cfs-warum-vagusnerv

Warum der Vagusnerv bei CFS so wichtig ist

Danke fürs Teilen


Stell dir vor du willst, dass eine bestimmte Neuigkeit so schnell wie möglich in der Verwandtschaft kursiert. Dann erzählst du es am besten zuerst der größten Klatsch-Tante der Familie, oder?

Stell dir vor, du willst dass eine Aufgabe in der Firma bald umgesetzt wird. Dann gibst du sie dem fleißigsten und zuverlässlichsten Mitarbeiter, richtig?

Der Vagus-Nerv erfüllt im Körper extrem wichtige Aufgaben. Wenn dieser nicht richtig funktioniert, kann der Körper nicht heilen. In diesem Artikel liest du,

  • welche Aufgaben dieser Vagus-Nerv hat,
  • warum er bei ME/CFS nicht mehr richtig funktioniert und
  • wie wir diesen wichtigen Nerv reparieren können. 

Welche Aufgaben hat der Vagus-Nerv?

Er ist der Kapitän der gesamten Mannschaft. Der wichtigste Nerv von insgesamt 12 Gehirnnerven. In Latein bedeutet er der „Umherwandernde“. Und genau das tut er. Vom Gehirn anfangend wandert der Nerv durch den gesamten Organismus und steht mit (fast) allen Organen in Kontakt. Er vermittelt Botschaften, tröstet, beruhigt, heilt.

Die verschiedenen Hirnnerven kann man jeweils unterteilen in sympathisch und parasympathisch.

Die sympathischen Nerven erregen, regen an.

Die parasympathischen dagegen entspannen, beruhigen.

Wenn der röhrende Ferrari laut an mir vorbei rast, werden die sympathischen Nerven aktiv, erregen sich und sorgen dafür, dass wir zurückspringen. Leider sind die Sympathiker meist viel zu oft aktiv in unserem Leben.

cfs-parasympathiker
Die Parasympathiker dagegen versuchen, das Gleichgewicht wieder herzustellen. Zu beruhigen, zu entspannen, und somit auch die Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Denn nur im Entspannungszustand kann der Körper sich heilen.

Beim chronischen Fatigue Syndrom spielt der Vagus Nerv also eine sehr wichtige Rolle. Als Hauptnerv schickt er Entspannungssignale durch den gesamten Körper. Zum Herz, zum Immunsystem, durch den kompletten Bauchraum bis hin zum Darm.

cfs-vagusnerv

Was hat der Vagusnerv mit ME/CFS zu tun?

Wenn der Vagus-Nerv nicht optimal funktioniert, werden falsche oder keine Signale weitergeleitet. Fatale Folgen:

  • Die Organe funktionieren nicht vernünftig,
  • Nährstoffe werden nicht richtig aufgenommen,
  • Der Darm arbeitet suboptimal.
  • Das ganze System ist im Ungleichgewicht.

Wie gesagt – der Vagusnerv verläuft vom Gehirn bis hinunter in den Darm. Aber die Signale werden nicht nur vom Gehirn zum Darm und anderen Organen geschickt, sondern auch in die andere Richtung. Deshalb spricht man beim Darm auch vom zweiten Gehirn, weil der Darm wichtige Signale zurück an das Gehirn sendet.

Der Darm denkt mit, entscheidet mit, regiert mit. Und sein Übersetzer ist der parasympathische Vagus-Nerv. Wenn dieser also defekt ist, bekommen nicht nur die unteren Organe falsche Signale, sondern auch das Gehirn wird falsch informiert.

Jetzt kommt’s.

Normalerweise sollte der entspannte Parasympathikus in der meisten Zeit unseres Lebens die Hauptrolle spielen. Der erregbare Sympathikus sollte eigentlich nur dann anspringen, wenn es auch etwas zum Springen gibt.

Wenn wir z.B. beim vorbei rasenden Auto von der Straße springen sollten. Oder wenn der Chef ruft und wir vom Büroschlaf aufspringen sollten. Also immer, wenn wir jetzt aktiv werden sollten und dafür das nötige Adrenalin oder Cortisol brauchen.

Solche Momente gehören zum Leben dazu. Aber sie sollten das Leben nicht ausmachen. Eigentlich war es so gedacht, dass wir Menschen zumindest einen großen Teil des Alltags eher im parasympathischen Zustand verbringen. Beim Schlafen, Ausruhen, Lachen, Entspannen. Leben.

Eigentlich.

Wenn nicht dieses moderne Leben dazwischen käme.

Der tägliche Stress.
Die Sorgen.
Der Lärm.
Die Umwelt.

Die kleinen und großen Traumata des Alltags.

Dazu kommen die biomedizinischen Stressoren wie Fastfood, verarbeitete Lebensmittel, Toxine, Chemikalien, Elektrosmog, Umweltgifte. Denn diese zivilisierten Stressoren verursachen leider ebenfalls Stress für den Körper und erregen die sympathischen Nerven.

Die Nerven sind sozusagen ständig erregt, also immer im sympathischen Dauerzustand. Gar nicht sympathisch für den Körper.

Solange wir uns noch in einem relativen Normalbereich bewegen, können wir das Gleichgewicht relativ schnell wieder herstellen. Ein entspanntes Wochenende. Urlaub. Ernährungsumstellung. Vermeiden von Giftstoffen. Darmsanierung.

Beim chronischen Fatigue Syndrom gibt es allerdings ein großes Problem:

Diese ganzen Maßnahmen reichen meist nicht aus!!

Viele CFS Betroffene liegen doch eh schon meistens den ganzen Tag und „entspannen sich“. Sie vermeiden viele inneren und äußeren Stressfaktoren. Eigentlich müsste der erregbare Sympathikus Langeweile schieben und der Parasympathikus im Dauerentspannungs-Zustand sein. Aber dem ist nicht so.

Im Gegenteil.

Der Sympathikus scheint trotzdem die ganze Zeit erregt zu sein. Schon das kleinste Licht oder Geräusch kann die Nerven überproportional stark belasten.

Sogar beim Schlafen kommen die Nerven nicht zur Ruhe. Kein Wunder, dass viele CFS Patienten am nächsten Morgen wie gerädert aufwachen und den Eindruck haben, sie wären die ganze Nacht vor einem Bären davon gerannt.

Warum ist dem so? Was ist das eigentliche Problem bei CFS? Nun, wenn wir dies mit Sicherheit sagen könnten, wären wir dem Bären schon längst entwischt. Aber zumindest gibt es sehr sinnvolle Ansätze.

Und zwar scheint das Hauptproblem in vielen Fällen tatsächlich mit diesem Vagus-Nerv gekoppelt zu sein.

Er funktioniert nicht richtig.

Und das kann verschiedene Gründe haben.

cfs-dauerentspannungs-zustand

Warum der Vagusnerv bei CFS nicht richtig funktioniert

Bei manchen Personen ist es tatsächlich vererbt, dass der Vagus nicht richtig arbeitet. Wenn z.B. die Mutter während der Schwangerschaft einen inaktiven Vagusnerv hat, dann vererbt das Kind sehr wahrscheinlich einen ebenso inaktiven Vagusnerv.

In den meisten CFS Fällen ist diese Dysfunktion allerdings nicht vererbt, sondern mit der Zeit entstanden.

Der umherwandernde Nerv mag vorher gut funktioniert haben. Aber dann kam dieser Virus. (Viele CFS Erkrankungen werden durch eine starke Infektion ausgelöst, z.B. den Epstein-Barr-Virus). Oder ein Trauma. Eine besonders stressige Zeit.

Auf jeden Fall werden wir (denn ich bin ja auch ein CFS Betroffener) dann – sozusagen als letzten Tropfen – von einer Infektion komplett umgehauen und liegen krank und erschöpft da.

Und nun passiert etwas Mysteriöses: Der Vagus-Nerv scheint einen Knacks zu bekommen. Er funktioniert seit dieser Infektion nicht mehr richtig.

Die Folge: Chaos im gesamten System.

Dan Neuffer kommt diesem Mysterium in seinem Buch „CFS Unravelled“ detaillierter auf die Spur. Ein lesenswertes Buch. In einem Interview erklärte er das Problem sinngemäß so:

Stellen wir uns ein Haus vor, das verdreckt und unaufgeräumt ist. Die fleißige Hausfrau räumt nun den ganzen Tag auf, putzt, sorgt für Ordnung. Doch nach kurzer Zeit herrscht wieder dasselbe Chaos und der gleiche Dreck. Dabei hatte sie doch nur kurz das Haus verlassen. Zum Verrückt werden.

Das Problem: Irgendwo im Haus ist die ganze Zeit eine Luke oder eine Tür aufgelassen und ein Hund kam von draußen ins Haus. Mit seinen matschigen Pfoten und seinem Spieltrieb verwüstete er jedes Mal die gesamte Wohnung.

Die Pointe dieser Illustration: Solange die Tür nicht geschlossen und der Hund ausgesperrt ist, bringt das ganze Aufräumen und Putzen nichts. Denn nach kurzer Zeit ist alles wieder wie vorher.

So ähnlich ergeht es uns beim chronischen Erschöpfungssyndrom. Wir putzen, räumen auf und machen sauber. Wir entgiften, entsäuern, ernähren uns gesund, vermeiden Giftstoffe und jeglichen Stress. Aber wir lassen die Tür auf und den Hund rein.

Die Tür bzw. der Hund ist in diesem Fall das vegetative Nervensystem und der Vagus-Nerv. Die Dysfunktion des Parasympathikus sorgt dafür, dass keine unserer Maßnahmen greifen. Es herrscht weiterhin Chaos und ein starkes Ungleichgewicht im Körper.

cfs-dysfunktion-parasympathikus

Was passiert im Körper, wenn der Vagus Nerv nicht mehr richtig funktioniert?

Durch dieses Chaos und Ungleichgewicht (fehlende Homöostase) im Körper ist die Person nicht mehr in der Lage, Stress richtig abzufangen und auszugleichen. Die kleinsten toxischen Stressbelastungen können den Körper zum Rasen bringen. Genauso äußere Reize wie Licht, Lärm oder anstrengende Gespräche. Wie bei einem Auto, dem die ganze Federung entfernt wird. Jeder kleine Huckel ist wie ein Hammerschlag für das Gesäß.

Ein anderes Bild ist wohl das einer Frau, die gerade entbindet. Die Schmerzen sind unerträglich und sie schreit um sich. Egal, was der liebevolle Partner an ihrer Seite auch versucht, er macht alles falsch. Die Schmerzen sind so stark, dass die Leidende Dinge schreit und sich so verhält, wie sie es normalerweise nie tun würde.

Nun schreie ich persönlich nicht meine Familie an. Aber ich merke zweierlei:

  1. Mein Körper schreit. Egal, was ich ihm zuführe und was ich ihm Gutes tue. Er schreit, meckert, wimmert und kämpft um sein Leben. Die verschiedenen Organe funktionieren nicht mehr richtig. Deshalb wird CFS als multisystemische neuroimmunologische Erkrankung angesehen. Wahrscheinlich auch eine Autoimmunkrankheit. Das autonome Nervensystem ist komplett im Chaos.
  2. Ich bin gereizter. Fühle mich von wohlgemeinten Ratschlägen angeklagt. Bin stark verletzt wenn Personen, denen ich eigentlich nahe stehe, anscheinend kein Interesse an meiner Misere haben. Oh ja, auch äußerlich kann ich dann schon mal wimmern und jammern. Die Wunden tun mir mehr weh als wenn mein Vagus-Nerv vernünftig funktionieren würde.

Fatale Folgen eines gestörten Nervensystems

Der Vagusnerv gehört übrigens zum vegetativen Nervensystem. Dieses wird auch das autonome Nervensystem genannt. Es ist autonom, weil wir ihm nicht vorschreiben müssen (oder können), wie es arbeitet.

Es erfüllt seine Aufgabe automatisch. Sorgt z.B. dafür, dass unser Herz regelmäßig schlägt, unser Darm verdaut und wir weiter atmen. Keiner von uns muss diese Organe daran erinnern, dass sie ihre Arbeit tun. Dafür sorgt das autonome Nervensystem.

Wie schon erwähnt, ist dieses System zweigeteilt. Das sympathische erregbare System (SNS) und das parasympathische entspannende System (PNS). Das SNS pumpt Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol in unseren Körper. Das PNS steuert dagegen und bringt Ruhe ins Gesamtsystem.

Wenn dieses autonome Nervensystem gestört ist, passiert u.a. folgendes:

  • Die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse (HPA) wird ständig befeuert.
  • Dadurch wird zu viel Cortisol und Adrenalin produziert.
  • Es kommt zu Mitochondrien-Dysfunktion, Infektanfälligkeit, schlechter Leberfunktion, Hormondrüsenverarmung, um nur ein paar zu nennen.

Um es anders auszudrücken: Der Körper kommt nicht zur Ruhe. Das System ist ständig erregt und in Kampfmodus. Und dadurch extrem erschöpft und nicht in der Lage, vernünftig zu funktionieren.

All das hat Auswirkungen auf unsere Konzentration, unsere Nerven, die Verdauung, den Schlaf, das Immunsystem, einfach alles. Deshalb die lange Liste an möglichen Symptomen bei CFS.

Zum Beispiel leiden CFS Heldinnen und Helden oft unter einer orthostatischen Intoleranz (OI), auch Posturales Orthostatisches Tachykardie-Syndrom (POTS) genannt. Das bedeutet, dass der Person beim Aufstehen aus ihrer Liegeposition schnell schwindelig wird oder das Herz übermäßig schnell schlägt.

Um diesem Mysterium mehr auf die Spur zu kommen, ist die nächste Frage:

Wie kommt es zur Dysfunktion des Vagus?

Beispiele: Wenn wir ein Auto ständig überstrapazieren (gleich Vollgas, quietschende Reifen, Handbremse beim Fahren, zu starkes Bremsen), geht es irgendwann kaputt. Wenn ein Mensch zu lange und stark gefoltert wird, knickt er irgendwann ein. Jeder und alles hat irgendwo eine Grenze.

cfs-dysfunktion-vagus
Beim autonomen Nervensystem ist es nicht anders. Wenn es sowohl physiologisch als auch psychologisch zu lange intensivem Stress ausgesetzt ist, knickt es irgendwann ein. Es wurde sozusagen zu lange gefoltert! Das fängt beim Stress der Mutter an und hört beim Virusinfekt auf. Die Liste dazwischen kann ziemlich lange sein:

  • Stresslevel und Gesundheitszustand der Mutter während der Schwangerschaft und Geburt
  • Art der Geburt und mögliche Komplikationen
  • Impfungen und Infektionen während der Kindheit
  • Krankheiten in der Jugendzeit
  • Äußere Stressfaktoren wie Familienumfeld, Beziehungen, Arbeit
  • Biomedizinische und chemische Stressfaktoren wie Umweltgifte, verarbeitete Lebensmittel, Antibiotika
  • Weitere entwickelte Krankheiten als Erwachsener
  • Weitere kleinen und großen traumatischen Erlebnisse
  • Und zum Schluss ein starker Virus, der das ganze System aus der Bahn wirft

Spätestens jetzt sehen wir: Dieses gemeine chronische Erschöpfungssyndrom ist wahrscheinlich eine dieser „neuen“ Zivilisationskrankheiten. Genau wie Diabetes, Krebs, Herzinfarkt oder Multiple Sklerose. Es ist das Ergebnis eines langen ungesunden Prozesses, der meistens jahrelang im Verborgenen läuft, bis wir irgendwann die letzten Auslöser spüren. Das typische Bild von der Spitze eines Eisbergs.

Es ist in Jammer. Aber gleichzeitig ein Hoffnungsschimmer, weil es für all diese Krankheiten Lösungsansätze zu geben scheint. Bleiben wir also dran!

Was bewirkt der defekte Vagusnerv?

Der defekte Vagusnerv funktioniert wie eine Alarmanlage, bei der Licht und Bewegungsmelder (durch einen Virus) falsch programmiert wurden. Schon ein kleiner Windhauch löst jetzt den Alarm im Haus aus. Bei Regen lärmt es die ganze Zeit im Haus. Sehr nervig. Sogar wenn die nette Nachbarin mit den leckeren Keksen auf die Tür zugeht, wird sie als Gefahr verkannt.

So ähnlich scheint nun der Vagusnerv an einem bestimmten Punkt einen Knacks bekommen zu haben. Bei jedem kleinen (harmlosen wie gefährlichen) Signal löst er Alarm aus und schreit in den Körper: „Achtung. Stress. Gefahr!“

Dieser „Lärm“ in unserem Körper ist meist natürlich nicht zu hören. Stattdessen werden ganz unbewusst verheerende Vorgänge ausgelöst, z.B. dass die HPA-Achse ständig befeuert wird und einen Überschuss an Nebennieren-Hormonen verursacht. Dadurch arbeiten die Nebennieren nicht mehr richtig.

Auch produziert das sympathische Nervensystem nun zu viel Cortisol, sodass wir kaum Schlaf finden. Schlafen wir aber doch ein, erleben wir sehr aktive nervenaufreibende Träume.

Durch diesen ständigen Stress und das erregte sympathische Nervensystem ist der Körper so stark erregt, dass es nicht einmal äußere Faktoren wie Lärm, Stress oder auch Toxine, Chemikalien und falsche Lebensmittel braucht, um gestresst zu sein.

Das Nervensystem stresst sich selbst. Unbewusst. Autonom. Sogar, wenn wir ME/CFS Erkrankten gerade vor Langeweile eingehen.

Zu diesem Stress kommen noch die äußeren typisch täglichen Stress-Faktoren hinzu. Stressoren, die uns im gesunden Zustand nichts ausmachen, aber nun wie Feuerwerkskörper wirken, die den Körper noch intensiver in Kriegsstimmung bringen. Wie gesagt, schon Tageslicht oder die Türklingel können dann zu viel sein.

PLUS: Zu diesen äußeren Faktoren kommen die ganzen CFS-Stressfaktoren hinzu, mit denen wir chronisch Erschöpften zu kämpfen haben. Infektionen, Vergiftungen, Müdigkeit, Schmerzen. Die ganze Palette an CFS Symptomen.

UND dazu die immer stärker werdende Sorge: Wird es je besser?

Und genau das ist eine wichtige Frage. Kann dieser Kreislauf wieder unterbrochen werden? Können wir das System wieder heilen?

Können wir den Vagus-Nerv heilen? 

Das Frustrierende: Die meisten der o.g. Vorgänge laufen unbewusst oder gar unterbewusst ab. Das bedeutet, dass wir sie nicht einfach durch bewusste Übungen beeinflussen können.

Trotzdem will ich ein lautes JA in die CFS-Welt rufen. JA, ich glaube dass wir diesen Prozess wieder Rückgängig machen können. Nicht, weil ich bis dato schon meine eigenen signifikanten Erfolgserlebnisse präsentieren könnte. Aber die Wissenschaft, die Literatur und heute vitale ehemalige CFS-Patienten sind mir Beweis genug.

Der erste Schritt ist, dass wir uns dieser Prozesse bewusst werden. Denn dann können wir auch bewusst etwas dagegen tun.

Im zweiten Schritt können wir alle äußeren und inneren Stressfaktoren reduzieren oder eliminieren, deren wir uns bewusst sind. Damit werden die vielen Trigger in dieser Dauerschleife schon mal erheblich verringert.

Bei den meisten ME/CFS Patienten reicht dies jedoch nicht aus.
Der Vagusnerv sendet immer noch falsch interpretierte Signale.
Der Daueralarm lärmt immer noch durch den Parasympathikus.
Das Gehirn wird immer noch zu sehr erregt.

Durch das Reduzieren von Stress-Auslösern können dann zwar die Symptome verbessert werden, aber die Hauptursache ist noch nicht behoben. Das Ziel sollte ja sein, dass unser Nervensystem wieder so repariert ist, dass wir in Zukunft diese normalen Stressoren und Auslöser gut verkraften. Also nicht jeden Lärm und jeden Impuls vermeiden, sondern sie wieder locker verkraften.

Das wäre wunderbar, oder?

Aber das ist momentan nicht möglich, weil das Nervensystem eben chronisch erregt ist.

TROTZDEM gibt es ausreichend Geschichten und Erlebnisse von CFS Geheilten, bei denen der Vagusnerv wieder geheilt werden konnte und das gesamte System wieder in eine gesunde Balance fand. Wie das geht, und was wir für uns tun können, das liest du in dem Artikel: Wie wir unseren Vagusnerv heilen können.


Danke fürs Teilen

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

2 Kommentare

  1. Hervorragend anschaulich! So wichtiges Thema, bei dieser Krankheit bei den meisten leider noch nicht auf dem Schirm. Kann anhand meines eigenen Verlaufs bestätigen, dass man durch Arbeit am Vagus erhebliche Fortschritte machen kann.

    Danke, Johannes. Gruß, Flosch / @me_vs_meandcfs (Instagram)

    1. Vielen Dank, Flosch, für deinen Kommentar. Den Artikel habe ich letztes Jahr geschrieben, und er ist ein Jahr soäter für mich umso aktueller. Je mehr ich mich mit der Erkrankung beschäftige, desto mehr sehe ich einen deutlichen Zusammenhant zwischen CFS und dem autonomen Nervensystem und dem Vagusnerv. Das kommt ja auch in deiner Geschichte sehr deutlich raus, wie auch auf https://cfsistkeineidylle.me geschrieben.
      Alles Gute dir weiterhin.