Lisa-Helena-Reinho

Zwei bewegende Texte einer Long Covid Erkrankten

Danke fürs Teilen


Long Covid oder ME/CFS hat ganz viel Potential in sich.

Die Erkrankung kann uns die letzte Energie rauben, unsere Hoffnung wegreißen, uns vereinsamen und den Lebens-Schmerz vergrößern.

Aber sie kann uns auch in positiver Weise trotziger machen, unsere Kreativität fördern und uns in all dem Elend Texte schreiben lassen, die andere berühren.

So wie diese beiden Texte von Lisa Helena Reinhold.

Danke, Lisa, dass du diese beiden Texte mit uns teilst.

Im Dauerrausch durch Long-Covid

Immerzu müde
Gedanken sind trübe
grauer Nebel, der mich umgibt
und meine Stimmung kippt

Bleierne Schwere
der Kopf voller Leere
jede Handlung ermüdet
während das innere Feuer wütet.

Schwindel, Erschöpfung und Fieber
reißen mich immer tiefer
in die tiefe Dunkelheit
in der keine Freude mehr bleibt

Jeder Gang unendlich schwer
denn alle Akkus sind leer
Lustlosigkeit schleicht sich ein
Nichtstun ist ab sofort mein.

Zum Couchpotato mutiert
die Aktivität verliert
gegen die Dauererschöpfung
raubt mir all meine Hoffnung
auf das Erreichen meiner Ziele
davon habe ich reichlich viele.

Will die Welt erkunden
nicht mehr drehen dieselben Runden
will beruflich erfolgreich sein
und mein Licht soll scheinen
möchte etwas in der Welt bewegen
meine Gaben und mein Licht weitergeben.

Ich will Hürden überwinden
mich nicht in der Dunkelheit winden
will voller Energie meine Schöpferkraft leben
frei sein und vergeben
um mir ein Leben aufzubauen

In Liebe und Vertrauen
der Kampf soll sein Ende nehmen
will in vollen Zügen leben
nicht Wachstumsstillstand
sondern Tatendrang
soll mein Leben definieren und formatieren.

Der Kopf ist leer
der Körper schwer
stehe oft neben mir
und verlier
meinen Fokus und meine Gedanken.

Alles gerät ins Wanken
ein Schleier in meinem Kopf
mit Vergessenslücken vollgestopft
Schwindel und verschwommene Sicht
wo ist es hin, das Licht?

Machtlosigkeit breitet sich aus
es beginnt zu wanken mein Körperhaus
fühle mich wie unter Drogen
überschwemmt von Gefühlswogen
trennen den Kitt und reißen mich mit
in ihre Tiefen
wo all die Ängste schliefen nehmen mich nun ein

Dunkelheit ist ab sofort mein
keine Kraft für den Kampf
weil sich alles in mir verkrampft
mir wäre es lieber
ohne Fieber
auch ohne bleierne Müdigkeit
gefühlt bin ich dauerbreit.

Long-Covid als Dauerrausch
mein Leben wurde ausgetauscht
von der Aktiven zur Passiven
warte ab und hoffe auf Besserung
auf den lang ersehnten Aufschwung.

Wie ich mich sehe, wie du mich siehst, wie wir sind

Wie ich mich sehe
oft, klein, unscheinbar, nicht genug
zu viel für andere, nicht annehmbar, sonderbar
zu dunkel für diese Welt, wo alles glitzert und funkelt
wo man untergeht, ungesehen
wo einen nichts mehr hält, wenn man in Abgründe fällt
wo man glaubt nicht Teil zu sein
fühle ich mich oft ganz allein
leiste nicht genug
glaube mein Tun besteht nur aus Unfug
aus nichts, was weiterbringt, was dich und mich bereichert
dann glaube ich nur Last zu sein
fühle die Last auf mir,
glaube dann, ich laste auf dir
weil ich mich auf dich projizier
so ein verrücktes Menschentier
verdrehte Gedanken in mir
denke ich sei zu schwach
eine, über die man nur lacht
eine, die man nicht gebrauchen kann
ohne die bist du besser dran
eine die nicht in Höhen fliegt
sondern andere in ihre Dunkelheit zieht
denke zu viel, erreiche kein Ziel
eine, die zu viele Gefühle zeigt
und auch noch zu Depressionen neigt
eine, die man nicht vermissen würde
wenn sie denn mal stirbe

Dann sagst du, wie du mich siehst
und dass du mich im Ganzen liebst
wie ich bin, mit allen Ecken und Kanten
Liebe und Licht sind die relevanten
Eigenschaften in mir
die ich trotz Dunkelheit nicht verlier
du siehst meine Stärke und meinen Mut
nicht meine innere Wut
über mich und mein Versagen
denn ich leuchte, an so vielen Tagen
zeige Mitgefühl und Empathie
und schenke dir, der Welt neue Energie
gebe dir den Raum, den du brauchst zu Sein
und lasse dich nicht allein
bin da, mit stützender Hand
wann immer du wackelst in deinem Stand
wenn du mich brauchst bin ich an deiner Seite
wo ich verweile
nicht weggehe und dich halte

In jeder Minute
siehst du in mir das Gute
das innere Funkeln, das in mir ist
nicht den Zweifel, der mich zerfrisst
du siehst Offenheit und Liebe,
dass ich über die Dunkelheit siege
siehst meine Intelligenz und meine Talente
schätzt die Zeit mit mir, kostbare Momente
du siehst mich ganz
meine Toleranz und Akzeptanz
nicht nur den dunklen Teil, in dem ich mal verweil
einer meiner guten Züge ist meine Güte
ich nehme dich im Ganzen an,
was wohl auch nicht jeder kann
du schätzt mein Verständnis und meine Kenntnis
für alles und jeden, für die inneren Beben
die uns alle erschüttern, denn so ist nun das Leben

Auch du siehst dein Sein
viel zu oft unscheinbar und klein
wäre es da nicht an der Zeit
unsere Brille abzunehmen, um zu verstehen,
dass wir mehr sind als wir glauben,
dass wir uns wieder mehr vertrauen,
dass wir alle unsere Schatten haben,
aber eben auch unsere Gaben
mit denen wir die Welt erhellen
uns gegen die Dunkelheit stellen
wenn wir uns öffnen, einander zuhören
dann können wir es sehen
wir alle haben die falsche Denke
erkennen zu selten die Geschenke
die wir sind und immer bleiben
egal in welche Dunkelheit uns unsre Gedanken kleiden
du, ich, wir sind Liebe und Licht
vergiss das nicht!

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