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Vom Pflegefall zum Bergsteiger: Die bewegende Geschichte des Norwegers Jan Even

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Dieser Text ist aus dem Englischen übersetzt, und zwar von einem Erfahrungsbericht der Webseite RecoveryNorway.

Dort findest du ca. 80 Berichte von Menschen, die unter ME/CFS litten und wieder genesen sind. Bevor du diese Geschichte liest, möchten wir eine wichtige Vorbemerkung machen:

Die meisten Geheilten, die auf RecoveryNorway ihre Geschichte erzählen, sind durch den Lightning Process gesund geworden – eine Therapie, die für viele Menschen echte Heilung gebracht hat. Genauso aber auch eine Therapie, die in der ME/CFS-Community skeptisch betrachtet wird.

Da wir auf dieser Webseite Fasynation bewusst die unterschiedlichen Behandlungsmöglichkeiten, Theorien und Therapieformen aufzeigen wollen, soll auch der Lightning Process (LP) und entsprechend mutmachende Erfahrungen genannt werden.

Denn egal, wie wir über den Lightning Process denken – diese Geschichte und auch andere Geschichten auf der Webseite sind allemal bewegend.

Übrigens – die Krankheit wird hier meist ME, also Myalgische Enzephalomyelitis genannt.

Vom Pflegefall zum Bergsteiger: „Vier Jahre lang lag ich völlig hilflos und bewegungslos im Bett“

Von Jan Even Raastad

Meine Verzweiflung war überwältigend. Die Ärzte machten mir keine Hoffnung, dass ich mich von ME erholen könnte. Im Gegenteil, ich erinnere mich, dass ein Spezialist sagte: „Sie müssen sich hinlegen und ausruhen, vielleicht für den Rest Ihres Lebens.“

Ich hatte ein tolles Leben! Ich war 33 Jahre alt, mein Job als Bauingenieur im Baugewerbe machte mir wirklich Spaß, und ich hatte eine wunderschöne Freundin, in die ich sehr verliebt war. In meiner Freizeit war ich gerne mit meiner Freundin zusammen, traf mich mit meinen Freunden und verbrachte viel Zeit mit Klettern, Touren in den Bergen und Skifahren.

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Ich war auf unzähligen Gipfeln in Norwegen gewesen, hatte viele Expeditionen in hohe Berge im Ausland unternommen und hatte eine lange Liste von Plänen. Ich fühlte mich stark, und mein großes Ziel war es, mit einem Freund den Gipfel des Mount Everest zu erreichen.

Ironischerweise haben wir ihn mit „ME“ abgekürzt, im Deutschen also ICH.

Obwohl ich sehr fit war, hatte ich einige gesundheitliche Probleme. Mit 19 Jahren wurde bei mir Colitis Ulcerosa diagnostiziert. Das war 1988. Außerdem hatte ich Asthma und Allergien. Damals wurde meine Colitis Ulcerosa mit Sulfasalazin behandelt. Das hatte eine gute Wirkung auf mich, und ich merkte viele Jahre lang wenig von der Krankheit.

Bis etwa zum Jahr 2000 ging es mir trotz dieser Diagnosen sehr gut, doch dann bekam ich zunehmend schwerere Atemwegsinfektionen, die lange andauerten und zu vielen Lungenentzündungen führten. Mehrmals brauchte ich eine antibiotische Behandlung.

Auch die Medikamente, die die Colitis Ulcerosa in Schach hielten, wirkten nicht mehr. Also wurden neue Medikamente ausprobiert, die leider auch nicht gut wirkten. Ab dem Jahr 2000 habe ich in meinem Tagebuch vermerkt, dass der Magen-Darm-Spezialist im Krankenhaus mir eine Behandlung mit Prednison (Kortison) verordnete. Glücklicherweise wirkte dies sehr gut auf die Entzündung in meinem Dickdarm, und ich musste dieses Medikament mehr und mehr anwenden.

Doch im Herbst 2002 erlebte ich einen weiteren starken Anstieg der Entzündungsaktivität in meinem Dickdarm, zusätzlich zu schmerzhaften Wunden in meinem Mund. Ich erhielt erneut eine hohe Dosis Prednison.

Wie alles schlimmer wurde

Dann änderte sich alles plötzlich und brutal: Im Januar 2003 bekam ich eine Virusinfektion und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Zehn Tage lag ich im Krankenhaus, während die Krankheit meinen Körper heftig verwüstete.

Ich hatte hohe Infektionsparameter im Blut, hohes Fieber, starke Muskelschmerzen, erhebliche Atemprobleme und große Wunden in Mund und Rachen, die es mir fast unmöglich machten, zu essen. Es war unwirklich zu erleben, wie mein starker Körper plötzlich so schwach wurde, dass ich kaum noch die wenigen Meter von meinem Bett zur Toilette und zurück gehen konnte.

Nach meiner Entlassung aus dem Krankenhaus war ich eine Woche lang krankgeschrieben. Als die Woche vorbei war, fühlte ich mich immer noch furchtbar krank und schwach, aber ich ging gewissenhaft zur Arbeit. Es gab so viel nachzuholen und so viel, wofür ich mich an meinem Arbeitsplatz verantwortlich fühlte. Ich hielt drei Stunden lang durch, bevor ich nach Hause und ins Bett musste. Ich war völlig erschöpft.

Aber da der Arzt gesagt hatte, dass eine Woche Krankschreibung ausreicht, vertraute ich darauf und drängte mich auch am nächsten Tag zur Arbeit. Doch am Schreibtisch wurde ich ohnmächtig und der Chef schickte mich mit einem Taxi nach Hause. Ich war sehr blass und hatte einen kalten Schweißausbruch und eine Herzfrequenz von über 100 im Ruhezustand.

Dies war mein letzter Arbeitstag für viele Jahre.

Im Frühjahr (2003) war ich wieder im Krankenhaus. Es gab viele Schübe des Virus und die Krankheitssymptome hielten an, während ich allmählich immer erschöpfter und ausgezehrter wurde und natürlich auch besorgt, ängstlich und frustriert war.

An einem „guten Tag“ konnte ich einen kurzen Spaziergang machen oder meine Freundin oder einen Freund besuchen, aber jede Aktivität machte mich in der Regel noch tagelang kränker und schwächer.

Im Juni verschrieb mir der Spezialist neben Imurel/Azathioprin und starken Schmerzmitteln auch 60 mg Prednison. Ich nahm über einen Monat lang täglich 60 mg Prednison, verlor eine Menge Muskeln und Gewicht und wurde unglaublich müde. Oft hatte ich das Gefühl, dass mein ganzer Körper vor einem starken Krankheitsgefühl zitterte.

In den nächsten sechs Monaten brauchte ich bei fast allen Dingen des täglichen Lebens Hilfe. Die Tage waren meist ein Kampf, nur um mich zwischen meinem Bett und dem Esstisch (wo mir meine Mutter das Essen servierte) bewegen zu können. Zu mehr hatte ich kaum noch Kraft, meist musste ich mich hinlegen.

Im Januar 2004 wurde ich ins Aker-Krankenhaus verlegt. Der Endokrinologe im Hormonlabor diagnostizierte bei mir eine „steroidinduzierte Nebenniereninsuffizienz“ (Morbus Addison) als Folge der hohen Dosen von Prednison.

Mein Dickdarm wurde durch eine Darmspiegelung untersucht, und er war danach in Remission. Sowohl der Endokrinologe als auch der Magen-Darm-Spezialist meinten jedoch, dass keine dieser Krankheiten erklären könne, warum ich so stark ermüdet war und so viele erhebliche Symptome hatte.

Ich wurde daher von einem Psychiater untersucht, aber es wurde keine psychologische Diagnose gestellt. Ich wurde dann von einem Kardiologen, einem Lungenfacharzt und einem Neurologen untersucht, und schließlich war die Diagnose klar: ME.

Der Endokrinologe sagte, dass ich für den Rest meines Lebens Prednison nehmen müsse, weil meine Nebennieren nicht wieder anfangen würden zu arbeiten. Aber mit der richtigen Dosis sollte ich ganz gut funktionieren können.

Dann flammte die Colitis Ulcerosa wieder heftig auf, und der Spezialist verschrieb Remicade (ein Immunsuppressivum). Schließlich stellte ich fest, dass es meinen Allgemeinzustand etwas verbesserte, aber leider die Entzündung in meinem Dickdarm nicht dämpfte. Ich bekam immer mehr blutigen Durchfall, 8-12 Mal am Tag, und erlebte, dass das Leben buchstäblich aus mir herauslief.

Mein Leben lag auf einer Achse zwischen Krankenhausbett und Toilette. Ich hatte starke Schmerzen im Bauch, wurde zunehmend blutarm und bekam intravenös Eisenpräparate verabreicht.

Im Frühjahr 2004 hatte ich das Gefühl, dass ich in Lebensgefahr schwebte. Ich war sehr gebrechlich und wurde für mehrere Wochen ins Aker-Krankenhaus eingeliefert, wo ich den ganzen Tag im Bett verbrachte. Fieber und das Krankheitsgefühl plagten mich.

Also drängte ich den Arzt, den gesamten Dickdarm chirurgisch entfernen zu lassen. Aber der Arzt sagte, er traue sich nicht, eine so umfangreiche Operation durchzuführen, weil er befürchte, dass ich sie wegen meiner extremen Müdigkeit nicht überleben würde.

Im Dezember 2004 wurde mein Darm erneut von innen inspiziert, und es sah furchtbar aus. Es gab keinen Ausweg – ich musste operiert werden. Entweder würde ich an einem Dickdarmdurchbruch sterben oder hoffentlich die Operation überleben. Ich wurde kurz vor Weihnachten operiert.

Als ich nach der Operation aufwachte, fühlte ich mich so gut wie schon lange nicht mehr. Es fühlte sich an, als ob alle infektiösen Aktivitäten aus dem Körper entfernt worden wären. Das Fieber, mit dem ich so lange gelebt hatte, war verschwunden, und innerlich war alles ruhiger geworden. Ich war erschöpft, blutarm und hatte starke Schmerzen, aber ich war sehr optimistisch.

Im Februar 2005 reiste ich mit der tatkräftigen Hilfe meiner Mutter nach Gran Canaria, um mich in einer schönen und warmen Umgebung zu erholen. Ich war schwach, aber allmählich ging es mir besser. Ich blieb dort drei Monate lang, ging spazieren und dachte, dass es von nun an nur noch aufwärts gehen konnte. Ich empfand den Stoma Beutel auf meinem Bauch als unproblematisch und war überzeugt, dass die Operation mein Leben gerettet hatte.

Der Sommer zu Hause in Norwegen verlief jedoch ohne weitere Fortschritte.

Ich verfügte über sehr begrenzte körperliche und kognitive Ressourcen. Dann verschlechterte sich 2005 mein Zustand plötzlich. Ich glaube, dass eine Erkältung der Auslöser war.

Erneut gab es eine Reihe von Untersuchungen.

Meine Verzweiflung war überwältigend. Das Gesundheitswesen machte mir keine Hoffnung, dass ich von ME geheilt werden könnte. Im Gegenteil, ich erinnere mich, dass ein Spezialist sagte: „Sie werden sich einfach hinlegen und ausruhen müssen, vielleicht für den Rest Ihres Lebens.“

Ein anderer Spezialist sagte: „Die Prognose ist sehr schlecht, aber Sie können auf eine gewisse Verbesserung über einen langen Zeitraum hoffen“.

Ich erhielt auch eine Broschüre und Informationen von der ME-Vereinigung, und ich fand die Informationen dort furchtbar erschreckend. Es fühlte sich so an, als wäre alle Hoffnung verloren und als müsste ich mich mit der Tatsache abfinden, dass dies mein Leben in der Zukunft sein würde.

Meine Verzweiflung war überwältigend. Der Gesundheitsdienst machte mir keine Hoffnung, dass ich von ME wieder gesund werden könnte.

Die Beziehung zu meiner Freundin endete, und Wandern und Klettern wurden nur noch ferne und unerreichbare Erinnerungen. Ich war ständig bettlägerig und hatte kaum noch die Kraft, zu lesen oder fernzusehen. Ich existierte nur noch und versuchte, die Schmerzen, die Kopfschmerzen, die Müdigkeit, den Gehirnnebel, den Schwindel, die Hitzewallungen, die Schweißausbrüche, das Herzklopfen und all die anderen Symptome zu ertragen, die meinen Körper heimsuchten.

Meine Mutter arrangierte nun alles für mich und hatte Kontakt mit der ME-Vereinigung, wo wir viele Ratschläge bekamen, wie wir die Dinge regeln sollten. Im Jahr 2006 kam sie auch in Kontakt mit dem Arzt, Professor und ME-Experten Ola Didrik Saugstad.

Eines Morgens im Winter 2006 versuchte ich mühsam, aus dem Bett aufzustehen, um auf die Toilette zu gehen. Aber ich war einfach nicht in der Lage, meinen Körper zu bewegen. Ich war zu schwach geworden und fühlte mich völlig kraft- und energielos.

Es war unwirklich und furchtbar beängstigend.

Von da an war ich zu 100 % bettlägerig.

In den folgenden Monaten wurde ich allmählich schwächer und schwächer. Bald konnte ich mich im Bett nicht mehr umdrehen, ich konnte weder essen noch trinken und musste über eine Sonde ernährt werden, und ich konnte kaum noch ein paar Worte flüstern. Außerdem war ich extrem empfindlich gegenüber Licht, Geräuschen und Berührungen. Ich brauchte absolute Dunkelheit und absolute Stille um mich herum.

Im Winter 2007, nachdem ich etwa ein Jahr lang im Dunkeln gelegen hatte, bemerkte ich zunehmende Schwierigkeiten beim Atmen. Ich konnte den Schleim aus meinen Atemwegen nicht mehr abhusten und hatte das Gefühl, zu ertrinken. Es fühlte sich an, als würde ich sterben, und mit großer Anstrengung gelang es mir, meiner Mutter das Wort Krankenhaus“ zuzuflüstern.

Mein Hausarzt, der mich immer sehr genau und gewissenhaft beobachtete, gab mir eine große Dosis Morphium, damit ich mit dem Krankenwagen zur Untersuchung ins Krankenhaus gebracht werden konnte.

Ich blieb zwei Wochen lang im Krankenhaus. Die Spezialisten führten zahlreiche Tests durch und stellten fest, dass ich eine Nasennebenhöhlenentzündung hatte, die sie mit Antibiotika behandelten. Das war die Ursache für meine Verschleimung. Ansonsten fanden sie nichts, was sie behandeln konnten.

Der Krankenhausaufenthalt war für mich eine zu große Belastung, und ich wurde durch den Aufenthalt noch mehr geschwächt. Die Spezialisten, die mich untersuchten, sagten meiner Mutter, ich sei so schwach, dass ich höchstens noch zwei Wochen zu leben hätte.

Die nächsten vier Jahre lag ich völlig hilflos und unbeweglich im Bett.

Mit Sondenernährung.

In völliger Dunkelheit.

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Mein Zimmer war dunkel und schalldicht, außerdem hatte ich eine Maske über den Augen und einen Gehörschutz. Ich konnte nicht das geringste Licht oder Geräusch ertragen, nur minimale Berührungen. Ich konnte nicht sprechen, keine Nahrung schlucken oder meinen Körper bewegen.

Es gelang mir kaum, einen Finger zu bewegen. Essen und Trinken kamen durch die Sonde herein, und was herauskam, wanderte in den Stoma Beutel an meinem Bauch.

Allein die Tatsache, dass jemand in meinem Zimmer war, war extrem anstrengend. Ich war überempfindlich gegenüber allen Reizen. Schon der kleinste Lichtblitz verursachte einen extremen Schmerz, und dann wurde ich ohnmächtig. Deshalb habe ich vier Jahre lang kein Gesicht mehr gesehen.

Der Schmerz tobte durch meinen Körper und meinen Kopf, und die Grippesymptome waren furchtbar. Es fühlte sich an, als ob die Notfallreaktion meines Körpers ständig in höchster Alarmbereitschaft war und das gesamte Abwehrsystem in meinem Körper stark aktiviert war.

Jeder Atemzug war ein Kampf, ich atmete nur noch ganz oben auf der Lunge, weil es mir zu anstrengend war, meine Lungen zu füllen. Deshalb hatte ich das Gefühl, dass ich immer zu wenig Sauerstoff hatte, als würde ich ertrinken.

Phasenweise musste ich mich mit Sauerstoff versorgen. Ich erlebte meine Existenz in diesen Jahren als völlig unbedeutend, aber ich war mir meiner eigenen Situation sehr bewusst.

Ich wurde rund um die Uhr von meiner Mutter und einer ausgebildeten Vollzeitkrankenschwester und einer Teilzeithilfskraft betreut. Sie waren fünfmal am Tag in meinem Zimmer, um nur die notwendigste Pflege zu leisten. Außerdem hatte ich einen Alarmknopf, den ich betätigen konnte, wenn ich Hilfe brauchte. Oft hatte ich nicht einmal die nötige Kraft, um diesen Knopf zu drücken.

Oft musste ich meinen Pflegern etwas mitteilen. Aber die einzige Möglichkeit, mich mitzuteilen, waren minimale Fingerbewegungen. Die Krankenschwestern konnten mir eine Frage zuflüstern, und wenn ich meinen Daumen bewegte, bedeutete das ein „Ja“. Wenn ich meinen Zeigefinger bewegte, war es ein „Nein“. Und wenn ich meinen Mittelfinger bewegte, bedeutete das „Ich brauche etwas“.

Dann mussten die Krankenschwestern ihre Fantasie einsetzen und Ja-Nein-Fragen stellen, um herauszufinden, was ich wollte.

Meine Pflegerinnen und Pfleger schrieben in ihr Tagebuch, dass ich einen „guten Tag“ hatte, wenn ich genug Energie hatte, um meine Lippen zu spannen, wenn sie Lippenbalsam auftrugen.

Ich erinnere mich z. B. daran, dass es mir völlig unmöglich war, meinen Arm zu bewegen und zu kratzen, wenn mein Auge juckte. Ich hatte auch eine Uhr für Blinde, die direkt unter dem Zeigefinger meiner rechten Hand angebracht war. Man drückt einen Knopf und eine Stimme sagt einem die Uhrzeit. Nur in seltenen Fällen hatte ich gerade genug Kraft, um den Knopf zu drücken und das Datum und die Uhrzeit zu hören.

Die einzige Möglichkeit war, still zu liegen und das Leiden zu ertragen.

Monat für Monat, Jahr für Jahr.

Selbst aktiv an etwas zu denken, verbrauchte zu viele Ressourcen. Dann konnte ich vor Überanstrengung schnell ohnmächtig werden und in der Folge die Todesangst erleben, nicht mehr atmen zu können.

Die einzige Möglichkeit war, still zu liegen und das Leiden zu ertragen. Monat für Monat, Jahr für Jahr. Das Gefühl der Krankheit überfiel meinen Körper so heftig und die Schmerzen waren so groß, dass ich mich nie entspannt oder ausgeruht fühlte.

Ich brauchte Medikamente, um schlafen zu können. Am Ende wollte ich nur noch weg von all dem Leid und diesem völlig sinnlosen Leben. Außerdem hatte ich ein furchtbar schlechtes Gewissen gegenüber meiner Mutter, von der ich wusste, dass sie ihr ganzes Leben geopfert hatte, um mir zu helfen.

Wenn ich mich auf irgendeine Weise hätte umbringen können, hätte ich es getan. Ich weiß das. Das Leben war zu unerträglich. Aber zum Glück war das nicht möglich. Heute bin ich sehr froh darüber!

Behandlungen

Natürlich wurden unzählige Behandlungen ausprobiert. Der Arzt und Professor Ola Didrik Saugstad besuchte mich von 2006 bis 2009 viele Male, und meine Mutter erhielt viele Ratschläge.

Ich bekam Prednison, intravenöse Kochsalzlösung, B12-Injektionen, starke Schmerzmittel und Schlaftabletten sowie Muskelrelaxantien und krampflösende Medikamente und mehr, aber nichts verbesserte meinen Zustand.

Mit Hilfe von Professor Saugstad engagierte sich der belgische Arzt und Professor Kenny DeMeirleir ab 2008 intensiv für meine Behandlung, und er sah mich über zwei Jahre lang regelmäßig. Er nahm viele Blutproben und probierte viele (teure) Behandlungen aus: viele und lang anhaltende Antibiotikakuren, Antipilzmittel, antivirale Medikamente, Wachstumshormone, Glukokortikoide, Insulin, Schilddrüsenhormone, entzündungshemmende Medikamente, Probiotika und unzählige Nahrungsergänzungsmittel (und mehr). Die Liste ist sehr lang. Auch eine immunsuppressive Therapie wurde ausprobiert.

Die Nebenwirkungen waren oft beträchtlich, so dass ich auch Medikamente erhielt, um die Nebenwirkungen zu lindern. Doch trotz allem, was wir in diesen Jahren ausprobierten, verbesserte sich mein Zustand nicht und ich blieb einfach extrem krank und schwach.

Es war offensichtlich eine enorme Belastung für mich, ein Angehöriger zu sein. Wie meine Mutter sagte: „Jeden Tag, wenn ich in die Dunkelheit ging, um dich zu sehen, wusste ich nicht, ob ich dich tot oder lebendig vorfinden würde.“ Das muss ein enormer Druck gewesen sein, und es ist sehr verzweifelnd, wenn nichts hilft.

Zum Glück hatte ich einen wunderbaren Hausarzt, der mehrmals im Monat Hausbesuche machte. Er war sowohl für meine Mutter als auch für mich eine unglaubliche Stütze. Ich glaube nicht, dass ich heute noch am Leben wäre, wenn meine Mutter nicht all ihre Zeit und Kraft darauf verwendet hätte, mir zu helfen.

Wie es wieder besser wurde

Irgendwann waren alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft und der belgische Professor gab auf. Es gab keine weiteren Behandlungen oder Medikamente, die man ausprobieren konnte. Über Bekannte wurde meiner Mutter eines Tages empfohlen, sich an einen „Energietherapeuten“ zu wenden, der anderen Menschen mit ME geholfen hatte.

Er besuchte mich viele Male und saß still in meinem völlig dunklen Zimmer. Ohne etwas zu sagen oder mich zu berühren. Ich hatte eine Maske und einen Gehörschutz auf und spürte nur, dass er da war.

Ich weiß nicht genau, was er getan hat. Aber ich weiß, dass er auch viele der Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel, die ich nahm, abgesetzt hat. Im Laufe der nächsten Monate ging es mir allmählich etwas besser. Ich bekam etwas mehr Energie und konnte meine Arme bewegen, und ich wurde etwas weniger empfindlich. Das bedeutete, dass ich schließlich ein schwaches Licht tolerierte und sogar ein wenig lesen konnte.

Ich hatte fast vier Jahre lang kein Gesicht mehr gesehen, und so war es unglaublich emotional, nach all den Jahren in völliger Dunkelheit endlich wieder meine Mutter und die Krankenschwestern sehen zu können.

Schließlich konnte ich auch ein paar Nachrichten im Radio hören und an einem „guten Tag“ ein wenig fernsehen. Nicht zuletzt konnte ich mein Gehirn aktiver zum Denken und Träumen nutzen. Aber ich war immer noch völlig an das Bett gefesselt. Ich hatte ein sehr starkes Krankheitsgefühl, war viel zu schwach, um zu essen und konnte nur ein paar Worte flüstern. Der Besuch von Freunden war zu anstrengend.

Die Revolution

Ein weiteres Jahr verging. Eines Tages kam meine Mutter herein und fragte, ob ich das Kapitel über den Lightning Process (LP) im Buch von Live Landmark lesen könnte. Ich las es und entschied mich sofort. „Ich will das!“

Ich hatte schon alles Erdenkliche ausprobiert, und nichts hat mich gesund gemacht, also hatte ich die Einstellung, dass es alles zu gewinnen und nichts zu verlieren gab. Ich war sehr motiviert, gesund zu werden, und ohne viel mehr über die LP zu wissen, sagte ich einfach „ja!“.

Im Spätherbst 2010 kam Live Landmark zu mir nach Hause, wo ich im Bett lag und per Sonde ernährt wurde. Ich weiß nicht mehr, was ich von dem Lightning Process Kurs erwartet hatte. Aber was ich erlebte, übertraf alles, was ich für möglich gehalten hatte.

Ich habe viel gelernt und schon am ersten Tag des Trainings habe ich viel mehr Energie erfahren. Und mit mehr Energie wurde plötzlich das Unmögliche möglich.

Live und ein Medizinstudent halfen mir aus dem Bett und auf die Beine. Mit ihrer Unterstützung stand ich zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder aufrecht. Das fühlte sich völlig unwirklich an, weil ich so oft versucht hatte, mich aus eigener Kraft zu bewegen, aber dann fehlte mir die Kraft dazu.

Jetzt hatte ich Energie, um an diesem ersten Tag des Kurses etwas zu essen – es waren Pizza und eine Cola! Mein erstes Stück Essen seit fast fünf Jahren.

Es war absolut wunderbar, wieder etwas zu schmecken! Ich hatte viel mehr Energie und konnte endlich auch reden. Es gibt viel zu sagen, wenn man jahrelang nicht gesprochen hat.

Am zweiten Tag des Kurses ging es weiter: Ich gewann noch mehr Einsichten und Aha-Erlebnisse, ich schöpfte noch mehr Energie, und der Höhepunkt des Tages war, in einem Rollstuhl nach draußen gefahren zu werden.

Was zwei Tage zuvor noch wie ein völlig unerreichbarer Traum erschien, wurde plötzlich wahr. Es war natürlich sehr anstrengend, aber es ging gut und ich habe es gut verkraftet. Was für ein Erlebnis.

Es hat mich sehr berührt, draußen zu sein und all das zu sehen, was ich so sehr liebe. Ich war so glücklich und optimistisch, dass ich meinen besten Freund anrief, den ich seit fünf Jahren nicht mehr gesehen hatte, und ihn bat, mich zu besuchen.

Er war sehr neugierig, wer ich nach all den Jahren in der Dunkelheit war. Aber wir verstanden uns auf Anhieb. Es fühlte sich an, als wäre es nicht mehr als eine Woche her, dass wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Wir unterhielten uns den ganzen Abend und lachten zusammen, und es war ein wunderbares Gefühl des Glücks.

Am dritten Tag des Trainings konnte ich noch mehr der LP-Techniken anwenden. Ich aß Kuchen und feierte die Fortschritte, die in diesen drei Tagen wirklich überwältigend waren. Es war einfach unglaublich – eine Revolution!

In den folgenden Tagen rissen meine Krankenschwestern alle Schallschutzplatten von den Wänden und der Decke ab, ich wurde im Rollstuhl nach draußen gebracht, ich schaffte es, mich allein anzuziehen. Ich telefonierte mit Freunden und alten Arbeitskollegen, und ich bekam endlich Hilfe beim Duschen. Meine erste Dusche seit fünf Jahren.

Sechs Tage nach dem LP-Kurs zog ich die Ernährungssonde heraus, weil ich bereits normal essen konnte. Ich konnte den ganzen Tag Menschen um mich herum haben. So bekam ich Besuch von Familie, Freunden und ehemaligen Arbeitskollegen. Es war erstaunlich. Ich war auch sehr neugierig auf alles, was in all den Jahren passiert war – es gab eine Menge aufzuholen.

In der folgenden Zeit musste ich immer noch meistens sitzen oder liegen, weil meine Muskeln zu schwach waren, um zu stehen und zu gehen. Ich musste sowohl Muskeln als auch Ausdauer aufbauen, da ich die Fitness eines 100-Jährigen hatte.

Doch jeden Tag übte ich alles, was ich im Kurs gelernt hatte, und ich erlebte, welch enormen Einfluss ich auf mich und meinen Körper habe. Es war eine Menge Arbeit, aber unglaublich motivierend mit all den Fortschritten. Es gab auch Tage, an denen ich das Gefühl hatte, dass es bergab ging, aber ich wurde regelmäßig und auf hervorragende Weise betreut, und Live war immer zur Stelle, wenn ich um etwas bitten wollte oder Anleitung brauchte.

Schließlich bekam ich einen Platz in einem Rehabilitationszentrum und baute meinen Körper allmählich wieder auf. Ich saß immer noch überwiegend im Rollstuhl und hatte immer noch Symptome und Probleme. Es ging auf und ab, aber der Unterschied war, dass ich jetzt wusste, wie ich Einfluss nehmen und etwas verändern konnte.

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Acht Monate nach dem LP-Kurs und nur zwei Monate, nachdem ich den Rollstuhl losgeworden war, unternahm ich eine fünfstündige Wanderung in felsigem Gelände in den Bergen von Jotunheimen.

Es war eine unglaublich schöne Erfahrung, die ich gut vertragen habe.

Jetzt war der Bergsteiger in mir endlich auf dem besten Weg zurück. Es dauerte ein weiteres Jahr mit schrittweisem Muskel- und Ausdauertraining sowie Gleichgewichts- und Koordinationsübungen, bis ich wieder einen 2000 Meter hohen Gipfel in Jotunheimen erklimmen konnte.

Nach all den Jahren im Bett habe ich keine körperlichen Defekte und auch meine Nebennieren funktionieren normal. Ich bin sicher, dass LP mir das Leben gerettet hat.

Wie es mir jetzt geht

Zehn Jahre später: Mein Leben ist sehr gut. Ich blühe auf, bin viel weiser und habe viele neue Erfahrungen gemacht. Ich arbeite heute mit Menschen, weil ich so unglaublich neugierig auf den LP geworden bin, dass ich mich entschieden habe, die Ausbildung selbst zu machen. Ich klettere, fahre Ski und wandere, und natürlich mache ich viele Jahre verlorenes Sozialleben wieder wett. Ich klettere jetzt sogar härtere Felsrouten als vor meiner Krankheit.

Der höchste Berg der Welt ist für mich nicht mehr wichtig. Mein Freund hat den Gipfel des echten Berges erreicht, als ich im Dunkeln lag. Ich denke, dass die Überwindung meiner extremen Krankheit und der Weg dahin, wo ich heute bin, mein „Mount Everest“ war. Es war wirklich eine sehr anstrengende Reise.

Ich hoffe, dass meine Geschichte dazu beitragen kann, Hoffnung zu verbreiten, indem sie zeigt, dass es durchaus möglich ist, sich von einer sehr schweren ME zu erholen.

Nachtrag von Fasynation:

Die Geschichte macht Mut, oder? Es ist möglich, von einer schweren Erkrankung wieder zu genesen. Diese Hoffnung möchten wir mit diesem Artikel weitergeben. Egal, was wir zu dem Lightning Process schon alles gelesen haben – lass uns auf die positiven Wirkungen fokussieren und offen dafür sein, dass Programme wie der Lightning Process eine zumindest zusätzliche großartige Hilfe sein können.

Was denkst du über die Geschichte?
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