Schneller gesund werden durch diese unerwartete Methode? Ein Gedankenspiel!

Danke fürs Teilen


In dieser Fasy.Mail und der Geschichte von Till Eulenspiegel steckt eine kostbare Erkenntnis.

Sie kann unser Leben bereichern und die Genesung bei Fatigue+ fördern.

Sie ist eine Ergänzung zur momentanen Podcast Serie über Energie-Minimalismus und wie wir unsere wenige Energie so gut wie möglich sparen und nutzen können.  

Habe ich dich neugierig gemacht? 

Dann gehts erst mal weiter mit einer Erklärung, was ich mit Fatigue+ meine:

All die Erkrankungen, um die es bei Fasynation geht. Also das chronische Fatigue Syndrom CFS, die Myalgische Enzephalomyelitis ME, kurz ME/CFS, postvirale Fatigue, Long Covid, Post Covid, PostVac und andere chronische Fatigue Erscheinungen.

Fatigue/schwere Erschöpfung + chronisch + Schlafstörungen +  Belastungsintoleranz PEM + alle möglichen Schmerzen + andere Symptome 

Nicht alles immer bei allen gegeben. Aber die Fatigue ist eigentlich immer mit dabei. 

Diese unterschiedlichen Krankheitsbilder möchte ich mit dem Begriff Fatigue+ auf einen Punkt bringen. 

Und nun der Frust und eine gemeine Nebenwirkung dieser Erkrankungen:  

Fatigue+ bremst uns total aus, oder? 

Sie bremst uns aus, dass wir das Leben gestalten, die Welt entdecken, Freunde treffen, einfach normal arbeiten oder zumindest den Alltag meistern können, ohne gleich immer wieder am Boden zu liegen. (Diese dermaßen frustrierende Belastungsintoleranz PEM und Crashs). 

Und jetzt kommt eine mutige und TROTZige These, die aus meinen Tränen, Schmerzen und meiner Wut erwachsen ist. Also keine oberflächliche Frage: 

Könnte es sein, dass dieses Ausbremsen unser Leben bereichern und sogar die Genesung fördern will? 

Ich meine nicht die Schmerzen selbst und die ständigen Crashs. Oder die tiefste Verzweiflung, Mißverständnisse und Zukunftsängste. In diesen Dingen selbst finde ich ehrlich gesagt wenig Gutes. 

Aber ich meine die Ausbremsung an sich. 

Die Tatsache, dass wir jetzt nur noch ganz langsam vorankommen, im wahrsten Sinne des Wortes. 

Langsamer gehen.
Langsamer Dinge erledigen. 
Langsamer Fortschritte in der Genesung machen. 

Was ich von Till Eulenspiegel gelernt habe 

Als Till Eulenspiegel mit seinem Bündel Habseligkeiten zu Fuß zur nächsten Stadt wanderte, überholte ihn eine recht schnell fahrende Kutsche.

Der Kutscher, der es sehr eilig zu haben schien, rief: „Wie weit ist es bis zur nächsten Stadt?“

„Wenn ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde – wenn ihr schnell fahrt, einen halben Tag, mein Herr!“, antwortete Till Eulenspiegel.

„Du Narr!“, schimpfte der Kutscher, griff zur Peitsche und trieb die Pferde noch heftiger an, und die Kutsche fuhr mit erhöhtem Tempo weiter.

Till Eulenspiegel ging seines Weges daher. 

Die Straße hatte viele Schlaglöcher. 

Eine Stunde später fand er eine Kutsche, die offenbar mit einem Schaden im Straßengraben lag. Die Vorderachse war gebrochen und der Kutscher war fluchend damit beschäftigt, diese zu reparieren.

Der Kutscher blickte Till vorwurfsvoll an, worauf dieser nur anmerkte: „Ich sagte euch doch:

Wenn ihr langsam fahrt, eine halbe Stunde …“

Diese Geschichte erinnert mich eindrücklich daran, dass Langsamkeit manchmal tatsächlich besser ist. Besonders wenn es viele Schlaglöcher gibt. 

Und das Leben hat leider viele Schlaglöcher. 

Mit Fatigue+ sind diese noch gefährlicher, weil unsere Kutsche viel instabiler ist.

Deshalb lerne ich aus der Geschichte:

Wenn wir langsamer fahren, können wir schneller ankommen!! 

Aber was bedeutet das für mich konkret? 

Wo will ich eigentlich hin? Und wie komme ich am schnellsten (oder langsamsten) dort hin?

Allein diese Fragen durchzukauen, kann  inspirierend sein. 

Lass mich dazu meine momentanen Gedanken verraten.

Frage 1: Was heißt es für mich, anzukommen? Wo will ich eigentlich  hinkommen und woran merke ich, dass ich Fortschritte mache?

Als ich meine ME/CFS Diagnose erhielt, war ich am Boden zerstört. Seit langer Zeit schon so krank, und jetzt diese düsteren Aussichten, dass ME/CFS laut vieler Mediziner nicht heilbar sei. 

In den nächsten Monaten weinte ich viel in dunklen schlaflosen Nächten und dachte darüber nach, was ich mir jetzt am meisten wünschte. Was wäre, wenn ein Flaschengeist mir einen Wunsch erfüllen könnte. Oder Gott ein Gebet erhört. Nur EINEN Wunsch erfüllt. Welcher wäre das? 

Was wäre mein Wunsch, mein Ziel, meine ersehnte Stadt? 

Ich wusste, was ich NICHT mehr wollte: Diese Schmerzen, ständigen Infekte und schwerste Erschöpfung. Ich wollte das nicht mehr! 

Aber was wollte ich stattdessen? Wie kann ich beschreiben, was ich will? 

Und ich habe eines festgestellt: Noch mehr als körperliche Gesundheit wünschte ich mir folgendes: 

Dass ich jederzeit einen gewissen inneren Frieden und ein Wohlsein spüre, das mich von Innen heraus zufrieden und leicht macht. Ein gewisses Glücklich-Sein, das unabhängig davon ist, in welcher „Stadt“ ich mich gerade aufhalte und wie es mir gesundheitlich geht. 

Dies war mich noch wichtiger als einfach nur ein stärkeres Immunsystem oder eine vollständige Heilung. 

Im Sinne der Geschichte könnte ich sagen: 

Ich will die Reise genießen anstatt die Stadt so schnell wie möglich erreichen. 

Ich will Blumen auf dem Weg riechen, die Landschaft bestaunen und mich dabei wohl fühlen.

Ja, noch mehr:

Ich will, dass ICH SELBST die Stadt bin, in der ich mich wohl und sicher und geborgen fühle. 

Denn dann muss ich keinen Zielen hinterher laufen und immer versuchen, irgendwo anzukommen. Dann bin ich immer angekommen. Jeder Meilenstein ist dann ein Ziegelstein meines Zuhauses. 

Aber trotzdem will auch ich gesundheitliche Verbesserung. Und du wahrscheinlich auch. Deshalb liest du ja diesen Text und hörst die Podcast-Episoden. 

Übertragen wir deshalb Till’s Geschichte auf unsere Fatigue+ und betrachten die Genesung oder die spürbare gesundheitliche Verbesserung als unsere Stadt, die wir erreichen wollen. 

Jetzt kommt nämlich etwas paradoxes, wunderbares, erstaunliches: 

Viele Genesungsgeschichten haben zumindest in meiner Wahrnehmung dieses Phänomen gezeigt:  

Gerade die bewusste Langsamkeit hat zur schnelleren Genesung geführt.

Und das ist paradox, denn langsam unterwegs zu sein könnte ja den Eindruck vermitteln, man will eigentlich gar nicht in die Stadt. 

Wie der 4-Jährige, der auf dem Weg zur Oma ständig trödelt und bei jeder Blume und Schnecke anhält und alles bestaunen muss.

Und doch scheint so der Prozess bei vielen Genesenen auszusehen. Sie haben den Prozess in gewisser Weise zum Ziel gemacht. 

Gleichzeitig waren sie sehr bewusst und entschieden in Richtung Genesung unterwegs. 

Deshalb ja auch der Titel ‚Richtung Genesung‚ des Ebooks (das du im internen Bereich findest, wenn du die Fasy.Mail abonniert hast). 

So wie der Kutscher viel schneller angekommen wäre, wenn er die Pferde nicht so angetrieben hätte, so kommen auch Viele gesundheitlich besser voran, wenn sie langsamer vorgehen und sich nicht treiben und hetzen lassen.  

Das ist zumindest eine These. 
Ein lohnender Gedanke. 

Natürlich heißt dies nicht immer, dass all wir Nicht-Genesenen zu schnell unterwegs sind. Oder überhaupt etwas falsch gemacht haben. 

Dafür ist Fatigue+ viel zu komplex und vielfältig.

Was bei Helga hilft, muss Heike noch längst nicht heilen.

Aber trotzdem (nein, gerade deshalb) helfen mir diese Gedanken von Ziel & Weg.

Zum Beispiel auch die folgenden:

Ich bin in Richtung ganzheitliche Genesung unterwegs. 

Ja, ich möchte, dass es mir körperlich besser und gut geht. Aber auch emotional, spirituell, mental und sozial in meinen Beziehungen. 

Gleichzeitig glaube ich, dass ich zwar in Richtung ganzheitliches Heil-Sein unterwegs bin, aber nie DIE Stadt erreichen werde. Denn sie ist nur eine Vorstellung, ein relativer und sehr subjektiver Ort. 

  • Vor zwei Jahren habe ich mir gewünscht, mal wieder mit der Familie Zeit zu verbringen, ohne dass es mir dadurch schlechter geht und ich tagelang im dunklen Zimmer mit Ohrschützern verbringen muss. 
  • Jetzt wünsche ich mir, dass ich täglich eine Runde spazieren kann, ohne dass es mir schlechter geht. 
  • Wenn das wieder möglich ist/wäre, wünsche ich mir, dass ich wieder reisen kann und Wanderungen machen kann. 

Die vermeintliche Stadt wird immer weiterreisen. Immer vor mir sein. 

Und das kann richtig frustrierend sein und enorm viel Energie kosten.

Deshalb habe ich in den letzten Jahren ein ganz neues Verhältnis zu Zielen bekommen. Früher waren mir Ziele immer wichtig. Heute merke ich, dass Ziele auch krank machen können. Sie fressen enorm viel Energie und machen mich zum Getriebenen.

Habe ich immer noch Ziele? Natürlich.

Zum einen, weil ich aus meinen alten Mustern nicht so schnell aussteigen kann. Aber auch, weil Ziele immer noch hilfreich sein können. Wenn es die richtigen Ziele sind. Oder Ziele richtig verfolgt werden.

Für diesen Text hier bedeutet es zum einen, dass ich kein messbares Gesundheits-Ziel habe, sondern eine Richtung. Mehr ganzheitliches Heil-Sein. Das ist mein Ziel.

Anders ausgedrückt: Ich möchte mich nicht so sehr auf Gesundheit konzentrieren sondern auf mein gesundheitsförderliches Verhalten. Denn Gesundheit kann ich nicht zu 100% unter meiner Kontrolle, aber mein Denken und Verhalten kann ich kontrollieren.

Noch anders ausgedrückt: Ich will mich auf den Prozess konzentrieren, nicht auf das Ergebnis.

Deshalb ist mein tägliches Ziel der Prozess selbst und dass ich mich heute in MIR wohlfühle und in mir zuhause bin. Egal, wo wo ich mich auf einer Genesungsreise befinde.

Wie gut ich diesen Prozess hinbekomme, hängt u.a. davon ab, wie langsam ich unterwegs bin. 

Langsamkeit ist ein Schlüssel, um den Prozess zu verbessern.

Meine These und Beobachtung ist, dass alle meine Vorbilder eine gewisse Langsamkeit erlernt haben. Gerade durch diese Langsamkeit haben sie zu sich gefunden, sich mit der Zufriedenheit verbunden und eine gewisse Unabhängigkeit und Weisheit ausgestrahlt. 

Die Stadt ist zu ihnen gekommen! 

Ob Thích Nhất Hạnh, Ram Das, Paramahansa Yogananda, Jesus, Master Chunyi Lin, David R. Hawkins, Eckhart Tolle, Peter Beer, Buddha, Michael Singer oder meine Ehefrau. 

Sie alle erscheinen mir wie eine Stadt, die hell und einladend leuchtet. 

Und bei allen spielt die Langsamkeit eine wichtige Rolle. 

Übrigens sind auch viele Betroffene, die ich interviewen durfte, in mancher Hinsicht Vorbilder. Besonders diejenigen, die heute (ein bisschen oder ganz) anders leben als vorher. 

Sie wollten nicht einfach nur wieder gesund werden, damit sie so weiterleben wie bisher. 

Nein, jetzt leben sie bewusster, heilsamer, unabhängiger, ganzheitlicher, verbundener, zufriedener. Einfach anders. 

Das Gute: Dieses Ziel kann mein heutiger Weg sein. Ich muss nicht darauf warten, dass die Entzündungen weniger werden, meine Entgiftung wirkt oder ich mehr Energie habe.

Ich kann heute schon etwas tun, um dieses Leben zu erfahren. 

Der erste Schritt für mich ist, dass ich meine Perspektive verändere: 

  1. Ich bin auf einer gewissen Reise in eine konkrete Richtung: ganzheitliches Heil-Sein. Das ist meine metaphorische Stadt.
  2. Aber ich suche dieses Glück nicht in einer konkreten Stadt, einem weit entfernten Ort.
  3. Viel wichtiger fürs Heil-Sein ist der Weg selbst, der Prozess.
  4. Deshalb will ich so unterwegs sein, dass die ‚Stadt‘ mich findet, nicht andersherum. 
  5. Meine Reise verläuft also nicht nach vorne, sondern nach innen.
  6. Das Geheimnis liegt dabei in der Geschwindigkeit.

Und woran merke ich, dass ich dabei Fortschritte mache?

Persönlich merke ich es z.B. darin, wie getrieben und unruhig ich mich fühle.

Es gibt Phasen, da verschlinge ich mehre medizinische Bücher gleichzeitig und suche nach weiteren Stellschrauben, um schneller Verbesserungen zu spüren.

Meine äußeren Aktivitäten in Kombination mit den inneren Emotionen zeigen mir ganz deutlich, wenn ich meine Pferde zu stark antreibe.

Ein weiteres Messinstrument sind meine Gedanken. Oh mensch, meine Gedanken können extrem schnell unterwegs sein.

Während ich die Zähne putze, bin ich gedanklich schon beim morgigen Podcast-Interview.
Beim Tee kochen grüble ich darüber nach, wie es mir wohl nächstes Jahr um diese Zeit geht.
Und beim Spazieren im Park mache ich Pläne, was ich gleich zuhause tun werde.

Am schlimmsten ist, wenn die Gedanken nicht mal positiv sind, sondern meine Angst oder Unruhe verstärken. Und das tun die meisten der vorauseilenden Gedanken.

Vorauseilende Gedanken erhöhen die Geschwindigkeit und füttern die Angst. Beides hindert mein Heil-Sein.

Woran merke ich also, dass ich Fortschritte in die richtige Richtung mache? Indem ich viel mehr im Hier und Jetzt bin. Wenn ich Tee koche, dann koche ich Tee. Beim Zähneputzen bleibe ich gedanklich im Badezimmer. Im Park genieße ich den Park und nehme alles bewusst wahr.

Der Artikel würde den Rahmen sprengen, aber ich muss es trotzdem erwähnen:

Dieses Hier & Jetzt ist ganz oft die Lösung, aber nicht immer.

Wenn die Schmerzen zu stark sind und ich gerade körperlich wirklich leide, dann ist die Lösung nicht immer, im Hier zu verweilen und das Jetzt noch bewusster wahrzunehmen. Dann will ich natürlich schnell raus aus dieser körperlichen Verfassung.

Für solche schweren Situationen gibt es andere Möglichkeiten, die aber nicht Thema dieses Textes sind. Zum Beispiel der Notfallkoffer bei einem Crash.

Hier geht es grundsätzlich um unsere Genesungsreise. Nein, es geht um mehr, nämlich um einen Lebensstil. Um eine besondere, sehr kostbare Art, das Leben zu gestalten.

Und diese Gestaltung hat viel mit Geschwindigkeit zu tun.

Deshalb ist die zweite wichtige Frage so wichtig: 

Frage 2: Bin ich gerade in einer für mich guten Geschwindigkeit unterwegs und was bedeutet das konkret? 

Hierzu ein paar Gedanken meinerseits. 

Dabei ist gar nicht so wichtig, was mir gerade im Kopf durchgeht. Viel mehr möchte ich dich einladen, dir deine eigenen Gedanken zu machen und zu überlegen, was deine Schlaglöcher und deine Geschwindigkeit für dich bedeuten können. 

Aber als Inspiration hilft vielleicht zu lesen, was ich dazu denke. 

Was macht Geschwindigkeit eigentlich aus?

Ein Merkmal von Geschwindigkeit ist, dass ich immer nur ganz kurz an einem Ort bin. 

Kaum habe ich Meter 200 erreicht, bin ich auch schon auf Meter 210, 220, 230. 

Je kürzer die Verweildauer an einem Ort, desto schneller die Geschwindigkeit. 

Das können wir gut bei den alten Bahnhofsuhren erkennen: 

Der Sekundenzeiger ist die ganze Zeit durchgelaufen und hat innerhalb einer Minute eine Runde gedreht. 

Der Minutenzeiger hat bei jeder Minute 60 Sekunden angehalten und ist erst dann zur nächsten Minute gesprungen. Durch diese vielen Pausen ist er 60x langsamer. 

Bei anderen Uhren bleibt der Minutenzeiger vielleicht nicht stehen, aber er ist eben so langsam, dass es fast wie Stillstand aussieht. 

Auf jeden Fall braucht er für jeden Streckenabschnitt 60x länger als der Sekundenzeiger. 

So auch wir, wenn wir in irgendeiner Weise unterwegs sind. Ob metaphorisch oder ganz praktisch. 

Eine hohe Geschwindigkeit bedeutet, dass meine Aufmerksamkeit immer nur für kurze Zeit auf einer Sache liegt. 

Die Landschaft fliegt an mir vorbei. 

Bei einer metaphorischen Reise kann die schöne Landschaft verschiedenes bedeuten: schöne Momente, berührende Begegnungen, neues Wissen und Erkenntnisse, Ausprobieren von neuen Nahrungsergänzungsmitteln oder Therapien.

Oder einfach nur die vielen wunderbaren Dinge des Alltags, die für uns so normal geworden sind. Ganz nach dem Motto: „Betrachte alles so, als würdest du es zum ersten Mal oder zum letzten Mal sehen.“ Wenn wir dies tun, dann wird vieles wieder wunder-bar.

Langsamkeit zeigt sich dadurch, dass ich meine Aufmerksamkeit länger und auch bewusster auf eine Sache richte. 

Dass ich nicht gleich zum nächsten Versuch und zur nächsten Therapie springe. 

Dass ich also viel länger und auch bewusster im JETZT verweile. 

Was könnten dabei meine metaphorischen Schlaglöcher sein? 

Erst mal: Auf Schlaglöcher, die sich auf meinem Lebensweg befinden, habe ich keinen Einfluss. 

Ja, ich kann beim Autofahren die Strecke bestimmen, die am besten ausgebaut ist. Aber im wahren Leben weiß ich nie, wo sich wie viele Schlaglöcher befinden. 

Dies erinnert mich an meine Zeit im Libanon. Das Autofahren war zumindest vor 25 Jahren immer hoch spannend. Sogar auf Autobahnen konnten metertiefe Schlaglöcher sein. Also musste ich immer damit rechnen und entsprechend vorsichtig fahren. 

Und solche Schlaglöcher können im wahren Leben vielfältig sein. 

Zum Beispiel die Reaktion der Ärztin oder wie mein Umfeld mit mir umgeht oder ob mir das Wetter heute zu schaffen macht.

Aber auch, wie groß meine Blase ist und wie oft ich auf Toilette muss. Oder wie gut bestimmte Therapien bei mir anschlagen. 

Viele solcher Dinge kann ich vielleicht etwas mit beeinflussen, aber wirklich nur bedingt. Bei einer kleineren Blase wäre es z.B. keine Option, weniger zu trinken. Denn Dehydration ist gar nicht gut!

Es sind alles mögliche Schlaglöcher, die meine Kutsche (mich selbst) ziemlich belasten können. 

Aber trotzdem kann ich einiges beeinflussen:

Ich kann vorsichtiger und langsamer an diese Schlaglöcher heranfahren. 

  • Für den Arztbesuch kann es heißen, mich mental darauf einzustellen und an den Tagen davor und danach keine weiteren Termine zu haben. 
  • Bei neuen Therapien oder Versuchen kann es bedeuten, dass ich erstens nicht allzu hohe Erwartungen habe. Denn je höher die Erwartung, desto tiefer das potentielle Schlagloch. Und zweitens kann ich mir viel mehr Zeit lassen und nicht zu schnell zum nächsten Versuch übergehen.
  • Bei schwer Betroffenen kann das Pinkeln schon wie ein Schlagloch wirken. Hier könnte ich das Schlagloch am besten umfahren, indem ich mich z.B. bewusst vorher und nachher wieder liegend ausruhe. 

Übrigens sind alle meine Impulse immer nur Gedankenanstöße und Sprungbretter. Sie sollen dazu anregen, eigene Gedanken anzustoßen und ins eigene Becken der Ideen zu springen.

Denn jede Situation ist so anders. Wie du Langsamkeit für dich definierst und wie du deine eigenen Schlaglöcher umfährst, das kannst nur du sehen und durchdenken.

Aber trotzdem können Impulse anderer helfen, nicht wahr?

Deshalb noch mal zur Geschwindigkeit.

Wie kann ich meine Geschwindigkeit drosseln?

Zum Beispiel durch mehr und längere Pausen. 

Der beste Geschwindigkeits-Regler: Kleine Pausen

Früher in der Schulpause sind wir immer fröhlich auf den Schulhof gerannt und haben gespielt. Pause hieß also nicht, nichts zu tun. Sondern etwas anderes zu tun. 

Und so bedeutet Pause auch für mich, etwas anderes zu tun. 

  • Beim Spazieren viele kleine Pausen mit einem Campinghocker machen. 
  • Beim Zähneputzen die Arme wechseln und ihnen regelmäßig eine Pause gönnen. 
  • Beim Lesen öfters eine Pause machen und darüber nachdenken statt von einem Gedanken zum nächsten zu rennen. 
  • Meinen Emotionen eine Pause gönnen, indem ich bestimmte Übungen mache oder mich ablenke. 
  • Beim Schreiben eine Pause machen und einige Minuten durchs Fenster schauen und die Wolken beobachten. 
  • Überhaupt Pausen verlängern, indem ich das HIER und JETZT bewusster wahrnehme. Den Blick durchs Zimmer schweifen lasse und so schaue, als würde ich alles zum ersten Mal sehen. 
  • Am Ende des Tages noch mal die schönen Momente durchleben lässt mich in gewisser Weise doppelt so lange am selben Ort verweilen.

Und während ich mir solche Ruhe-Momente gönne oder mal länger auf einem Gedanken rumkaue, sprießen neue Fragen in mir auf. 

Ich frag mich z.B., ob meine Fatigue+ vielleicht ein Fingerzeig des Lebens ist, generell die Lebensgeschwindigkeit zu reduzieren. 

Vielleicht sind viele Schlaglöcher extra da, um mich zur Langsamkeit zu zwingen?

Und vielleicht liegt das Glück und das Heil-sein generell nie vor uns, sondern rennt hinter uns her? Wir müssen also langsamer werden, damit es uns einholt?! 

Oder eben noch besser: Die ersehnte Stadt ist nicht im Außen zu finden, sondern in mir selbst?!

  • Vielleicht kann ich aus dieser verdammten Fatigue+ doch mehr ziehen, als ich je für möglich gehalten hätte?
  • Vielleicht waren meine letzten Jahre Hölle doch nicht umsonst? 
  • Vielleicht lerne ich dadurch Lebensweisheiten, die ich sonst nie gelernt hätte? 
  • Und vielleicht wird mein Leben langfristig reicher und wertvoller als ohne diese Fatigue+? 

Vielleicht, oder?

Egal, ob diese Fragen mit ja oder Nein beantwortet werden:

Langsamkeit wird mir in meiner Erkrankung auf jeden Fall helfen. 
Langsamkeit kann mein Leben enorm bereichern.
Langsamkeit führt mich zu mir selbst.

Langsamkeit fördert Heilung.

Und die Geschichte von Till Eulenspiegel erinnert mich daran. 

Danke Till, für deine Weisheit! 

PS: Dieser Artikel ist ein Zusatz zur Podcast-Serie: Energie-Minimalismus. Wie wir unsere Energie bestmöglich nutzen und sparen können.


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4 Kommentare

  1. Lieber Johannes,

    Ein wahnsinnig toller, faszinierender und inspirierender Text.
    Auch mir ist aufgefallen, dass vielen Genesungsberichten die Entschleunigung, die Achtsamkeit zugleich ist.
    Ich gebe dir Recht, dass diese Lektion ohne unsere Erkrankung sicher niemals bei mir angekommen wäre und mit Sicherheit unser weiteres Leben bereichern kann.

    Lieben Dank für deine tolle Arbeit,
    Katharina

    1. Vielen Dank, liebe Katharina, für dein Feedback. Auch wenn ich immer wieder in alte Muster falle, so lerne ich es zumindest immer mehr, dass Entschleunigung das Leben sehr bereichern kann. Viele Grüße!!!

  2. Lieber Johannes, danke, dass wir teilhaben dürfen an deinen Gedanken. Wenn ich nach einem Wort suche, um dein Wirken (Podcast und Fasy.Mail) zu beschreiben, dann fällt mir ‚großherzig‘ als erstes ein. Du schenkst deinen Hörern und Lesern so viel von deiner Zeit und deiner Energie -und gerade von letzterer hast du ja nur ein so begrenztes Maß zur Verfügung. Ich hoffe, dass du dich an nicht so guten Tagen immer wieder daran erinnerst, wieviel Hilfe, Hoffnung und Zuversicht du gibst, und das ist etwas so Wertvolles, -von Herzen vielen Dank dafür!
    Das Thema Langsamkeit entdecke auch ich in dieser Zeit ganz neu. Was war ich früher immer stolz, dass ich so viele Dinge parallel erledigen konnte. In den letzten 5 Minuten vor einem Termin habe ich noch sooo viel geschafft. Effektiv sein – daran hatte ich viel Freude – und oft vermisse ich es jetzt sehr. Aber ich bekomme gerade eine Ahnung davon, dass es meinem Körper nicht immer gut getan hat, – vor allem, weil ich vergessen habe, ihm zwischendurch „richtige Pausen“ zu geben. Ich lerne durch die Krankheit gerade so viel, was mir sonst verborgen geblieben wäre. Gern würde ich auf diese schwierige Zeit verzichten, doch manchmal frage ich mich, ob es nicht ein deutlicher Wegweiser ist, manche Dinge anders zu machen als vorher. Eigentlich bin ich ganz sicher, dass es einiges gibt, was ich ändern will und ich habe schon damit begonnen. Übrigens habe ich ja vor drei Jahren eine Geschichte geschrieben, (ohne zu ahnen, dass ich mir damit selbst einen guten Rat geben werde – Das Märchen vom kleinen Jetzt) Dieses Büchlein, du kennst es schon, erinnert mich so oft daran, immer wieder kurz innezuhalten und auf den Augenblick zu schauen, den ich gerade erlebe. Trotz ganz viel Verzweiflung, Angst, Schmerzen und Schwäche ,entdecke ich dabei auch viele schöne Momente.
    Ich wünsche dir und allen Betroffenen, dass wir lernen, uns die Langsamkeit zum Freund zu machen.Ich spüre es gerade bei vielen Alltagstätigkeiten, dass mir das enorm hilft. Und ich wünsche uns allen, dass uns unser Körper auch wieder einmal eine energiegeladene Zeit schenkt, die wir richtig genießen können. Herzliche Grüße, Eva.

    1. Liebe Eva, deine Worte sprechen mir aus der Seele. Wir scheinen uns da sehr ähnlich zu sein. Und dein tolles Märchen vom kleinen Jetzt erinnert uns daran, dass die Langsamkeit eine ganz wertvolle Freundin sein will. Gerade habe ich einen englischen Newsletter gelesen, den ich abonniert habe und der mir immer gute Impulse liefert. Darin schreibt er, dass Ruhe und Pausen (auf Englisch: rest) nicht nur Margaritas am Strand oder Schaumbäder sind, sondern eine Notwendigkeit, um ein gutes Leben kreativ zu gestalten. Und das wünsche ich uns allen Betroffenen, dass wir den „Feind zu unserem Freund machen“ und die Erkrankung als Coach nutzen, um das Leben reicher und für uns angepasster zu gestalten. Danke, Eva, für deine ermutigenden Worte.