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Dr. Myhill über ME/CFS Grundlagenwissen und Therapien

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Dr. Sarah Myhill ist eine britische Expertin zum Thema ME/CFS. Sie hat einige Bücher geschrieben, bereits viele Betroffene begleitet und auch auf Kongressen ihr Wissen weitergegeben. Dieser Blogartikel ist eine übersetzte Erarbeitung aus einem Online-Kongress zum Thema chronisches Erschöpfungssyndrom, in dem Dr. Myhill zu diesem Thema sprach. Dr. Myhill gibt viele gute und praktische Impulse weiter, die auch für deine Erkrankung hilfreich sein können.

Lassen wir sie hier zu Wort kommen.

Alle folgenden Aussagen sind also die Meinung von Dr. Myhill, die wir hier übersetzt sinngemäß weitergeben.

Warum ist das chronische Erschöpfungssyndrom für die Schulmedizin ein Rätsel?

Viele Menschen, die sich mit ihren Erschöpfungssymptonen an Ärztinnen und Ärzte wenden, machen die Erfahrung, dass sie für verrückt gehalten werden.

Das Problem der Schulmedizin ist, dass sie ihre wissenschaftliche Grundlage verloren hat. Sie stellt nicht mehr die Frage nach dem Warum. Sie fragt nicht mehr nach den Mechanismen. Die moderne Medizin hat sich auf einfache Algorithmen reduziert, die Symptome unterdrücken. Wenn du also hohen Blutdruck hast, bekommst du Medikamente, die den Blutdruck senken. Wenn du Kopfschmerzen hast, werden dir Schmerzmittel verschrieben. Wenn du Arthritis hast, bekommst du Entzündungshemmer. In der Schulmedizin wird nicht tiefer gedacht.

Das Schlimmste an der Fatigue ist, dass es nicht einmal Medikamente dagegen gibt. Also werden die Patienten oft (nicht immer) von ignoranten Ärzten nicht ernst genommen.

Das führt dazu, dass viele von ihnen zu Psychiatriepatienten werden. Nur wenige Therapeuten versichern den Betroffenen, dass mit ihrer Psyche alles in Ordnung ist, sehen sich den Mechanismus bei solchen Erkrankungen genau an und stellen den Betroffenen die richtigen Fragen.

Warum die Symptome bei ME CFS so wichtig sind

ME CFS ist keine Diagnose, sondern ein Syndrom – also eine Kombination von Symptomen. Wir haben ein bestimmtes Kontingent an Energie, das wir am Tag verbrauchen können. Wer mehr Energie verbraucht, als er benötigt, kann letztendlich sogar daran sterben.

Denn im schlimmsten Fall hat man nicht mehr genug Energie, um die wichtigsten Funktionen zu gewährleisten, wie z.B. Herz und Gehirn zu versorgen und die Leber zu kontrollieren.

Das wird jedoch so gut wie möglich vermieden, denn das Gehirn und der Körper wissen genau, wie viel Energie gerade zur Verfügung steht. Wenn wir mehr Energie verbrauchen, als wir haben, bekommen wir Symptome. Dadurch merken wir, dass die Lücke zwischen der verfügbaren Energie und den Energieausgaben immer kleiner wird.

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Es ist wie ein Bankkonto, von dem wir Geld abheben. Nur dass wir mit unserem Körper im Gegensatz zum Konto nicht in die roten Zahlen kommen können. Denn wenn das passiert, sterben wir. Und das wird der Körper unbedingt vermeiden, und zwar durch die Warnsignale in Form von Symptomen.

Erschöpfung ist also ein Symptom, das man beachten muss, anstatt es einfach mit Drogen oder Medikamenten zu überdecken. Manche Menschen greifen zu süchtig machenden Stoffen, um dieses Symptom zu überdecken.

Kurzfristig fühlst du dich vielleicht gut und energiegeladen, aber langfristig verursacht dieses Verhalten Schmerzen und ist sehr gefährlich!

Erschöpfung ist ein unangenehmes Symptom und kann sich sowohl auf körperlicher Ebene als auch in Form von geistiger Erschöpfung äußern.

Du kannst nicht klar denken und hast einen sogenannten Brain Fog. Vielleicht treten auch Muskelschmerzen auf, weil sich in den Muskeln Milchsäure ansammelt.

Das sind äußerst unangenehme Symptome. Sie zwingen uns, unser Verhalten zu ändern und uns ins Bett zu legen und auszuruhen. Sie halten uns vom Arbeiten ab, denn wenn wir weitermachen, würden wir den Tod riskieren.

Entzündungen als Auslöser der Erschöpfung

Erschöpfung ist das Symptom, das auftritt, wenn die Energielieferung Mechanismen in irgendeiner Weise beeinträchtigt sind. ME/CFS und Borreliose sind die Krankheitsbilder, die entstehen, wenn das Immunsystem aktiviert wird. Entzündungen sind ein sehr unangenehmes Symptom und gekennzeichnet durch die fünf pathologischen Merkmale:



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  • Hitze
  • Rötung
  • Schwellung
  • Funktionsverlust und
  • starke Schmerzen.

Wir brauchen die Entzündung, um mit der Infektion fertig zu werden, auch wenn sie schmerzhaft ist. Das betrifft ME/CFS- und Fibromyalgie-Patientinnen gleichermaßen.

Wie kommt es zu Entzündungen?

Wenn das Immunsystem aktiviert wird, kommt es zu Entzündungen. Die Borreliose z.B. ist ein häufiger bakterieller Auslöser von Entzündungen. Eine andere weit verbreitete Ursache für Entzündungen sind chronische Virusinfektionen wie die chronische Epstein-Barr-Infektion. Auch Allergien auf Nahrungsmittel, Inhalationsstoffe und Chemikalien treiben Entzündungen voran.

Eine weitere häufige Quelle für Entzündungen ist die Allergie gegen Mikroben aus dem Gärdarm. Der Hintergrund: Einige der Bakterien, Pilze und Viren aus unserem Darm gelangen in den Blutkreislauf, was erstmal ein ganz normaler Vorgang ist.

Ein Beispiel: Wenn du dir die Zähne putzt und eine Minute später einen Bluttest machen würdest, würde man Zahnbakterien in deinem Blutkreislauf finden. Wenn unser Darm in Ordnung ist und wir ein normales Mikrobiom haben, hat das keine negativen Folgen. Wenn es sich aber um unfreundliche Mikroben handelt, die unser Immunsystem nicht kennt, weil sie erst kürzlich aufgetaucht sind, führt das zu einer Entzündung an dieser Stelle.

Wenn das Immunsystem angegriffen wird und es zu Entzündungen gekommen ist, verbraucht es enorme Energiemengen. Betrachte das Immunsystem als unser stehendes Heer – eine solch stets einsatzbare militärische Truppe ist bekanntlich sehr teuer. Ein stehendes Heer verbraucht eine Menge Rohstoffe und eine Menge Energie.

Wir brauchen dieses stehende Heer, weil wir auf den nächsten viralen, bakteriellen oder pilzlichen Angriff vorbereitet sein wollen. Wenn der Angriff dann stattfindet, soll unser stehendes Heer in Aktion treten und mit allen Kräften die Eindringlinge bekämpfen.

Dabei bekommen wir Fieber, uns wird heiß und wir sind akut müde, weil die gesamte Energie unseres Körpers durch unsere Immun Armee fließt, um den Angriff abzuwehren. Ist der Angriff erfolgreich, kehrt das Immunsystem bei einem gesunden Menschen wieder in den Ruhezustand zurück und wir erholen uns.

Aber was passiert, wenn es zu einem Bürgerkrieg kommt? Dann ist der Angriff auf den Eindringling unwirksam, er wird Teil unseres Körpers und das Immunsystem dauerhaft aktiviert und verbraucht Unmengen an Energie.

Dann hast du keine Energie mehr zum Leben.

Du fühlst dich schrecklich, weil sich die Entzündungen in deinen Muskeln, Gelenken und in deinem Gehirn manifestieren. Es bleibt dir keine Energie mehr, um Spaß zu haben, deiner Arbeit weiter nachzugehen oder spazieren zu gehen.

Die Weisheit unseres Körpers, dem Überleben Vorrang zu geben

Es ist ein Zeichen der Klugheit unseres Körpers, dass er dem Überleben den Vorrang gibt, weil er auf Kriegsfuß mit der Energie für diese anderen Dinge steht.

Es steht außer Frage, dass du bei ME CFS in einen Zustand kommst, in dem die Entzündung unangemessen ist. Unser Körper räumt dem Überleben den Vorrang ein, wenn es um die Frage geht, wofür die Energie verwendet werden soll.

Doch ab einem bestimmten Punkt ist die Entzündungsreaktion unangemessen. Zum Beispiel sind allergische Reaktionen auf Lebensmittel äußerst lästig. Hier hält das Immunsystem, die wir brauchen, um uns zu ernähren, für fremde Eindringlinge.

Mit der Autoimmunerkrankung verhält es sich genauso: Eine Entzündung deiner Schilddrüse, deiner Magenschleimhaut oder deiner Leber ist eine ziemlich blöde Sache. Denn du verbrauchst einerseits Energie, um dich selbst zu bekämpfen, und andererseits musst du dann heilen und reparieren.

Derzeit ist schätzungsweise einer von 20 Menschen von einer Autoimmunerkrankung betroffen. Dafür gibt es drei Hauptfaktoren:

  1. Impfungen.
    Viele ME/CFS-Erkrankungen wurden durch Impfungen ausgelöst. Momentan macht uns Sorgen, dass Long Covid so überhand nimmt, oft ausgelöst durch Impfungen.
  2. Vitamin-D-Mangel.
    Das ist der zweitwichtigste Faktor und eine regelrechte Pandemie. Wir alle sollten Vitamin D einnehmen.
  3. Ernährung.
    Die westliche Ernährung ist entzündungsfördernd. Sie besteht aus Zucker, Kohlenhydraten, Gluten und Milchprodukten.

All diese Dinge versetzen uns in einen entzündungsfördernden Zustand.

Sehen wir uns nun an, was wir Menschen mit einem Auto gemein haben und wie uns der Vergleich hilft, etwas gegen unsere Erschöpfung zu unternehmen.

Alles, was du über Mitochondrien wissen musst

Der Ausgangspunkt für die Behandlung von Menschen mit Erschöpfung ist die Betrachtung der Mechanismen der Energiebereitstellung. Die Mitochondrien sind ein wichtiger Akteur, aber es gibt noch drei andere.

Um diesen Mechanismus zu verstehen, denk an ein Auto: Bei deinem Auto musst du den richtigen Treibstoff im Tank haben, du brauchst einen guten Motor, ein funktionierendes Gaspedal und ein Getriebe. Das sind vier Schlüsselfaktoren, wenn es darum geht, den Energiehaushalt so gut wie möglich zu füllen.

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Mitochondrien sind also die Motoren unseres Organismus. Sie sind eine biologische Einheit, die allen Zellen in der gesamten Natur gemeinsam ist: Der Hund, das Gras, die Bäume und die Menschen – wir alle erzeugen Energie mithilfe unserer Mitochondrien.

Du kannst sie dir als kleine Motoren vorstellen. In der Welt der Autos gibt es Diesel- und Benzinmotoren. Wir Lebewesen haben Mitochondrien, die unglaublich effiziente Motoren sind. Unsere Mitochondrien erzeugen 32 bis 36 Moleküle ATP aus einem Molekül Keton oder Glukose. Hefezellen hingegen stellen nur zwei Moleküle ATP her.

ATP ist das Energie Molekül. Wäre ATP Geld, könntest du dir damit jeden Job im Körper kaufen, wenn du genug Geld hast. Du könntest damit einen Muskel anspannen, einen Nerv leiten, verdauen, Hormone herstellen und einen Knochen und Muskel ersetzen.

Mitochondrien sind also ein grundlegender Bestandteil des Lebens und gehen auf den Beginn der Zeit zurück. Um gut zu funktionieren, brauchen sie den richtigen Treibstoff im Tank, d.h. die richtige Ernährung und die richtige Darmfunktion. Besondere Bedeutung kommt den Ketonen zu (mehr dazu im Abschnitt „Die Rolle des Darms und die Bedeutung der Verdauung“).

Außerdem müssen die Mitochondrien frei von toxischem Stress sein. Wenn du deine Mitochondrien mit Organophosphaten, Pestiziden, Schwermetallen und Mykotoxinen vergiftest, werden sie langsamer.

Dann brauchen sie die richtigen Steuerungs- und Kontrollmechanismen, d.h. das Gaspedal der Schilddrüse und das Getriebe der Nebennieren. Diese Hormone sind für die Energiebereitstellung zuständig.

Die Schilddrüsenhormone sorgen dafür, dass dein Auto gewissermaßen mit einer angenehmen Geschwindigkeit von 90 Kilometern pro Stunde dahin fährt und du gut vorankommst.

Dann passen die Nebennierenhormone die Geschwindigkeit je nach Bedarf an. Wenn du also ein bisschen schneller fahren willst, weil du z.B. ein anderes Auto überholen willst, kommt es zu einer Ausschüttung von Adrenalin, Cortisol und DHEA. Danach fällst du wieder auf die Durchschnittsgeschwindigkeit zurück.

Nachts wiederum, wenn wir Schlaf brauchen und der Spiegel der Nebennierenhormone sinkt, schalten sich die Mitochondrien ab und wir kühlen ab, was uns den Schlaf ermöglicht.

Die Mitochondrienfunktion wird also von Sekunde zu Sekunde, von Minute zu Minute und von Tag zu Tag von den Nebennieren kontrolliert.

Die Bedeutung von gutem Schlaf

Schlafmangel ist eine absolute Katastrophe. Wir alle brauchen täglich guten Schlaf, denn im Schlaf heilen und reparieren wir. Sobald du dich bewegst oder irgendetwas tust, verletzt du dich – du tust deinen Gelenken weh, beschädigst deine Muskeln und so weiter.

Hast du gewusst: Alle Lebewesen, sogar Mikroben und Bakterien, haben ein Zeitfenster, in dem sie sich abschalten, um Heilung und Reparatur zu ermöglichen. (Außer schwimmende Delfine, denn sie schalten immer nur eine Hälfte ihres Gehirns ab und dann die andere Hälfte, weil sie nie schlafen können. Bei Mauerseglern ist es ähnlich.)

Um heilen und reparieren zu können, muss der Schlaf von guter Qualität sein. Der Schlaf wird durch unsere Ernährung und unsere Hormone beeinflusst.

Wenn wir …
… die Ernährung korrigieren,
… die Funktion der Mitochondrien verbessern,
… die Nebennieren und die Schilddrüse in Ordnung bringen,
… entgiften und Entzündungen bekämpfen,

wird das unseren Schlaf positiv beeinflussen. Denn ein entzündetes, vergiftetes Gehirn kann nicht schlafen.

Darüber hinaus können wir alle von Anfang an einige sehr einfache Dinge zur Schlafhygiene tun. Es gibt einen natürlichen zirkadianen Rhythmus, der vom Licht bestimmt wird.

Natürliches Licht ist wichtig, um unsere biologische Uhr in Gang zu setzen. Künstliches Licht tut das nicht. Licht hält unsere Zirbeldrüse davon ab, das Schlafhormon Melatonin zu produzieren. Wenn es dunkel wird, sammelt sich Melatonin im Körper an. Wenn es einen kritischen Wert erreicht hat, fühlen wir uns müde und wollen ins Bett gehen.

Die Zirbeldrüse erweckt dann die Hypophyse zum Leben.

Etwa um Mitternacht steigt der Spiegel des Schilddrüsen stimulierenden Hormons an. Das Schilddrüsen stimulierende Hormon wird dann an die Schilddrüse im Hals abgegeben. Dadurch wird die Schilddrüse stimuliert.

Um circa 4 Uhr morgens steigt der T4-Thyroxinspiegel an. T4 wird langsam in T3 umgewandelt, und T3 ist das aktive Hormon. Um etwa 5 Uhr morgens steigt der T3-Spiegel an, und T3 schüttet die Nebennieren aus und gibt ihnen einen Kick. Gegen 6 oder 7 Uhr morgens steigt der Adrenalin- und Cortisolspiegel in die Höhe und das ist es, was dich aufweckt.

Wenn wir kein Vollspektrumlicht bekommen oder nicht bei richtiger Dunkelheit schlafen, funktioniert die Zirbeldrüse nicht gut. Oder die Hirnanhangdrüse ist durch eine Kopfverletzung, einen Schlaganfall oder sogar ein Gift beschädigt.

Wir brauchen eine gut funktionierende Schilddrüse und die Nebennieren, um auf diese Reize zu reagieren. Sind die Schilddrüsen und Nebennieren durch Stress erschöpft, wird sich das negativ auf den Schlaf auswirken.

Manchmal stellt sich ein guter Schlaf auch gar nicht erst ein. Wenn der Schlaf aufgrund von Mobbing in der Kindheit, emotionalen Traumata oder posttraumatischem Stress beeinträchtigt ist, leidet die allgemeine Gesundheit umso mehr darunter.

Die Rolle des Darms und die Bedeutung der Verdauung

Damit unsere Mitochondrien gut funktionieren, brauchen sie auch wichtige Rohstoffe – wie ein Auto, das den richtigen Treibstoff im Tank haben muss. Das heißt, du brauchst die richtige Ernährung und eine gute Darmfunktion.

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Für deine Darmfunktion ist entscheidend, was du isst.

Der menschliche Darm ist fast einzigartig in der Welt der Säugetiere, weil wir verschiedene Nahrungsmittel essen können. Unser oberer Darm, der fleischfressende Darm, ist ein steriler, säurehaltiger Verdauungsdarm. Er sollte nahezu sauber sein, durch Magensäure sauer gehalten werden und ist dazu da, Fleisch und Fett zu verdauen.

Der untere Darm hingegen ist wie der eines Pferdes. Das Pferd frisst Gras als Ballaststoff. Der untere Darm und der Dickdarm sind Gärdarme, voll mit kiloweise Mikroben, die sich um die Ballaststoffe kümmern.

Die ideale Ernährung ist fett-, eiweiß- und ballaststoffreich.

Die moderne Ernährung enthält leider viel zu viele Kohlenhydrate.

Die Umstellung erfolgte in den 1970er und frühen 1980er Jahren, als plötzlich die angebliche Weisheit vorherrschte, dass Kohlenhydrate gesund sind.

Anstatt beispielsweise mit einem Ei zur Arbeit zu gehen, schärfte man den Leuten ein, zum Frühstück Haferbrei, Toast oder Müsli zu essen. Wenn sich tagsüber der kleine Hunger meldet, sollen sie zum Mars-Riegel, zu einem Keks oder dergleichen greifen.

Das ist eine Katastrophe für unseren Darm!

Mit der hohen Kohlenhydratmenge im Magen ist der Darm bei der Verdauung überfordert. Dann ziehen die Mikroben ein und fangen an zu gären, und am Ende hast du einen Gärdarm. Die Eingeweide produzieren Alkohol, Laktat und Schwefelwasserstoff – richtig giftige Stoffe, die Brain Fog auslösen können. Man nennt das das Auto-Brauerei-Syndrom.

Das zweite Problem unserer Ernährung sind die Verdauungsprodukte des Darms. Sie gelangen über die Pfortader in die Leber. Die Leber muss mit diesem toxischen Durcheinander fertig werden: Alkohol und Laktat, bakterielle Endotoxine und Pilzmykotoxine.

Die Leber verbraucht eine enorme Menge an Energie, um mit dieser toxischen Belastung und dem Rohmaterial fertig zu werden. Tatsächlich verbraucht sie im Ruhezustand mehr Energie als das Herz und das Gehirn zusammengenommen. Riesige Mengen werden benötigt, um die toxischen Produkte aus dem gärenden Darm zu verarbeiten.

Darm und Leber freuen sich also über eine kohlenhydratarme Ernährung.

Der bevorzugte Treibstoff der Mitochondrien sind Ketone.

Deshalb ist die ketogene Ernährung eine so hilfreiche Ergänzung. Ausdauersportler (Mittelstrecken- oder Langstreckenläufer) können mit der ketogenen Ernährung ihre Leistung um 10 bis 15 Prozent verbessern.

Mike Morton zum Beispiel, ein Keto-Adaptiv-Athlet, hält den Weltrekord für die weiteste gelaufene Strecke in 24 Stunden: 277 Kilometer. Er brauchte währenddessen nichts zu essen, nahm nur Flüssigkeit zu sich, hat aber eine hervorragende Leistung erbracht.

Beginne am besten mit einer kohlenhydratarmen Ernährung. Du musst die kleinen, fiesen Biester in deinem Darm aushungern und aufhören, sie mit Zucker und anderen Kohlenhydraten zu füttern.

Für manche Menschen kann das bedeuten, dass sie fasten (wobei sehr kranke Patienten mit dem Fasten vorsichtig sein müssen). Für andere mag die GAPS-Diät das Richtige sein – entwickelt von Dr. Natasha Campbell-McBride, ihr Buch (GAPS – Gut and Physiology Syndrom) wurde weltweit hunderttausendfach verkauft. Für die meisten Menschen ist die ketogene Paleo-Diät ein guter Anfang.

Der Weg zur Genesung: Befreie dich von allen Süchten

Das Grundprinzip der Genesung lautet:

Jeder muss den Weg der Genesung für sich selbst herausfinden.

Dabei können Therapeuten wichtige Begleiter sein, weil die Betroffenen oft nicht die geistige, körperliche und emotionale Energie haben, um ihren Genesungsweg selbstständig zu finden.

Symptome unterdrückende Medikamente sind auf diesem Weg eher gefährlich, weil sie die frühen Warnzeichen wegnehmen. Zu den schlimmsten Sachen, die wir unserem Körper antun können, gehören Medikamente, Alkohol, Nikotin, Koffein und Drogen. Kurzfristig fühlen wir uns damit vielleicht besser, weil sie uns die Symptome nehmen, aber sie verursachen selbst Probleme.

Die tückischste Sucht von allen ist aber Zucker, weil die meisten Menschen nicht wissen, dass es eine Sucht ist. Zucker ist leider gesellschaftsfähig. Eltern benutzen ihn, um ihre Liebe zu ihrem Kind zu symbolisieren, nach dem Motto: „Wenn du brav bist, bekommst du eine Süßigkeit.“ Aber es ist, als würde man eine Dosis Gift verabreichen, wie Zyanid.

Wie sieht also der Weg zur Genesung aus?

Als Erstes müssen wir uns von all diesen Süchten befreien – egal ob es sich um Zucker, Alkohol, Rauchen, Koffein oder Medikamente handelt. Denn wenn du Schmerzmittel, Entzündungshemmer oder Medikamente gegen Depressionen einnimmst, ist es schwerer, die Krankheit richtig zu diagnostizieren, was einer Genesung im Wege steht. Wer all diese Medikamente einnimmt, sollte sie ganz langsam absetzen und parallel dazu viele weitere Maßnahmen ergreifen, um die Biochemie zu korrigieren.

Finde deinen Sweet Spot im Pacing

Der Unterschied zwischen normaler Fatigue und pathologischer Fatigue ist die Verzögerung. Auch ein gesunder Mensch ist am Ende eines anstrengenden Tages müde, wenn er den ganzen Tag gearbeitet und vielleicht auch draußen einiges erledigt hat. Das erschöpft. Doch dann schläft er gut und ist am nächsten Tag putzmunter.

Patienten mit ME/CFS hingegen haben eine pathologische Fatigue. Wenn sie es an einem Tag übertreiben, müssen sie am nächsten Tag dafür bezahlen. Die Folge sind zudem Gewebeschäden und hohe mitochondriale Ausfälle. Deshalb ist das Pacing ein wichtiger Teil der Genesung.

Die Art und Weise, wie wir Ärztinnen und Ärzte Patienten mit chronischer Erschöpfung behandeln (sollten), entspricht genau der Art und Weise, wie Spitzensportler ihre Leistung verbessern. Denn sie wissen ganz genau, dass ihre Leistung sogar abnimmt, wenn sie zu viel trainieren!

Es gibt einen Sweet Spot, der ihnen sagt, wie viel sie tun können.

Und genau das gilt auch für Patienten mit chronischem Fatigue Syndrom: Wenn du deine Aktivitäten nicht vernünftig einteilst und am nächsten Tag dafür bezahlen musst, verlangsamst du deine Genesung.

In der Anfangsphase der Erkrankung, wenn es dir noch überhaupt nicht gut geht, ist Pacing zwar womöglich langweilig, aber es führt kein Weg daran vorbei.

Nahrungsergänzungsmittel zur Selbstmedikation?

Durch die mangelnde Aufnahme von Vitaminen und Mineralstoffen geht alles „den Bach runter“. Die Schilddrüse kann nicht mehr richtig arbeiten und die Nebennieren, Mitochondrien und Leber funktionieren auch nicht mehr gut. Ohne diese essentiellen Stoffe funktioniert fast nichts im Körper.

Die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln – Vitaminen, Mineralien, essentiellen Fettsäuren oder Kräutern – ist im Großen und Ganzen eine sehr sichere Sache. Das Schadenspotenzial von Nahrungsergänzungsmitteln ist minimal. Der einzige Schaden, den du anrichten kannst, ist der an deinem Kontostand.

Grundsätzlich muss man aber sagen: Wir alle brauchen ein Basispaket an Nahrungsergänzungsmitteln. Dazu gehört eine Grundversorgung an guten Multivitaminen, Multimineralien und einigen essentiellen Fettsäuren sowie Vitamin D. Wir alle sollten sie einnehmen, um die Defizite in der modernen Ernährung auszugleichen, egal ob wir krank, gesund, ungesund, alt oder jung sind.

Es gibt gute Nahrungsergänzungsmittel für die Mitochondrien, die die Entgiftung unterstützen, sowie Kräuter, die den Darm stärken und bei chronischen Infektionen eingesetzt werden können.

Dazu gehört Vitamin C. Es hilft dabei, Schwermetalle zu entgiften, und es ist eines der wichtigsten Antioxidantien in unserem Körper. Das Gute an Vitamin C ist, dass es sehr billig ist, jeder kann es sich leisten und es tötet schädliche Mikroben, Bakterien, Hefen und Viren ab. Es bringt aber nicht nur den Gärdarm in Ordnung, sondern ist auch ein hervorragender Schutz gegen chronische Infektionen.

Nun sagen viele Menschen:

„Ich nehme schon seit Jahren all diese Nahrungsergänzungsmittel, aber sie bringen nichts.“

Der Grund dafür ist einfach – sie haben einen Gärdarm.

Nahrungsergänzungsmittel nützen wenig, wenn es in deinem Darm noch gärt. Sie füttern damit nur die Mikroben im Darm, die dadurch noch stärker fermentieren, und alles wird noch giftiger.

Natürlich gelangt auch Gutes in den Blutkreislauf, aber du beeinträchtigst massiv deine Fähigkeit, effizient zu verdauen und aufzunehmen.

Wenn du diese fermentierenden Mikroben im Darm hast, führt das zu Krankheiten. Helicobacter pylori beispielsweise verursacht Magengeschwüre. Auch Reflux wird oft von einem Gärdarm verursacht. Speiseröhrenkrebs, Magenkrebs und Darmkrebs haben zweifellos alle mit diesem abnormen Mikrobiom zu tun.

Beginne also immer mit der Ernährung. Erst danach hast du eine reelle Chance, dass die Nahrungsergänzungsmittel wirken können.

Natürlich ist es auch in Sachen Nahrungsergänzungsmittel hilfreich, sich an erfahrene Menschen zu wenden, die den Weg schon gegangen sind.

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Zusammenfassung: Kleine Checkliste

Wir hoffen, dass dir diese Verschriftlichung des Online-Vortrages interessante Einblicke in die Abläufe in unseren Körper gebracht hat und dir auf deiner persönlichen Genesungsreise eine Hilfe ist. Hier nochmal die Ratschläge von Dr. Sarah Myhill kurz zusammengefasst:

  • Befreie dich von Süchten jeglicher Art!
  • Vermeide Entzündungen!
  • Unterstütze die Nebennieren- und Schilddrüsenfunktion!
  • Kümmere dich um deinen Darm!
  • Lass unbedingt den Zucker weg!
  • Ernähre dich ketogen!
  • Erwäge Nahrungsergänzungsmittel, vor allem Vitamin D und C!
  • Achte auf guten Schlaf!
  • Nimm das Pacing ernst und finde deinen persönlichen Sweet Spot!

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2 Kommentare

  1. Lieber Johannes und all ihr anderen fleißigen Helfer!
    Ich möchte mich von ganzem Herzen für die Mühe bedanken, diesen Vortrag zu übersetzen. Da ich auf Englisch nicht die Hälfte verstehen würde, bin ich euch wirklich sehr, sehr dankbar dafür!!!
    Und auf diesem Wege möchte ich auch noch einmal Danke sagen, für all die anderen tollen, informativen Artikel. 😊 Eure Arbeit ist wirklich Gold wert!
    Lg Birgit Schulze 🤗

    1. Vielen herzlichen Dank, liebe Birgit, für dieses mutmachende Feedback. Es freut uns sehr, wenn der (und andere) Blogartikel eine Hilfe ist. Wir wünschen dir, dass du immer zur passenden Zeit die passenden Ansätze und Impulse bekommst, die gerade dran sind. Herzliche Grüße!!!!