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Warum Gesundwerden-Wollen nicht hilfreich ist und was wir sonst noch von Daniel lernen können

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In unserem Podcast-Gespräch gibt Daniel uns tiefe Einblicke in seine Geschichte mit ME/CFS und sein inneres Erleben. In seinen schlimmsten Zeiten lag er ca. 7 Monate am Stück fast nur im Bett. Innerhalb mehrerer Jahre erlebte er mehrere Aufs und Abs seiner Krankheit.

Heute geht es ihm wesentlich besser und er hilft anderen ME/CFS Erkrankten durch persönliches Coaching und durch seinen englischsprachigen Online-Kurs. Dieses umfangreiche Material mit Videos, Buchempfehlungen, Artikeln bietet Daniel gegen freiwillige Spenden auf seiner Webseite an.

In diesem Artikel schreibe ich (im Nachhinein) kurz und knapp die verschiedenen Impulse auf, die Daniel in dem Gespräch von sich gegeben hat. Dabei ist jeder Abschnitt ein kleiner in sich abgeschlossener Gedankengang.

Trotz dieser Verschriftlichung mancher Impulse lohnt es sich unbedingt, die beiden Podcast-Episoden anzuhören.

Vom Segen eines Ortswechsel

Eine erste hilfreiche Erfahrung machte Daniel, als er einfach mal den Ort wechselte, an dem er krank dalag. In seinem Fall konnte Daniel sich in den Garten legen und einfach mal ein anderes Umfeld erleben.

Die zweite hilfreiche Erfahrung, die ihm weitere kleine Energieschübe gab: Diese Umgebung einfach nur wahrzunehmen. Die Vögel zu hören, Enten beobachten, den Sonnenuntergang mit zu verfolgen.

Später in seiner Geschichte ging es dann nach Thailand. Neues Umfeld. Neue Menschen. Vorsichtiges Erholen. All das trug dazu bei, dass es Daniel immer besser ging. Ja, er dachte sogar dass er nun komplett geheilt sei. Doch zurück in Holland ging es Daniel wieder sehr schlecht. Er erlebte, wie schnell sich der Zustand ändern kann. Später in Mexiko erlebte er, dass es ihm innerhalb kurzer Zeit auch wieder wesentlich besser ging.

Vom Getriebenen zum Geruhten und der Wichtigkeit der Langsamkeit

Auch Daniel war vor seiner CFS Erkrankung extrem aktiv. Von der Gesellschaft wahrscheinlich als normal betrachtet, sieht er sein damaliges Ich im Rückblick eher als Gestressten und Getriebenen.

Ob dieser Stress mit zu seiner Erkrankung beigetragen hat oder nicht – auf jeden Fall lernte Daniel durch ME/CFS ein ganz neues, bewussteres und stressfreieres Leben kennen.

Mit dieser Energie konnte Daniel langsam etwas mehr tun. Ein paar Schritte gehen. Ein paar mehr Schritte gehen. Auf der Parkbank sitzen. Also seinen Aktivitätsradius langsam erweitern.

Nach über zwei Jahren mit ME/CFS erlebte Daniel eines Tages einen kurzen Zustand des Glücks. Nicht, weil es ihm körperlich so viel besser ging, sondern weil sein Kopf komplett leise war. Eine wunderbare Erfahrung.

Warum unbedingtes Gesund-Werden-Wollen nicht hilfreich ist

Gesellschaftlich sind wir so geprägt, immer für etwas zu kämpfen, etwas anzustreben. Dieses Bestreben bereitet Stress. Stress wiederum kann krank machen. Wenn wir nun in unserer Krankheit in demselben Muster weitermachen und die Gesundheit anstreben, kann dies genauso stressig sein und uns noch mehr krank machen.

Ein Paradox, das aufgelöst werden will.

Deshalb kann der Zustand des Nicht-Denkens und Einfach-Nur-Sein so wohltuend und befreiend sein.

Jede Erkrankung ist individuell und verläuft wellenförmig

Nun ist jeder Krankheitsverlauf anders und individuell. Aber eines haben wir gemeinsam: Die Krankheit und auch die Genesung verläuft nicht linear. Es gibt Aufs und Abs. Wir erleben Verbesserungen und auch Verschlechterungen. Zu manchen Zeiten sind wir diszipliniert und lassen uns nicht stressen, in anderen Zeiten lassen wir uns gehen oder stressen uns mehr als gut für uns ist.

Ein zweites Merkmal: Genesung passiert nicht über Nacht. Daniels Zustand verbesserte sich sehr langsam. Schritt für Schritt. Monat für Monat. Und eben auch dieser Weg seiner Genesung war mit Rückschlägen gepflastert.

Weitere Faktoren für seine (und deine) Gesundheit

Einer von mehreren wichtigen Gesundungs-Faktoren ist die Neuroplastizität und Erweiterung der verschiedenen Bewusstseinsebenen. Daniel machte diesbezüglich den Lightning Prozess, den er nicht empfiehlt, aber der ihm trotzdem auch (zusätzlich zu anderen Maßnahmen) geholfen hat.

Ein wichtiger Booster für die Verbesserung: Emotionale Zustände wie Liebe, Frieden, Freude. Und das Leben so leben, wie es UNS gut tut.

Obwohl ME/CFS eine körperliche neuroimmunologische Erkrankung ist, spielen psychologische Aspekte eine sehr wichtige Rolle. Grenzen erkennen, Nein sagen, Emotionen und innere Widerstände lösen.

Innerer Widerstand ist Stress. Und ein gestresster Körper kann nicht heilen. Deshalb geht es auch in körperlichen Erkrankungen darum, innere Widerstände aufzulösen und in den Fluss zu kommen.

Wir sind als Mensch viel zu oft im Fight, Flight oder Freeze Zustand, und sehr selten im Zustand, in dem der Körper selbst heilen kann. Also entweder

  • kämpfen wir innerlich gerade gegen etwas an (auch gegen die Krankheit) oder
  • wir flüchten uns (z.B. in Ablenkungen) oder
  • unser Nervensystem ist innerlich wie erstarrt.

Ein Zustand, in dem der Körper gesunden kann ist, wenn wir inneren Frieden spüren und Freude erleben. Diesen Zustand erreichen wir meistens nicht über unser Denken, sondern über den Körper. Indem wir mit unseren Sinnen wahrnehmen. Zum Beispiel bewusst die Natur sehen. Bewusst schmecken und genießen. Bewusst hören, wirklich hinhören. Indem wir uns bewusst bewegen, ohne gedanklich während der Aktivität an einem anderen Ort oder in einer anderen Zeit zu sein.

Interessante Perspektiven bezüglich ME/CFS

In der Germanischen Heilkunst redet man bei Krankheiten wie ME/CFS nicht von Krankheit, sondern von einem Heilungsprozess. Eine interessante Sichtweise, die man mal weiter verfolgen könnte.

Der Epstein-Barr Virus kann nur in einem gestressten Körper leben. Und so erlebt auch Daniel, wie er erst seinen inneren Stress signifikant reduzieren muss, bevor der Heilungsprozess beginnen kann.

Ein Impuls von Daniel zum Nachdenken: „Ich fürchte den Tag, dass es ein Medikament gegen chronische Erschöpfung geben wird !“ Denn dann müssten wir uns nicht mehr mit den „Randthemen“ und unserem Inneren beschäftigen und könnten wieder zurück in unser altes Leben, das uns krank gemacht hat.

Tatsächlich wirken manche (natürlich nicht alle) Medikamente, die gerade bei chronische Krankheiten eingesetzt werden, wie ein Aufkleber. Als Illustration denken wir an die Kontrollleuchten im Auto. Wenn am Motor etwas nicht stimmt, leuchtet eine Warnleuchte auf. Genauso sind auch viele ME/CFS Symptome schmerzhafte Warnleuchten, die darauf hindeuten: Hier stimmt etwas nicht.

Nach dem Spruch: „Wenn wir dem Körper nicht zuhören, wenn er flüstert, muss er eines Tages schreien.“

Würde man nun ein Medikament entwickeln, das diese Symptome (dieses Schreien) unterdrückt, wäre dies kurzfristig sicher angenehm. Aber langfristig wäre es sehr ungesund, solange die Ursache des Problems noch nicht behoben ist.

Bei all den wichtigen Informationen zu Ursachen und Therapien brauchen wir unbedingt auch Inspiration. Inspiration, um in dieser Krankheit ein gutes sinnstiftendes Leben zu haben und zur tieferen Freude zu gelangen. Eine Freude, die unser Leben bereichert und gleichzeitig auch den Genesungsprozess unterstützt.

Und deshalb spielen auch die Emotionen eine wichtige Rolle.

Welche wichtige Rolle Emotionen (nicht nur) bei ME/CFS spielen

Bezüglich Emotionen und Psyche erzählt Daniel von seinen Herausforderungen in der Kindheit. Und ja, nicht nur die Beschwerden von ME/CFS wirken sich auf Zellen, Gehirn, Nerven und die Psyche aus, sondern auch die Ursachen scheinen eine Kombination dieser Faktoren zu sein.

Spannend ist auch, dass die neueren Erkenntnisse der Wissenschaft immer engere Zusammenhänge zwischen Emotionen und Zellen entdecken. Emotionen werden im Körper, in den Zellen abgespeichert und wirken sich biochemisch und neuroimmunologisch aus. Psyche und Körper sind auch beim chronischen Erschöpfungssyndrom untrennbar miteinander verbunden.

Daniels Geschichte mit CFS zeigt, dass auch die emotionale Verarbeitung ein langsames und vorsichtiges Vorgehen braucht. Daniel weinte z.B. einen Monat lang täglich bis zu acht Stunden, weil er sich sehr intensiv mit festsitzenden Emotionen und Traumata beschäftigte. Heute würde er langsamer vorgehen.

Eine praktische Art, Zugang zu unseren Emotionen zu bekommen: Tief in die einzelnen Organe einzuatmen und dabei reinzufühlen, wo sich der Schmerz oder die Wut oder die Angst im Körper zeigt.

Eine andere Möglichkeit der emotionalen Verarbeitung ist, die Emotion bewusst zu formulieren und schriftlich zu verstärken. Daniel weist auf TMS (The Mind-Body-Syndrom) hin. Hier geht es darum, dass manche Schmerzen dadurch entstehen, weil sich tief sitzende Emotionen im Unterbewusstsein durch Schmerzen bemerkbar machen. Mehr Informationen zu TMS findest du HIER.

Um weitere emotionale Wunden zu vermeiden ist es wichtig, sich ab jetzt aber auch Grenzen zu stecken und sich freundlich aber bewusst nicht emotional schlagen zu lassen.

Eine Gefahr, wenn es uns mit ME/CFS so richtig schlecht geht, ist die eingeübte Dankbarkeit. Ja, ein Dankbarkeits-Tagebuch kann eine riesige Hilfe sein. Aber Dankbarkeit kann auch missbraucht werden, damit wir unsere wahren Gefühle nicht fühlen müssen und sie nicht an uns heranlassen.

Was Daniel aus seiner CFS-Erkrankung über die Gesellschaft und das Leben gelernt hat

Weil wir dieses bewusste Im-Hier-und-Jetzt-Leben in der Sozialisierung nicht wirklich lernen, sieht Daniel die Gesellschaft als sehr toxisch an. Kein Wunder, dass wir durch unsere momentane gesellschaftliche Lebensweise immer mehr chronische Krankheiten erleben, so sagt er. Mehr über die toxische Gesellschaft findest du in dem bald herausgebrachten Buch von Gabor Marté: The Myth of Normal: Trauma, Illness & Healing in a Toxic Culture.

Durch unsere soziale Erziehung haben wir viele Glaubenssätze und Sichtweisen über das Leben mitbekommen. Mit diesem Filter nehmen wir unsere Wirklichkeit wahr und reagieren und agieren entsprechend. Und zwar meistens entsprechend getrieben, gehetzt, gestresst.

Auch unterdrücken wir durch unsere inneren Glaubenssätze viele unserer Emotionen, die wir nicht wahrhaben wollen, die angeblich nicht sein dürfen. So haben sich viele Emotionen aufgestaut und gleichzeitig verlieren wir wichtige Anteile unserer Identität. Denn alle Emotionen sind ja Teil von uns, sie haben eine Bedeutung, eine Berechtigung.

Auch diese Prägung, dass wir immer mehr brauchen, ist ungesund. Mehr Status, mehr Geld, mehr Sex, … mehr Gesundheit. In unserer ME/CFS Erkrankung bleiben wir dann oft im selben Muster hängen und kämpfen gegen die Erkrankung an.

Oft brauchen wir nicht mehr, sondern weniger.

Oder nur eine Sache.

Zum Beispiel nur EIN Impuls, den du aus diesem Gespräch mitnehmen kannst.

Das würde mich freuen.

PS: Und falls du doch weitere Impulse von Daniel wünscht, schau gerne auf seiner Webseite vorbei.

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