf ist bei CFS oft stark gestört und der Erholungsfaktor sehr gering. Bei einer Depression treten diese Beschwerden selten auf.
  6. Nicht zuletzt ist die Erschöpfung selbst ein großer Unterschied. Bei ME/CFS ist die körperliche Erschöpfung extrem ausgeprägt. Bei der Depression spielt die Erschöpfung eine Nebenrolle.
Fatigue bei DepressionenME/CFS
Psychische ErkrankungKörperliche Erkrankung
Meist schleichender ProzessTritt meistens plötzlich auf und hält dann über Monate/Jahre an
Neigung, sich vom Leben und Aktivitäten zurückzuziehenStarker Wille, am Leben teilzunehmen und aktiv zu sein
Körperliche Aktivität ist wichtig und verbessert die BeschwerdenKörperliche Anstrengung kann sehr riskant sein und die Symptome verschlimmern
Der Schlaf ist nicht unbedingt beeinträchtigtGestörter Schlaf und geringer Erholungsfaktor
Körperliche Erschöpfung ist ein sekundäres Symptom und tritt nicht bei jeder Depression aufKörperliche Erschöpfung ist die hauptsächliche Erkrankung

Fatigue bei Burnout

Burnout ist laut dem internationalen Gesundheits-Schlüssel ICD-10 keine anerkannte Krankheit, sondern wird unter dem Code Z73 “Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” aufgelistet. Dieser Code beschreibt körperliche oder psychische Zustände, die sonst nicht konkreter klassifiziert werden können.

Im allgemeinen Verständnis ist Burnout ein starker Erschöpfungszustand, der sich sowohl psychisch als auch körperlich zeigen kann. Körper und/oder Seele sind ausgebrannt. Körperlich zeigen sich die Beschwerden in einer akuten Fatigue. Seelisch kann ein Burnout zu einer starken Depression führen.

Burnout im Vergleich zu CFS

Ähnlich wie bei der Depression gibt es Unterschiede zwischen Burnout und dem chronischen Erschöpfungssyndrom.

Die Ursache des Burnout und der einhergehender Fatigue ist hauptsächlich psychisch bedingt. Zwar sind die Personen oft auch körperlich ausgepowert und haben sich zu wenig Ruhepausen gegönnt, aber der hauptsächliche Stress sind mentale Faktoren. Erfolgsdruck, hohe oder viele Erwartungen, Perfektionismus, fehlende Wertschätzung und/oder Erfolgserlebnisse über eine längere Zeit können die Seele komplett entkräften.

Der Burnout entwickelt sich fast immer schleichend über eine lange Zeit und kann sich über Monate oder gar Jahre unbemerkt heranschleichen, bis es dann langsam oder auch “plötzlich” zu einer Art Zusammenbruch kommt.

Das chronische Erschöpfungssyndrom wird dagegen in den meisten Fällen unerwartet und organisch immunologisch ausgelöst, z.B. durch einen Infekt oder ein toxisches Trauma. Trotzdem spielen auch bei CFS die Vorgeschichte und vorausgegangene Krankheiten und Stressfaktoren eine wichtige Rolle.

Die Symptome sind beim Burnout wie bei einer Depression in erster Linie psychischer Natur. Zum Beispiel Antriebslosigkeit, mentaler Leistungsabfall, Nervosität, Mutlosigkeit, innere Leere, fehlende Freude und Motivation, Drang zum Zurückziehen, Überforderung bei sozialen Interaktionen und ein starkes Gefühl nicht mehr weitermachen zu können. Hinzu können aber auch psychosomatische Fatigue Symptome auftreten wie Schmerzen oder Schlafstörungen.

Beim chronischen Fatigue Syndrom dagegen sind die Symptome hauptsächlich physischer bzw. immunologischer Natur.

Wie auch bei Depressionen braucht es auch hier eine ganz individuelle Therapie. Besonders körperliche und mentale Aktivitäten, die über die eigene Belastungsgrenze hinausgeht, können bei einem Burnout hilfreich sein. Bei CFS können solche Therapiemaßnahmen dagegen sehr schädlich sein und die Symptome verschlimmern.

Fatigue durch Long-Covid

Immer mehr Covid-19 Infizierte klagen auch Monate später noch unter chronischer Fatigue. Empirische Untersuchungen bestätigen, dass eine Covid-19-Infektion viele Spätfolgen mit sich bringen kann. Man spricht von Long-Covid. Die vermuteten Zahlen schwanken momentan noch zwischen 10 und 75% aller Infizierten. Laut einer Studie der Charité Berlin entwickelte die Hälfte aller untersuchten Infizierten das chronische Fatigue Syndrom ME/CFS. Der Zusammenhang zwischen Covid-19 und dem chronischen Erschöpfungssyndrom wird durch weitere Studien in den nächsten Jahren sicher noch klarer werden. An dieser Stelle soll Long-Covid nur schon mal als weitere mögliche Ursache des Chronischen Fatigue Syndrom erwähnt werden.

Fazit

Fatigue ist keine harmlose Erschöpfung und sollte sehr ernst genommen werden. Umso mehr, wenn es sich um das chronische Erschöpfungssyndrom CFS und/oder ME handelt. Da Fatigue unterschiedliche Ursachen und Symptome bei den unterschiedlichen Formen des Fatigue Syndroms gibt, muss auch die Behandlung und der Umgang mit der Krankheit ganz individuell angepasst werden.


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