Therapieplan nach Prof. Dr. Dr. Simon / Sportambulanz Mainz

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Es gibt diese eine Sache, die mich immer mal wieder zurückwirft. 

Die Überforderung. 

Obwohl ich es in dem Moment einfach nicht gefühlt habe. 

Letztens ging es mir beim Spazieren so gut, dass ich eine größere Runde spaziert bin. 

Im Treppenhaus habe ich dann noch den Nachbar getroffen und hab mich im Sitzen länger unterhalten. 

Und immer noch ging es mir gut. 

Doch am nächsten Tag klopften wieder viel mehr Symptome an die Tür und haben mich über eine Woche lang besucht. 

Die kleine Pflanze Johannes war wieder etwas eingeknickt. 

Es ist zum Verrückt werden! 

Aber ich gebe nicht auf. Und Du auch nicht, oder? 

Denn es gibt so viele, die ihre kleine Pflanze wieder größer und stärker gepflegt haben. 

Zum Beispiel mithilfe von Prof. Dr. Dr. Simon. Er kennt sich wirklich aus und hat schon viele hundert Patienten mit ME/CFS oder Long Covid untersucht und therapiert. 

Die Episode 90 mit ihm ist übrigens mit Abstand die meist gehörte bei Fasynation. 

Und jetzt kommt’s. 

Eine liebe Person aus der Fasy-Gemeinschaft war bei Prof. Dr. Dr. Simon in der Sportambulanz und hat sich durchtesten lassen. Sehr zu empfehlen, wie sie sagt. Und er hat ihr einen Therapieplan mitgegeben, den sie mir weitergeleitet hat. Der Plan kursiert wohl öfters im Netz, deshalb ist er kein Geheimnis. Und doch ist wichtig: Er ist für die Patientin zugeschnitten. Bestimmt bekommen andere, die fitter sind, eine etwas andere Version. 

Der Plan ist also keine 1:1 Vorlage für jeden von uns, aber ein hervorragendes Grundgerüst, um unsere erschöpfte ‚Körper-Pflanze‘ wieder vorsichtig gesund zu pflegen. 

Für manche heißt es, den Plan noch vorsichtiger und noch weniger zu machen. Andere können vielleicht schon im Minutentakten oder noch längeren Zeit-Einheiten vorgehen. 

Therapieplan nach Prof. Dr. Dr. Simon / Sportambulanz Mainz

Noch einmal: Der Plan ist nur ein Beispiel, wie die vorsichtige Therapie aussehen kann. Ich (Johannes) bin beim Spaziergehen z.B. noch vorsichtiger, setze mich öfters auf meinen Campinghocker. 

Dauerbelastungen: Belastungen, die länger als 30 Sekunden dauern, zählen als Dauerbelastung. Diese sollten vermieden werden, um auf die Atmung achten und frühzeitig Veränderungen der Symptome erkennen zu können. 

Emotionale, kognitive und physische Belastung: Emotionale, kognitive und physische Belastungen sind aus energetischer Sicht gleichwertig. Bereits kognitive Aufgaben und emotionale Situationen können zu Überforderung führen. 

Herzfrequenzschwankung: Durch abwechselnde Belastung und Entlastung (intervallförmig) sollte die Herzfrequenz steigen und in der Pause um mindestens 5 Schläge pro Minute sinken. Wenn dies nicht innerhalb von 30 Sekunden passiert, sollte die Pause auf maximal 60 Sekunden verlängert werden. 

Spaziergang: Zwei Mal pro Woche sollte ein Spaziergang mit Intervallen von 15-25 Sekunden schnellem und 45-35 Sekunden langsamem Gehen durchgeführt werden. In der langsamen Phase schlurfend gehen und die Hände in die Jackentaschen stecken. 

Nach zehn Wiederholungen folgt eine zweiminütige Sitzpause; je nach Wohlbefinden kann eine weitere Serie durchgeführt werden, schrittweise Steigerung auf bis zu drei Serien. 

Lagewechselübungen: Ein bis zwei Mal täglich für etwa 15 Minuten symptomgeleitet (bis es kribbelt, kalt wird oder schmerzt bzw. schwindelig wird, jedoch maximal 30 Sekunden, danach 30 Sekunden Pause in der Ausgangslage). 

  • Im Liegen: Arme hochheben, Beine hochlagern, auf die Seite drehen, Körper aufrichten.
  • Im Sitzen: Arme hochheben, Beine hochlegen, aufstehen (bei unsicherem Stand wieder hinsetzen). 
  • Im Stehen: Gehen 15-30 Sekunden dann hinlegen 45-30 Sekunden, 10x, täglich. 

Steigerung der Intensität: Die Belastungsdauer von 15-25 Sekunden, gefolgt von 45-35 Sekunden aktiver/passiver Entlastung, bleibt immer gleich. Die Intensität kann angepasst werden durch: 

  • Steigerung der Intensität innerhalb der 15-25 Sekunden Belastungszeit 
  • Steigerung der Intensität innerhalb der 45-35 Sekunden Entlastungszeit 
  • Erhöhung der Anzahl der Intervalle Wichtig ist, dass die Atmung immer unter Kontrolle bleibt und die Herzfrequenz in der Entlastungsphase um mindestens 5 Schläge pro Minute sinkt. Andernfalls sollte die Pause verlängert werden. 

Feinmotorik und Aktivitäten über Herzhöhe: Tätigkeiten über Herzhöhe [wie Haare waschen, Gesicht waschen, telefonieren) und feinmotorische Arbeiten (wie Tippen, Schneiden, Schälen, Stricken) sollten maximal 10-15 Sekunden dauern, gefolgt von 50-45 Sekunden Pause. 

Stabilisierende Tätigkeiten: Diese sollten nicht unterschätzt werden. Durch Anlehnen kann der Oberkörper besser stabilisiert und entlastet werden. Eine gute Sitzposition im Auto, Zug oder Bus ist wichtig, um wenig zu schwanken.

Stressoren reduzieren: Stressoren können durch das Tragen von Ohrstöpseln (beim Einkaufen oder Autofahren) und Gamerbrillen mit UV und Blaulichtfilter (bei Aktivitäten im Garten und Autofahren) reduziert werden. 

Ganzkörperdehnung: Alle 15-20 Minuten sollte man sich für etwa eine Minute dehnen und strecken, dabei die Muskeln kurz anspannen (2-3 Sekunden), Ein Timer im Handy kann daran erinnern. (z.B.  Gymboss Charge Intervall-Timer und Stoppuhr, Amazon etwa 28€) 

Atemübung – Lufthunger nach Prof. Simon

Täglich 2-3x durchführen 

  • Basis-Atem-Schema:: 4-5 Atemzüge vollständig ausatmen & halten; immer nur bis in Atemmittellage einatmen 
  • Bei Verspüren von zu großem „Lufthunger” > 1x tiefe Bauchatmung. 

Variationsmöglichkeiten: 

  1. Häufigkeit des Basis-Atem-Schemas erhöhen/reduzieren 
  2. Anzahl an Atemzügen des Basisatemschemas erhöhen/reduzieren
  3. Post-expiratorische Pause erhöhen/reduzieren 
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12 Kommentare

  1. Hallo Johannes!
    Ich wuerde gerne in die Muettergruppe eingeladen werden. Ich habe drei Kinder .
    Vielen Dank und Viele Gruesse,
    Kathrin

  2. Hallo Johannes,
    weißt du, wie hoch der Puls während der Belastung gehen darf? Unbegrenzt, Hauptsache er geht wieder runter, oder nicht höher als der berechnete höchste Puls? Ist entscheidend der Puls am Schluss der kompletten Übung oder der während bzw. nach jeder einzelnen Einheit z.B. 30 Sekunden Gehen? Diese Fragen stelle ich mir schon so lange wie ich von dem 30:30 Sekundentraining weiß.
    LG Dörte

    1. Hallo Dörte,
      gute Frage. Ich glaube, da sind sich nicht alle einig. Prof. Simon möchte ja, dass der Puls kurzfristig schon recht hoch geht. Andere sagen, dass (aber außerhalb eines Trainings) der Puls nicht länger als eine Minute über folgende Formel geht: (220-Alter) x 0,6. Das sind mit meinen 52 Jahren 100,8. Aber wenn ich mich betätige, dann geht er auch schon mal auf 120 oder etwas höher. Aber bestens immer nur einige Sekunden. Beim Gehen achte ich darauf, nur kurz und nur etwas über die 100,8 zu kommen, max 110. Ich hoffe, das hilft etwas? LG

  3. Hallo Johannes,
    ich habe so meine Mühe den Text mit den Anweisungen zu verstehen und habe lauter Fragen im Kopf. Gibt es denn irgendwo eine Anleitung, einen Ursprungstext oder hast du dir das selbst zusammen gestellt?
    Vielen Dank!

    1. Hallo Anika,
      verstehe ich, wenn die diese Anleitung für dich mehr Erklärung braucht. Sie wird von Prof. Simon oder den Mitarbeitern immer persönlich mit den Patienten besprochen. Weil man sie mir nur weitergeleitet hat, kann ich auch nicht mehr dazu schreiben. LG

      1. Danke für die Rückmeldung, Johannes :)
        Es ist ja wirklich zum Heulen, wenn du im Norden wohnst – hier gibt es einfach keine wirkliche Hilfe, kaum Fachleute und eine Fahrt schaffe ich leider nicht.

  4. Und was mir noch aufgefallen ist, ist die Pulsformel, die auf anderen Websites als veraltet gilt. Besser wäre wohl der Ruhepuls, morgens über 7 Tage gemessen, und dann der Durchschnitt + 15, als Wert zu nehmen und diesen nicht länger als zwei Minuten zu überschreiten. Ich versuche da gerade drauf zu achten, das ist kaum umsetzbar für mich.

  5. Wer glaubt, dass Training mit Steigerung bei MECFS helfen kann, hat die Krankheit nicht verstanden. Letztlich ist es eine Form von GET, wenn auch auf sehr niedrigem Niveau.

    1. Ich glaube, bei der Methode geht’s nicht um Steigerung, sondern darum, durch regelmäßige Pausen unter der muskulären Belastungsgrenze zu bleiben (also sich beizubringen, Tätigkeiten zeitl. zu begrenzen und Pausen zu machen). Dadurch soll irgendwie das Gefäßsystem neu lernen https://www.youtube.com/watch?v=yTUcYYCbgKo . Soweit ich verstehe, kann sich eine Steigerungsmöglichkeit dann mit der Zeit von alleine aus dem Erholungseffekt ergeben. Ist vlt. nicht die beste Wahl, die Methode Training zu nennen, wenn sie mehr daraus besteht, sich im ständigen Pausemachen und dem Aufteilen von Tätigkeiten in „Mikro-Häppchen“ zu „trainieren“ :-).

  6. Ich bedanke mich sehr für diesen Artikel, bzw. das Vorstellen dieses Therapieplans!
    Heute Nacht kann ich wieder schlafen!
    Das meine ich ernst, da ich wirklich sehr verzweifelt war, wie es weitergehen könnte mit mir, Stichwort ME/CFS.

    DANKESCHÖN!!

  7. Hallo liebe Fasy-Gemeinde, ich bin neu hier und gerade auf das 30-Sekunden-Training gestoßen. Das Prinzip ist überzeugend – ich bin nur gerade überfordert wo ich anfangen soll bzw wieviel ich mir insgesamt zumuten sollte. Vor 10 Tagen hatte ich einen großen PEM-Crash, bin jetzt stark eingeschränkt und weiß nicht wie viel ich meinem Körper zumuten kann. Meine orthostatische Intoleranz ist schlimmer geworden, gerade morgens habe ich im Sitzen schon über 100 Schläge/Minute. Treppen sind jetzt ein echtes Hindernis!
    Ein individueller Plan zum Starten wäre jetzt toll. Müsste man da jetzt persönlich zu Dr Simon (wäre evtl machbar, sind ca 100km von mir aus) oder gibt es vielleicht auch Physiotherapeuten die sich damit auskennen? Oder gibt es Orientierungspunkte wie ich damit selber loslegen kann?